Wissen. Was die Branche bewegt
Bio im Test

Ökotest: Nur ein Bio-Kaffee ist „gut“

Ökotest hat bei Kaffee nach Schadstoffen gesucht und nach Arbeitsbedingungen gefragt. Die Antworten ließen oft zu wünschen übrig – auch bei Bio.

30.10.2021 vonLeo Frühschütz

Ökotest hat bei Kaffee nach Schadstoffen gesucht und nach Arbeitsbedingungen gefragt. Die Antworten ließen oft zu wünschen übrig – auch bei Bio.

20 gemahlene Kaffees hatten die Ökotester eingekauft, sechs davon in Bio-Qualität. Als einziger Kaffee im ganzen Test bekam das Faire Pfund Gepa Kaffee die Note „gut“. „Befriedigend“ schnitten die Kaffees von Bioladen, Dennree, Lebensbaum und Mount Hagen ab. Alnatura bekam ein „ausreichend“. Bei den konventionellen Kaffees sahen neun Produkte die Rote Karte.

Acrylamid und Furan bemängelt

Bei den Schadstoffen legte Ökotest den Focus auf Acrylamid und Furan. Beide entstehen zwangsläufig beim Rösten und stehen unter Krebsverdacht. Grenzwerte gibt es jedoch keine. Bei Acrylamid stufte Ökotest den Gehalt als „erhöht“ ein, wenn er mehr als die Hälfte des EU-Richtwerts für Kaffee (400 Mikrogramm je Kilogramm) ausschöpfte. Betroffen davon waren Mount Hagen und Alnatura. Die einschlägige EU-Verordnung schreibt allerdings den Herstellern erst dann zusätzliche Minimierungsmaßnahmen vor, wenn der Richtwert überschritten ist.

„Erhöhte“ Furangehalte fand Ökotest in allen Kaffees und wertete deshalb alle um eine Stufe ab. Da es keine Grenzwerte gibt, orientierte sich Ökotest an einer Risikoabschätzung der EU-Lebensmittelbehörde EFSA und wertete ab, sobald das Labor mehr als 77 µg Furane je Liter Kaffee fand. Zu den gemessenen Gehalten selbst teilte das Magazin nichts mit.

Bei der Sensorik war der Bioladen-Kaffee mit der maximalen Punktzahl von 5,0 Testsieger, dicht gefolgt von Gepa mit 4,9. Da kamen die konventionellen Produkte nicht ran. Am wenigsten schmeckte den Testern der Gourmet Kaffee von Lebensbaum: 3,8 Punkte ergab die Teilnote „ausreichend“.

Bio zahlt keine existenzsichernden Preise

Beim Thema „Kaffeeanbau und Transparenz“ ließ sich Ökotest die Lieferkette darlegen, fragte nach unternehmerischen Sorgfaltspflichten, konkreten Maßnahmen für Kleinbauern und Framarbeiter, nach existenzsichernden Löhnen und Preisen sowie einem Verbot von Entwaldung.

Nur die Bio-Hersteller konnten ihre Lieferkette komplett belegen, lobte Ökotest. Allerdings zahlen auch sie keine existenzsichernden Preise und Löhne. „In Umsetzung“ steht bei den meisten Bio-Kaffees, weil die Siegelorganisationen Fairtrade und Rainforest Alliance über die nächsten Jahre hinweg zu existenzsichernden Löhnen und Preisen kommen wollen.

Ein glattes „Nein“ steht bei dem ungesiegelten Kaffee von Dennree in der Tabelle. Auch bei den anderen Aspekten gab es Unterschiede. So konnten nur Gepa und Mount Hagen konkrete Maßnahmen für Bauern und Arbeiter zufriedenstellend belegen.

Bei den anderen steht ein „überwiegend“ in der Tabelle. Insgesamt bekommt beim Anbau lediglich Gepa die Note „sehr gut“ und Mount Hagen ein „gut“. Bioladen, Lebensbaum und Alnatura bewertet Ökotest als „befriedigend“ und Dennree als „ausreichend“.

Von den konventionellen Herstellern bekamen acht für mangelnde Transparenz und schlechte Anbaubedingungen die rote Karte. Allerdings erhielten auch drei konventionelle Preiseinstiegs-Kaffees ein „gut“.

Kommentare

Das könnte interessant sein ...

Ähnliche Beiträge