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Anti-Aging

Alles Wichtige über Naturkosmetik mit Q10

Wo Anti-Aging drauf steht, ist oft Q10 drin. Der Wirkstoff wird als Energiespender, Hautglätter und Radikalenfänger gelobt. Was Naturkosmetik mit dem Antioxidanz ausmacht und mit welchen Substanzen Q10 kombiniert wird.

26.05.2021 vonSylvia Meise

Glatte, faltenfreie Haut: Der Wirkstoff Q10 kann den Abbau von Kollagen hemmen.

Wo Anti-Aging drauf steht, ist oft Q10 drin. Der Wirkstoff wird als Energiespender, Hautglätter und Radikalenfänger gelobt. Was Naturkosmetik mit dem Antioxidanz ausmacht und mit welchen Substanzen Q10 kombiniert wird.

So künstlich das Kürzel Q10 anmutet, es bezeichnet eine Vitamin-ähnliche Substanz, die in jeder unserer Körperzellen steckt und benötigt wird. Chemiker nennen es deshalb „Ubichinon“, abgeleitet vom lateinischen Wort ubique – überall. Hat man Q10 einmal im Fokus, erweist es sich als faszinierendes Multitalent. Als Coenzym hilft es Nahrung in Körperenergie umzuwandeln. Dafür wird es teils vom Körper selbst produziert, teils über Lebensmittel aufgenommen. Natürliche Quellen sind Nüsse, Hülsenfrüchte, Sonnenblumenkerne sowie öliger Fisch oder Innereien.

Große Antioxidanz

Q10 kann den Abbau von Kollagen hemmen, das in der Haut für Festigkeit und Elastizität sorgt und gehört wie Vitamin E und K zu den großen Antioxidantien, die antientzündlich wirken und Körperzellen vor freien Radikalen schützen. Allerdings senken körperliche Anstrengung, Stress oder Alkoholkonsum sowie natürliches Altern seine Konzentration im Körper stetig ab. Am deutlichsten zeigt sich der abnehmende Schutz vor freien Radikalen an der Haut.

Kein Wunder, dass Kosmetikhersteller den Wirkstoff nutzen und für die Haut verfügbar machen wollen. Schon 1957 wurde er entdeckt und vor 20 Jahren erstmals von Beiersdorf für seine Nivea-Creme genutzt. Viele andere haben seitdem nachgezogen. Ansprüche und Herstellungsverfahren haben sich weiterentwickelt und so setzen heute auch viele Naturkosmetik-Unternehmen Q10 ein. Von der konventionellen Industrie unterscheiden sie sich allerdings wie immer deutlich in Punkto Herkunft und Herstellung von Zutaten sowie beim Kombinieren mit anderen Wirkstoffen.

Biokonforme Substanz

Aktuell werden drei verschiedene Verfahren zur Herstellung eingesetzt: Fermentation mit Hefen, mit Bakterien oder chemische Synthese. Eine Zertifizierung erhalten nur Produkte, die den Wirkstoff durch Fermentation gewinnen. Biokonform ist die Substanz, wenn der Mikroorganismus und das Ausgangsmaterial für die Fermentation nicht gentechnisch verändert wurden. Die Gewinnung des Rohstoffs durch chemische Synthese auf Basis fossiler Brennstoffe oder aus Zellen toter Wirbeltiere ist nach den Standards der Naturkosmetik-Verbände nicht erlaubt.

Natürliche Oxistresskiller

Neben Q10 braucht der menschliche Körper weitere Antioxidantien wie Vitamin C, E oder Betacarotin/ Provitamin A. Da wir diese nicht oder nicht ausreichend selbst produzieren, müssen wir sie über die Ernährung aufnehmen.

Beispiele für solche Lebensmittel:

  • Vitamin B Komplex: Sonnenblumenkerne, Walnuss, Grünkohl, Mangold, Erdnuss
  • Vitamin C: Ingwer, schwarze Johannisbeere, Paprika, Rote Bete, Petersilie
  • Vitamin E: Haselnuss, Hagebutte, Sanddorn sowie Pflanzenöle

Weitere Antioxidantien kommen als sekundäre Pflanzenstoffe vor, dazu zählen etwa Carotinoide, wie:

  • Provitamin A: Mango, Aprikose, Sauerkirsche, Brennnessel, Süßkartoffel;
  • Lycopin: Tomate; Lutein: Eidotter, Grünkohl, Spinat;
sowie Anthocyane in roten und blaue Beeren und Flavonoide in fast allen Obst und Gemüsesorten, vor allem in Zitrusfrüchten, Weintrauben und grünem Tee.

Für Lavera erläutert eine Unternehmenssprecherin die Basis natürlicher Fermentation mit Bakterien so: „Dabei wird eine Glucose-Nährlösung aus Mais oder Maisstärke aus zertifiziertem Ökolandbau hergestellt. Sie dient den Bakterien als Lebensgrundlage und bildet das Ausgangsmaterial für die Fermentation. Das Endprodukt ist ein gelbliches Pulver, das kosmetisch aufbereitet wird.

“Für Speick fasst Laborleiterin Susanne Gans zusammen: „Unser Q10, deklariert als Ubiquinone, wird mittels Fermentation von Hefen bio-technologisch hergestellt und in Liposomen eingebettet. Diese bestehen aus Lecithin und werden aus GMO-freiem Soja unter Verwendung von Äthanol (Weingeist aus Kartoffeln, Getreide oder Obst) hergestellt .“

Synergieeffekte

Auch wenn es Laien zunächst verblüfft: Die Inhaltsliste zertifizierter Cremes ist nicht kürzer als die konventioneller. Dabei rangiert der wertvolle Wirkstoff weit unten auf der INCI-Liste. Der Listenplatz zeigt, dass kleine Mengen ausreichen. Die Anzahl der Zutaten rührt auch daher, dass Q10 chemisch instabil ist, sich leicht an Wasser bindet und damit seine gewünschte Wirkung für die Haut verliert.

Deshalb wird es in Fett (Lecithin) oder Öl gehüllt. Außerdem spielt es eine Rolle, welche weiteren Bestandteile enthalten sind. Damit der Wirkstoff gut vom Körper aufgenommen wird und seine Wirkung entfalten kann, kombinieren die Hersteller verschiedene Substanzen zu Wirkstoffkomplexen. Q10 wird unter anderem mit Hyaluronsäure, Retinol (Vitamin A), Proteinen, Peptiden oder Pflanzenextrakten kombiniert.

Umstrittene Wirkung und seriöse Studien

Auf Nachfrage bei verschiedenen Unternehmen antworteten nur Lavera und Speick. Andere wollten lieber kein Statement abgeben – vielleicht, weil die Antiaging-Wirkung umstritten ist. Prinzipiell erscheint es sinnvoll, den Wirkstoff einzusetzen, da seine Eigenschaften Hautalterung vermindern können. Zwar ist umstritten, ob und wie gut es von den Hautzellen aufgenommen werden kann. Doch etliche Studien sagen: Es geht. Kritische Stimmen bemängeln etwa an den Erhebungen von Beiersdorf, dass diese im Auftrag des Unternehmens entstehen. An anderen Studien, dass die Tests „in vitro“ – in einer Nährlösung im Labor – erfolgen, oder auf Aussagen und Fotovergleichen von Testerinnen beruhen.

Q10 wird oft mit Hyaluronsäure oder Pflanzenextrakten kombiniert.

Allerdings dürfen Aussagen über die Wirkung von Inhaltsstoffen nur gemacht werden, wenn entsprechende seriöse Studien vorliegen. Speick und Lavera stellen die Studien, auf die sie sich berufen, zum Nachlesen zur Verfügung. Für Nachfragen der Kundschaft, kann man sich die Zusammenfassung kopieren. Nicht umstritten ist der antioxidative Effekt von Q10. Je nach Verarbeitung und Wirkstoff-Kombi kann es in tiefere Hautschichten vordringen, um freie Radikale unschädlich zu machen und für mehr Zellenergie zu sorgen.

Hersteller und ihre Produkte

Lavera

Basis Sensitiv Straffende Bodylotion Q10, Gesichtspflege: Basis Sensitiv Anti-Falten Feuchtigkeitscreme Q10, Basis Sensitiv Anti-Falten Feuchtigkeitscreme Q10, Basis Sensitiv Anti-Falten Augencreme Q10, Basis Sensitiv Anti-Falten Nachtcreme Q10

Logona

Mann Glättende Hydrocreme Q10 Bio-Ginkgo & Bio-Coffein – Creme für Männer

Sante

Sante Anti-Aging Handcreme, Sante Energy Bodylotion, Extra Sensitiv Shampoo Bio-Aloe Vera & Bisabolol

Speick

Speick Men Active Intensiv Creme - Schützende Tagescreme mit Q10

GRN [GRÜN]

Q10 Gesichtscreme (für Männer) - Straffende Pflege - Bio-Hanf & Bio-Hopfen

Eco Naturkosmetik

ECO Augencreme mit OPC, Q10 und Hyaluron

Tautropfen

Regenerierendes Gesichtspflegeöl für reife Haut aus der Serie Special Oil Soultions

Heliotrop

Active Zellenergie-Plus-Tagescreme, Active Zellenergie-Plus-Nachtcreme, Active Zellenergie-Plus Straffungsmaske

Börlind

Pura Soft Q10 Leichte Augenpflege

Cosnature

  • Serie Cosnature® Granatapfel (mit Q10): Nachtcreme, Tagescreme, Augencreme,
  • Regenerationsöl Granatapfel
  • Serie Cosnature® Sanddorn (mit Q10): Multi-Anti-Aging Serum Sanddorn, Multi-Power Gesichtsmaske Sanddorn

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