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Online-Handel ist der Gewinner im Krisenjahr 2020

Der durch die Einschränkungen in der Corona-Pandemie stark gewachsene Inhouse-Konsum hat digitalen Vertriebswegen zu extremem Schwung verholfen. Besonders bei Bio-Frischeprodukten konnten Online-Händler ihre Marktposition ausbauen.

18.03.2021 vonDaniela Nickel

Selbst bei Bio-Frischeprodukten ist der Online-Handel stark gewachsen.

Der durch die Einschränkungen in der Corona-Pandemie stark gewachsene Inhouse-Konsum hat digitalen Vertriebswegen zu extremem Schwung verholfen. Besonders bei Bio-Frischeprodukten konnten Online-Händler ihre Marktposition ausbauen.

In der Corona-Pandemie ist der gesamte Lebensmittelhandel stark gewachsen. Davon hat insbesondere die Bio-Branche in vielen Vertriebskanälen und Produktsegmenten profitiert. Das zeigen die Zahlen zum deutschen Bio-Markt 2020, die Diana Schaack von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft auf der Biofach vorstellte.

Mit einem Umsatzplus von rund 22 Prozent ist das Segment der ökologischen Lebensmittel der Gewinner des Corona-gebeutelten Krisenjahres 2020. Rückblickend hat es während der letzten zwei Jahrzehnte keine derartige Steigerung des Bio-Umsatzes in Deutschland gegeben. Corona toppt somit alle vorher dagewesenen Lebensmittelskandale und Krisen seit 2000. Entsprechend hat 2020 auch der Bio-Anteil mit 6,4 Prozent des Gesamtmarktes seinen bisherigen Höhepunkt erreicht, wie Schaack in ihrer Kongressveranstaltung darlegte.

Dabei hat sich 2020 der Bio-Anteil fast aller Frischeprodukte um 0,3 bis 2 Prozent erhöht, nur bei Kartoffeln und Butter verringerte sich bzw. stagnierte der Bio-Anteil (siehe Grafik). Den jeweils größten Bio-Anteil unter den Frischeprodukten verzeichnen unverändert Eier, während Fleisch, Geflügel und Wurstwaren am seltensten in Bio-Qualität gekauft wurden.

LEH profitiert von gestiegenem Bio-Bedarf

Die insgesamt stark gestiegene Nachfrage nach Lebensmitteln in den Monaten März bis Dezember 2020 ist laut Schaack auf den Inhouse-Konsum während der Lockdown-Zeiträume zurückzuführen. Geschlossene Gastronomie aber auch die Hamsterkäufe zu Beginn der Pandemie haben besonders Lebensmitteln wie Mehl, Speiseöl, Fleisch, Geflügel, Frischgemüse und -kartoffeln sowie Eiern zu erhöhten Einkaufsmengen verholfen.

Enorm gestiegen sind 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Einkaufsmengen einiger Bio-Lebensmittel. Allen voran Bio-Geflügel mit einer Steigerung von 73 Prozent, gefolgt von Bio-Fleisch und -Mehl mit je knapp 55 Prozent sowie ökologischem Speiseöl mit gut einem Drittel höherer Verbraucherausgaben.

Am stärksten war die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln im Corona-Jahr in den Monaten April und Dezember – mit jeweils über einem Drittel mehr Bedarf als 2019. Obwohl der große Umsatzanstieg für Bio-Produkte erst im März einsetzte, seien auch der Januar und Februar, unter anderem motiviert durch die Fridays-for-Future-Bewegung, umsatzstarke Monate gewesen, so Schaack.

Größtenteils bediente der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel mit einem Bio-Wachstum von 22 Prozent im Jahr 2020 den erhöhten Bedarf an ökologischen Lebensmitteln. Dort gaben die Verbraucher rund 5,3 Milliarden mehr aus als im Naturkostfachhandel, der gut 16 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr verzeichnete. Auffällig ist, dass laut Analyse der AMI auf Basis des GfK-Haushaltspanels besonders die Sommermonate Juni bis August dem Naturkostfachhandel nur mäßiges bzw. kein Wachstum brachten und er nur im Mai etwas stärker war als der LEH.

Online-Handel floriert auch bei Bio-Frische

Auch im Vertrieb musste der Handel seine Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellen. So verbuchten etwa der Online-Handel sowie Obst- und Gemüsegeschäfte bei Bio-Frischeprodukten ein enormes Plus von jeweils rund 70 Prozent im Vergleich zu 2019. Gut ein Drittel mehr Verbraucherausgaben wurden in die Kassen von Vollsortimentern, Hofläden und Erzeugern sowie Metzgereien gespült. In den Discountern gaben die Kunden knapp 22 Prozent mehr für Bio-Frischeprodukte aus. Eine vergleichsweise mäßige Steigerung der Verbraucherausgaben verzeichneten hier der Naturkostfachhandel (16 Prozent), Bäckereien (16 Prozent) und Wochenmärkte (12 Prozent).

Der größte Profiteur der Pandemie im Bio-Frische-Segment ist somit der Online-Handel, der aufgrund der Nachfrage noch mehr hätte wachsen können, so Schaack. Jedoch sei weiteres Wachstum durch fehlende Kapazitäten nicht möglich gewesen, erklärte die Marktanalystin weiter.

Insgesamt ist die Nachfrage an Bio-Frischeprodukten in der Direktvermarktung und im Handwerk beachtlich gestiegen (siehe Grafik). Allein beim Bio-Geflügel gab es in diesen Vertriebskanälen eine Ausgabensteigerung von fast 90 Prozent gegenüber 2019, beim Bio-Fleisch waren es knapp 60. Diese Mehrausgaben sind mit Blick auf die durchschnittliche Preissteigerung von drei Prozent bei Bio-Produkten im Jahr 2020 bemerkenswert. Für die höheren Preise waren laut Schaack fehlende Erntehelfer während der ersten Corona-Welle, schlechte Witterungsbedingungen, Kosten durch Hygienemaßnahmen sowie die erhöhte Nachfrage an sich ausschlaggebend.

Importanteil bei Bio-Getreide sinkt

Die Ökofläche ist 2019/20 weiter gewachsen, das teilte der BÖLW bereits bei der Bilanz-Pressekonferenz zur Biofach-Eröffnung mit. Jedoch ist die Wachstumsrate der biologisch bewirtschafteten Flächen mit 7,7 und 5,3 Prozent nicht mehr so rasant gestiegen wie in den Jahren 2016 bis 2018. Dank der abgeschlossenen Umstellung vieler Bauern auf Ökolandbau konnte der enorme Bedarf an Bio-Lebensmitteln in 2020 gut aufgefangen werden – bei vielen Produkten sogar in regionaler Qualität.

Beim Bio-Getreide sind die Importanteile seit 2017/18 kontinuierlich gesunken. Das gilt etwa für Körnermais, Dinkel, Gerste und Roggen. Mit den letzteren zwei Bio-Getreiden ist die Eigenversorgung mit Importanteilen von nur drei und zwei Prozent beinahe gedeckt. Beim Hafer hingegen betrug der Importanteil 2018/19 und 2019/20 gleichbleibend 18 Prozent. Insgesamt lag die deutsche Erntemenge beim Bio-Getreide (exklusive Körnermais) 2020 bei 1.137 Tonnen. Weiterhin sind die erzeugten Mengen der Frische-Produktsegmente Bio-Schweinefleisch (plus 58.000 Tonnen), Bio-Eier (plus 45 Milliarden Stück), Bio-Milch (plus 69 Millionen Kilogramm) und Bio-Rindfleisch (plus 64.000 Tonnen) erneut gestiegen.

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