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Branchenbilanz

Umsatz mit Bio um 22 Prozent gestiegen

Der Markt und die Nachfrage nach Bio-Produkten haben sich 2020 positiv entwickelt. Besonders Direkt- und Onlinevermarktung boomten im Corona-Jahr, wie der BÖLW auf der Jahrespressekonferenz der Branche in Nürnberg mitteilte. Diesen Schwung gelte es zu nutzen, so der Appell an die Politik.

17.02.2021 vonRedaktion

Der Bio-Markt wuchs auf insgesamt 14,99 Milliarden Euro an.

Der Markt und die Nachfrage nach Bio-Produkten haben sich 2020 positiv entwickelt. Besonders Direkt- und Onlinevermarktung boomten im Corona-Jahr, wie der BÖLW auf der Jahrespressekonferenz der Branche in Nürnberg mitteilte. Diesen Schwung gelte es zu nutzen, so der Appell an die Politik.

Der Naturkostfachhandel steigerte den Umsatz mit Lebensmitteln und Getränken auf insgesamt 3,70 Milliarden Euro, das teilte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) am Mittwoch zum Auftakt der Biofach 2021 mit. Inklusive Non-Food waren es laut Zahlen des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) 4,37 Milliarden Euro. Mit einem Umsatzplus von insgesamt 16,4 Prozent (2019: 8,4 Prozent) machte der Naturkostfachhandel 25 Prozent am gesamten Bio-Markt aus.

Der gesamte Bio-Markt wuchs laut Berechnungen des Arbeitskreis Bio-Markt (AMI) auf insgesamt 14,99 Milliarden Euro an. Damit investierten die Deutschen im Corona-Jahr 22 Prozent mehr in Bio-Lebensmittel als 2019. Mit einem Plus von 35 Prozent verbuchten die Hofläden, der Online-Handel (inklusive Lieferdienste), Wochenmärkte, Bäckereien und Metzgereien sowie Reformhäuser den höchsten Umsatzzuwachs. Besonders Direkt- und Onlinevermarktung boomten, die Bio-Abokisten-Services mussten bereits beim ersten Lockdown ihre Kapazitäten stark aufstocken, um die Nachfrage bedienen zu können.

Auch im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) griffen mehr Menschen bei Bio zu. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln und Getränken erhöhte sich dort um 22 Prozent. Mit insgesamt 9,05 Milliarden Euro hielt der LEH einen Anteil am Bio-Markt von 60 Prozent. Insbesondere die Vollsortimenter punkteten stark, da die Menschen gern weniger oft und dafür alles in einem Geschäft kauften.

Gesamtstatistik

Alle Branchenstatistiken bündelt der BÖLW in der Broschüre „Branchenreport 2021 – Ökologische Lebensmittelwirtschaft“.

Zur Broschüre

Ökologische Verkaufshits waren dem BÖLW zufolge Bio-Fleisch, Bio-Mehl, Bio-Obst und Bio-Gemüse mit Zuwächsen zwischen 70 Prozent (Geflügel) und 25 Prozent (Obst). Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt erhöhte sich 2020 vorläufigen Zahlen des BÖLW zufolge um 6,4 Prozent. Öko legte damit etwa doppelt so stark zu wie der Lebensmittelmarkt insgesamt, teilt der BÖLW mit.

Die Branche konnte die enorme Nachfrage laut Einschätzung des BÖLW bewältigen, „da viele Höfe in den letzten Jahren umstellten“. Weil die Umstellung Jahre dauert, kamen die Bio-Produkte von diesen Höfen erst verzögert auf den Markt. So sei 2020 auf den Nachfrageschub ein Produktschub von den neuen Bio-Betrieben der vorangegangenen Jahre getroffen.

Laut Zahlen des BÖLW stellten in den letzten fünf Jahren über 8.000 Betriebe auf Öko-Landwirtschaft um. Viele Öko-Betriebe setzten auf einen Bio-Anbauverband. Insgesamt stellten sie im vergangenen Jahr 67.598 Hektar auf die besonders hohen Verbandsstandards um.

Dem BÖLW zufolge wirtschaften 35.413 aller landwirtschaftlichen Betriebe ökologisch. Mit einer Fläche von 1.698.764 Hektar sind laut des Verbands 10,2 Prozent aller Landwirtschaftsflächen Bio. Das Flächenplus von 5,3 Prozent sorgte für zusätzliche 84.930 Bio-Hektar.

In den vergangenen fünf Jahren stiegen laut BÖLW 3.351 Betriebe in die von Öko-Lebensmitteln ein, ein Plus von 26 Prozent. 2020 zählte die Branche demnach 16.281 Bio-Hersteller. Der BÖLW wies darauf hin, dass die positive Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass auch in der ökologischen Lebensmittelherstellung Lücken klaffen, die mithilfe von förder-, forschungs- und ordnungspolitischen Maßnahmen geschlossen werden müssten. „Ohne mittelständisches Lebensmittelhandwerk in den Regionen fehle ein wichtiger Baustein für eine enkeltaugliche Lebensmittelwirtschaft und resiliente Wertschöpfungsketten“, heißt es in der Pressemitteilung.

„Politik muss Signale auf Nachhaltigkeit stellen“

Die Zuwächse im Bio-Sektor nutzte der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein für einen Appell an die Politik: „Die starken Impulse aus Wirtschaft und Gesellschaft können die Politik unterstützen, Probleme zu lösen, die heute dringlicher sind als je zuvor: der Schutz von Klima, Gewässern, Tieren und Biodiversität.“ Dieser Schwung müsse von der Politik auch genutzt werden, um der Perspektivlosigkeit auf vielen Bauernhöfen zu begegnen.

Der Blick auf 2020 und die vorangegangenen Jahre zeige, dass das Ziel von 25 Prozent Bio, das sich die EU bis 2030 mit der Farm to Fork-Strategie gesetzt hat, erreichbar ist. „Damit in Zukunft genügend Unternehmen die Bio-Chance nutzen können, muss die Politik die Signale entschieden auf Nachhaltigkeit stellen“ so Löwenstein. Besonders in der EU-Agrarpolitik brauche es einen Kurswechsel. „Mindestens 70 Prozent der Gelder müssen in freiwillige Umweltleistungen der Bäuerinnen und Bauern investiert werden“, fordert Löwenstein.

Mit den neuen Freiräumen, die Brüssel bei der Agrarpolitik lässt, hätte Deutschland mit dem Nationalen Strategieplan große Gestaltungsmöglichkeiten. Diese gelte es zu nutzen, um den notwendigen Umbau der Landwirtschaft zu gestalten – und all denen Planungssicherheit zu geben, die sich für eine Umstellung auf Bio und damit für mehr Nachhaltigkeit engagieren.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagte bei der Eröffnung der Biofach mit Blick auf die Zahlen, man müsse den durch Corona verstärkten Trend wahrnehmen und unterstützen. (kam)

Biofach und Vivaness finden vom 17. bis 19. Februar 2021 erstmals digital statt. Mit einem „eSpecial“ wollen die Veranstalter der Nürnberg Messe die Kern-Aspekte der bekannten Weltleitmesse für ökologische Lebensmittel sowie den zugehörigen Kongress digital umsetzen. Neben reinen Ausstellerprofilen und Produktpräsentationen bieten die Veranstalter Messe-Highlights wie Kongressveranstaltungen als Live-Stream und „on demand“.

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