Biohandel

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Markennutzungsvertrag unterzeichnet

Kaufland ist Mitglied bei Demeter

Mit dem Schritt wollen der Discounter und der Anbauverband die Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche voranbringen und die Demeter-Produkte neuen Kunden schmackhaft machen.

Demeter hat einen Markennutzungsvertrag mit Kaufland abgeschlossen. Der Lebensmittelhändler, der wie Discounter Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, ist dem Verband dadurch als Mitglied beigetreten.

Kaufland ist nicht die erste Lebensmittelkette, mit der Demeter einen solchen Vertrag eingegangen ist. Demeter arbeitet auf diese Weise bereits mit Tegut, Dm, Globus, und Edeka zusammen.

Insgesamt laufen inzwischen rund 20 Prozent der Umsätze mit Demeter-Produkten über den konventionellen Lebensmitteleinzelhandel. Märkte von Real und Rewe werden ohne vertragliche Vereinbarung mit Demeter-Ware beliefert. Das ist möglich, wenn die Hersteller sicherstellen, dass die belieferten Handelshäuser die Demeter-Vertriebsgrundsätze einhalten.

Kaufland will Bio-Sortiment weiter ausbauen

Die Mitgliedschaft bei Demeter zahlt auf die Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie von Kaufland ein. Schwerpunkt der Strategie ist es, das Bio-Sortiment in den deutschlandweit rund 970 Filialen kontinuierlich auszubauen.

Von durchschnittlich 30.000 Artikeln im Sortiment sind bei Kaufland aktuell „bis zu 2.600“ in Bio-Qualität. Das gibt der Händler in einer Pressemitteilung bekannt. Der Anteil an Demeter-Ware beläuft sich demnach auf 250 Artikel, zu denen neben Molkereiprodukten, die 2018 erstmals in die Regale von Kaufland kamen, mittlerweile auch Obst und Gemüse, Säfte, Babynahrung, Konserven, Öle, Teigwaren, Nährmittel, Frühstücksartikel und Gebäck zählen.

„Durch unseren Status als Mitglied im Verband können wir noch besser dazu beitragen, dass die biodynamische Landwirtschaft am Markt und auf der Fläche wächst und Projekte aktiv mitgestalten“, sagt Yalcin Cem, Geschäftsführer Einkauf Bio-Lebensmittel und Drogerie bei Kaufland.

Mit der Mitgliedschaft im Demeter-Verband verpflichtet sich Kaufland die Qualitäts- und Fairplay-Vorgaben von Demeter für den Handel einzuhalten. Wie bei anderen Partnern aus dem Lebensmitteleinzelhandel seien zudem Vereinbarungen zu Mitarbeiterschulungen, Kundeninformation, einem Mindest-Biosortiment und die finanzielle Beteiligung an biodynamischen Entwicklungsprojekten wie Forschung, Bildung und Biozüchtung gemäß den Demeter-Vertriebsgrundsätzen Standard.

„Wir wollen den Handel entwickeln und mitgestalten, deshalb setzen wir auf Vertragsvereinbarungen mit den Handelshäusern, die dem Verband und seinen Mitgliedern eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglicht. Damit nehmen wir auch die Handelspartner in die Verantwortung, sich für die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeit im Lebensmittelsektor einzusetzen“, teilt Demeter-Vorstand Johannes Kamps-Bender mit.

Die Verhandlungen mit Kaufland seien Kamps-Bender zufolge vom gemeinsamen Interesse bestimmt gewesen, die Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche voran zu bringen und die Demeter-Produkte neuen Kunden schmackhaft zu machen. Dr. Alexander Gerber, ebenfalls Vorstand bei Demeter, ist überzeugt, „dass wir dadurch unserem Ziel, möglichst viele Menschen zu erreichen und von den Vorteilen unserer Werte überzeugen zu können, wieder einen Schritt näher kommen“.

3 Fragen an Demeter

Wie wird bei Demeter über die Aufnahme eines neuen Partners, insbesondere in der Größenordnung von Kaufland beschlossen?

Die Entscheidung, welcher Handelspartner als Mitglied aufgenommen wird, liegt formal beim Vorstand, der anhand der konkreten Kriterien aus den Vertriebsgrundsätzen entscheidet, ob eine Aufnahme in Frage kommt. Seit 2019 gibt es zudem eine Vertragsvergabekommission, der alle Fachgruppen und damit die Sprecher*innen der Mitglieder und Landesverbände angehören; auch der Aufsichtsrat und die Geschäftsführer der Regionen werden in die Entscheidung miteinbezogen.

Wie ist bei Demeter die Beitragszahlung bei einem großen Partner wie Kaufland in Proportion zu Kleineren geregelt?

Die Beitragszahlung richtet sich nach dem Demeter-Umsatz. Sie bemisst sich damit bei allen Händlern unabhängig von ihrer Größe an der tatsächlichen Handelsaktivität mit Demeter-Produkten.

Wie hängen bei Demeter Beitragshöhe und Stimmrecht zusammen?

Zwischen Beitragshöhe und Stimmrecht gibt es keinen Zusammenhang. Alle Mitglieder haben eine Stimme in ihrer Fachgruppe. So haben die Partner aus dem LEH jeweils eine Stimme in der Fachgruppe Handel. Dort haben auch alle ca. 350 Partner aus dem Naturkostfachhandel jeweils eine Stimme.

Die Fragen beantwortete Susanne Kiebler, Pressesprecherin bei Demeter.

Demeter plant neue Aktionen für den Fachhandel

Durch Kooperationen mit Partnern außerhalb im Lebensmitteleinzelhandel sorge Demeter laut eigener Aussage „für beste Bioqualität und mehr Nachhaltigkeit im Handel“. Die Partnerschaft mit Kaufland helfe, mehr Menschen mit den Werten von Demeter zu erreichen.

Dem Fachhandel stellt Demeter-Vorstand Gerber neue Werbeaktionen in Aussicht. „Wer konsequent Bio-Lebensmittel sucht, ist im Naturkostfachhandel gut beraten – denn hier werden Standards für nachhaltige Lebensstile gesetzt. Deshalb wollen wir und zahlreiche Demeter-Hersteller mit dem Biohandel Kampagnen starten.“

Demeter baut in Zusammenarbeit mit dem Fachhandel auf kreative Kommunikation. Im September will der Verband mit „regelmäßigen Bioladen-Wochen in Orange“ starten, und damit auch „die seit langer Zeit bestehende strategische Partnerschaft mit dem Naturkostfachhandel“ feiern, teilt Gerber mit. Weitere Details sind noch nicht bekannt.

Demeter für alle?

In einem Interview auf der Webseite von Demeter sprechen die Vorstände Alexander Gerber und Johannes Kamps-Bender über die Verbandsstrategie, Demeter-Produkte im Lebensmitteleinzelhandel, die Partnerschaft mit dem Naturkostfachhandel und die Demeter-Vertriebsgrundsätze.

Kommentare

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Georg Rieck

Werter Kollege Kaiser,

Dein Kommentar zu Kaufland – demeter scheint mir ungewöhnlich depressiv?

Was mir auffällt ist die „Kriegsberichtserstattersprache“:
… Einschüchterungen und Tricks … Scheingefechte … erkämpfte Position … Ringen … Niederlage … Die Markt-Mächtigeren haben sich durchgesetzt - im alten System. Das ist LEH-Sprech ...
Ich weiß nicht, ob es „BIO“ beschädigt, wenn der LEH die Werte zerschießt – könnte sein, wahrscheinlich schon...

Aber viel entscheidender ist etwas anderes für uns:
Ob wir es schaffen, „moralische Bedenken“ gegenüber der Art und Kultur des Handelns ausreichend zu entwickeln, um einen überzeugenden Standpunkt im Markt einzunehmen (zu erhalten)!
Wir haben uns vom immerwährenden Wachstum dermaßen korrumpieren lassen, die Unkultur des LEH nachzuahmen und deren verderbliche Unarten anzunehmen, dass wir sehr schnell ein Glaubwürdigkeitsproblem haben, wenn wir nicht schnellstens zur Besinnung kommen und umsteuern!
Konkret: Wenn ich immer wieder höre, dass die Kollegen in den Jahresgesprächen schon genauso, oder sogar noch mehr gefürchtet werden, wie die LEH – Einkäufer, könnte ich kotzen!
Und: Die jungen Leute, die Träger der neuen gesellschaftlichen Strömungen in Richtung Nachhaltigkeit, nehmen uns jetzt schon nicht mehr ernst, weil sie unser moralisches Ableben sehr genau wahrnehmen!

BIO WAR DER GEGENENTWURF zur LEH – UNKULTUR! Und das hat uns den Vertrauensvorschuss beschert!

Die Anbauverbände, die uns jahrzehntelang durch ihre Qualitätsarbeit die Basis unserer Vertrauenswürdigkeit umsonst geliefert haben, gehen jetzt andere Wege – sei´s drum!
Wenn der Fachhandel zum Nadelöhr wird, durch das das Kamel nicht mehr durchgeht, muss das wohl so sein.
Für das Prosperieren der Bio-Branche (ich weiß auch nicht so genau, wieso ich es immer noch wage von dieser Chimäre zu sprechen … ) ist folgendes lebenswichtig:
• Moralischen und ethischen Grundsätzen den Wieder-Einzug in die Wirtschaftsdoktrin zu ermöglichen – ja sie sogar zu priorisieren!
• Den Gegenentwurf leben! Konkret: Keine Jahresgespräche mehr und dem Preisdruck abschwören!
• Die 17 SDG s der UNO und die Ziele der „Agrarökologie“ zum Branchenleitbild zu machen!
• Also sich viel umfassenderen Zielen, als dem Öko-Landbau, zu verpflichten!

Die Disruption im BNN würde aktuell eine umfassende Transformation der Branchenorganisation und der Branchenziele ermöglichen – wo ist die entsprechende Auseinandersetzung???

Georg Kaiser

KLAR - DEMETER für Alle and everywhere !!

Auch für DEMETER gibt es längst keine moralischen Bedenken mehr, ebenso wie die meisten anderen Anbauverbände, im (Grossflächen-) Discount zu stehen.
Die letzte noch fehlende, formale Hürde ist genommen !
Dazu waren einige Einschüchterungen und Tricks - v.a. im Jahr 2016/17 notwendig. Zwischenzeitlich suggerierte Ambitionen der Vorstände, DEMETER wieder aus dem Grossflächen-Discount rauszuholen - wahrscheinlich nur Scheingefechte.
Das Sagen im Verband haben die grossen Hersteller mit Drang in den LEH/ teils mit (damaliger) Aufsichtsratsfunktion.
Man muss uns Fach-Einzelhändlern jedoch auch selbstkritisch ins Logbuch schreiben, dass zu jener Zeit kaum jemand präsent war, um die gemeinsam über Jahrzehnte erkämpfte Position zu erhalten - geschweige denn, schnell zu einer gemeinsamen und deutlichen Haltung zu gelangen. Die Brisanz und die Folgen waren den wenigsten bewusst. Man wollte auch gar nicht glauben, dass nun auch noch DEMETER mit den Hauptverursachern der Verödung von Land- und Lebensmittelwirtschaft zusammenarbeiten wird.

Das Arbeiten und Ringen für ganzheitliche Werte vom Feld bis zum Kunden ist damit mit einer Niederlage zu Ende gegangen. Die Markt-Mächtigeren haben sich durchgesetzt - im alten System.
Auch wenn die Bio-Artikelanzahl bei KAUFLAND bald auf 10% ansteigen sollte, liegen die Bioumsätze von KAUFLAND noch unter 5%. Somit sind 90% der Artikel und über 95% des Umsatzes immer noch stock-konventionell (trotz höherer Wachstumsraten bei Bio).
Wenn es schon für den total heterogenen, und damit eigentlich wertvollen, Biohandel, sehr anspruchsvoll war und ist, gemeinsame "Präparate des DEMETER-Handels" zu definieren, ist es m.E.n. mit Partnern wie KAUFLAND ausgeschlossen.

By the way. Biofleisch bei Lidl-Schwarz (Kaufland) ist seit Wochen out of stock, weil beinahe alles über den "Big Boss" Tönnies kam. Eine Katastrophe für alle Bauern, die dahinter stehen.

DEMETER für Alle und überall? Bioläden/supermärkte gibt es in Deutschland immer noch 4x mehr, als Kaufland-Filialen. Viele davon nach wie vor mit guten und langjährigen Partnerschaften - mit meist regionalen DEMETER-Bauern und Verarbeitern.
Es bleibt die Frage, ob die verbleibenden Profilierungsmöglichkeiten für Fachhändler (groß wie klein) ausreichen, um die nächsten 10-20 Jahre als sichtbarer Vertriebskanal zu überleben und damit auch diesen vielen Demeter-Betrieben gute und vielfältige Absatzmöglichkeiten zu bieten.
Man sehe sich nur unsere Innenstädte an! - sie waren mal voll von engagierten Einzelhändlern. Dort kann man beobachten, was AMAZON und GROSSFLÄCHE/CENTER in wenigen Jahren vollbracht haben.


Georg Kaiser / BIO COMPANY (einstiger Demeter-Aktivpartner)

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