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Handel reagiert auf Davert bei dm

Die Präsenz der Marke Davert bei dmhat bedeutende Akteure des Naturkostfachhandels zu weitreichenden Konsequenzen verlasst. Das Sortiment des Bio-Pioniers soll auf den Prüfstand gestellt und durch fachhandelsloyale Marken ersetzt werden.
08.06.2016
Die Präsenz der Marke Davert bei dmhat bedeutende Akteure des Naturkostfachhandels zu weitreichenden Konsequenzen verlasst. Das Sortiment des Bio-Pioniers soll auf den Prüfstand gestellt und durch fachhandelsloyale Marken ersetzt werden.

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Zur Meldung: "Aufruf an fachhandelsorientierte Bio-Marken" (07.06.2016)

Die Präsenz der Marke Davert bei dm hat bedeutende Akteure des Naturkostfachhandels zu weitreichenden Konsequenzen verlasst. Das Sortiment des Bio-Pioniers soll auf den Prüfstand gestellt und durch fachhandelsloyale Marken ersetzt werden.

Auch wenn viel persönliche Enttäuschung mit der Tatsache verbunden ist, dass Davert jetzt mit 22 Marken-Artikeln bei dm steht: Die schnelle und heftige Reaktion des Facheinzelhandels auf die Ubiquitätsanstrengungen des Bio-Pioniers ist wirtschaftlich begründet. Denn dass der Preisdruck auf Davert-Artikel steigt und in der Folge die Marge nicht mehr ausreicht, um die höheren Kosten des Fachhandels gegenüber discountähnlichen Vertriebsstrukturen abzudecken, gilt für viele Filialisten als sicher.[nbsp]

Da weitere Fachhandelsmarken bei dm und Rossmann Schlange stünden, sei die Not besonders groß. Die „Arbeitsgruppe mittelständischer Bio-Facheinzelhändler“ ruft deshalb dazu auf, neue Bio-Markenanbieter oder bewährte Markenhalter mit neuen Artikelangeboten zu finden, „weil in einigen unserer Sortimente Regalplätze frei werden“. Das Fass zum Überlaufen hat folgender Satz in der dm-Pressemitteilung gebracht: „Davert und dm haben bereits erste gute Erfahrungen miteinander gemacht, denn Davert ist auch Produzent einiger Produkte der Eigenmarke dmBio.“[nbsp] Damit werde dem Kunden suggeriert, dass ein Besuch im Bioladen überflüssig sei, um in den Genuss von Davert-Qualität zu kommen.

Bio Company listet Davert-Artikel aus

„Damit ist die Marke für uns tot“, sagt Georg Kaiser, Geschäftsführer der Bio Company. Dem Kunden werde mit dem Hinweis auf Abfüllung von dm-Eigenmarken suggeriert, dass auch der für 2,25 Euro angebotene dmBio-Dinkel von Davert stamme (was lt. Davert nicht der Fall ist, Anm. d. Red.). Der empf. VK von Davert-Dinkel im Fachhandel betrage 4,49 Euro.[nbsp]Seine Konsequenz ist die weitgehende Substitution von Davert-Produkten. Mit einer Bevorzugung des Herstellers, z.B. durch Einlistung von Artikeln, die sich nicht so schnell drehen, sei es definitiv vorbei. Auch die Davert-Portraits sollen aus den Filialen verschwinden.

Kaiser spricht[nbsp] von signifikanten Umsätzen, die Davert durch die Auslistungen[nbsp] in seinen Filialen verliere. Mit seinem Team habe er sich aktuell Gedanken über eine Strategie-Änderung gemacht: Fachhandelstreue Marken sollen gefördert werden, auch eine Verlagerung des Schwerpunktes hin zu Bio-Frische sei denkbar, wenn weitere angestammte Marken in den konventionellen Handel abwandern.

„Margenwettbewerb nicht zu gewinnen“

Michael Radau, Vorstand der SuperBioMarkt AG, sieht die Entwicklung ebenfalls kritisch. „Der Bio-Fachhandel kann diesen Margenwettbewerb nicht gewinnen“, sagt er und nennt als Beispiel die Bio-Landwirtschaft, die wegen des höheren Aufwands ebenfalls höhere Margen generieren müsse als die konventionell wirtschaftenden Kollegen. Radau denkt auch über Substitute für die ebenfalls bei dm stehende Marke Provamel nach, „die durchaus auch aus dem Hause Alpro stammen können“. Bei Trocken- und Hülsenfrüchten sowie dem Reissortiment sollen Alternativen mit auskömmlichen Margen gefunden werden.

Nicht nur dm sei ein für den Fachhandel ein kritischer Standort für Fachhandelsmarken, sondern auch Rossmann und Edeka: „Uns treibt die Sorge um, dass sich noch mehr Fachhandelsmarken auf den Weg in den LEH machen.“ Deshalb wolle die SuperBioMarkt AG bereits jetzt „sehr intensiv“ auf die Suche nach fachhandelsloyalen Marken gehen und diese fördern. Die SuperBioMarkt AG gehört zur „Arbeitsgruppe mittelständischer Bio-Facheinzelhändler“ und hat den Aufruf unterschrieben.

„Wir brauchen Fachhandelsmarken“

Auch Gerhard Bickel, Chef der ebl-Märkte, ist überzeugt, dass der Fachhandel Fachhandelsmarken braucht, die nicht überall stehen. Erst kürzlich habe er mit seinem Team Davert besucht, um die Marke stärker in den Köpfen der Mitarbeiter zu verankern. Jetzt will er das Sortiment kritisch prüfen, auch das von Provamel. „Bei Davert tut das sehr weh“, sagt er mit Blick auf die Tradition des Bio-Pioniers.Notwendig für den Fachhandel sei jedoch, „dass es Marken und Hersteller gibt, die autentisch sind“.

Bickel glaubt, dass dm die Marke nur listet, weil sie im Fachhandel steht. Sie solle Qualität ausstrahlen, um die dm-Kunden dazu zu verleiten, verstärkt zur dmBio-Handelsmarke zu greifen. Bickel sieht die Abwanderung von Fachhandelsmarken aber auch als Chance. Man müsse neu nachdenken und kleinere Anbieter stärker fördern.

„Aufbau neuer Marken ist jetzt die Aufgabe“

Stephan Paulke, Vorstand der Basic AG, billigt den Naturkostherstellern das Recht zu wachsen zu, sieht aber keine Chance, die Marken weiterzuführen, wenn sie auch in preisaggressiven Vertriebsformaten wie dm stehen. Neue Marken aufzubauen sei deshalb die dringliche Aufgabe des Fachhandels, um Nachfolger fürs Regal zu bekommen. Paulke wünscht sich dazu mehr Entschlossenheit und Gemeinsamkeit der Branche, denn alleine könne ein Laden oder eine Ladenkette neuen Herstellern keine wirtschaftliche Perspektive bieten.

Dabei denkt er an den BNN, der Einzelhändler und Hersteller stärker zusammenführen und die Zeichen der Zeit erkennen müsse. Der Fachhandel sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt, es fehle Orientierung und eine klare Botschaft nach außen. Zur Aussage von Davert, dass der Bio-Fachhandel von der Ansprache neuer Käufergruppen bei dm und der dadurch steigenden Markenbekanntheit von Davert profitieren werde, sagt der Basic-Chef: „Das ist kompletter Unsinn und der Versuch, den Fachhandel für dumm[nbsp] zu verkaufen.“

„Privat-Label-Geschäft als Verhängnis“

Der Ausbruch von Davert aus dem Fachhandel wird auch im Großhandel bedauert. Während viele Großhändler zunächst abwarten wollen, wie sich ihre (Haupt-)Kunden entscheiden, hat Bodan seine Hausaufgaben bereits gemacht:[nbsp] Wir haben diese Fragen im Rahmen unseres Partnerbeirats auch mit unseren Kunden besprochen und leiten daraus folgende Maßnahmenbündel ab:

  • Stärkung der Hersteller im Sortiment, die sich weiterhin und klar verbindlich zum Fachhandel bekennen.
  • Kritische Überprüfung der Hersteller-Produktportfolios, die eine ubiquitäre Verteilung im Markt anstreben.
  • Aktive Entwicklung von Produkt-Sortimenten, die klar auf Herkunft, Identität und Qualität setzen. Dies auch mit neuen Herstellern oder Marktpartner-Verbindungen.
  • Intensivierung des Wertedialogs zwischen Herstellern, Händlern und Verbrauchern, z.B. durch die Kampagne „WIR. Bio Power Bodensee“ www.wir-bodensee.bio.

Für Bodan ist die Entwicklung bei den Fachhandelsmarken ein Ergebnis der Rohstoff- und Handelspolitik vieler (inzwischen) großer Hersteller-Unternehmen, die einen Großteil ihrer Produktion als Privat Label-Geschäft abwickeln. Dadurch hätten sie sich bewusst in die Abhängigkeit von wenigen großen Abnehmern begeben und seien nun von den Verwerfungen betroffen, die sich auf dem Markt z.B. bedingt durch die Prozesse zwischen dm und Alnatura abspielen.

„Dass darunter nun auch die Vertriebspolitik der ursprünglichen Naturkost-Fachhandelsmarken leidet, ist fatal und wird die Erkennbarkeit der klaren Markenidentität dieser Produkte im Fachhandel weiter schwächen“, sagt Geschäftsführer Sacha Damaschun.

Versöhnliches von Dennree

„Die Entscheidung von Davert, den Status als Fachhandelsmarke aufzugeben, bewegt uns und wirft die Frage auf, wie nahe dieser Schritt an der ursprünglichen Vision von Rainer Welke liegt. Die Reaktion der Kunden können wir aktuell nicht einschätzen. Wir wünschen uns, dass sowohl das Qualitätsempfinden als auch das Vertrauen der Kunden in die Marke Davert nicht leidet“, sagt Dennree-Marketingleiter Lukas Nossol.

Der Hersteller[nbsp]Barnhouse verspricht Läden Fachhandelstreue.

07.06.2016 von Redaktion

Eine Gruppe mittelständischer Bio-Einzelhändler ruft fachhandelsorientierte Bio-Marken zur gemeinsamen Weiterentwicklung des Fachmarktes auf.

Weil derzeit sichtbar werde, dass bestehende Bio-Fachhandelsmarken in die Ubiquität gelangen wollten, würden in einigen Sortimenten Regalplätze frei, so die Gruppe in einer Mitteilung. Dafür suche man neue Bio-Markenanbieter oder bewährte Markenhalter mit neuen Artikelangeboten. Auch Start-ups seien aufgerufen, heißt es weiter.

Zudem appelliert die Gruppe an Bio-Facheinzelhändler und -Großhändler, diese Sortimentspolitik ebenfalls zu unterstützen. So könne man leistungsfähigen Hersteller eine dauerhaft attraktive, wirtschaftliche Basis bieten.

Für weitere Informationen stehen die Mitglieder der Arbeitsgruppe mittelständischer Bio-Facheinzelhändler zur Verfügung. Dazu zählen:

    • SuperBioMarkt AG, Münster
    • Naturgut GmbH, Stuttgart
    • Biomare Gmbh, Leipzig
    • ebl-naturkost GmbH [&] Co. KG, Fürth
    • Vorwerk Podemus Biofleisch- und Wurstwaren Vera und Bernhard Probst GbR, Dresden
    • VollCorner Biomarkt GmbH, München
    • BioFrischMarkt GmbH, Saarbrücken
    • basic AG, München

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