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Bio im Test

„Ungenügend“ – Bio-Leinsamen fallen im Ökotest durch

Ökotest wies Mineralölbestandteile und Blausäure in Leinsamenschrot nach – auch in Bio-Produkten.

28.01.2022 vonLeo Frühschütz

Leinsamen haben grundsätzlich relativ viele cyanogene Glykoside enthalten, aus denen beim Essen Blausäure freigesetzt wird.

Ökotest wies Mineralölbestandteile und Blausäure in Leinsamenschrot nach – auch in Bio-Produkten.

20 Mal geschroteten Leinsamen hatten die Ökotester eingekauft, 18 Produkte stammten aus Bio-Anbau. Als einziger erhielt der von der Antersbacher Mühle gelieferte Dennree-Leinsamenschrot die Note „sehr gut“. Alnatura, Bioladen (Weiling) und vier Proben aus dem LEH wurden mit „gut“ bewertet.

Bauckhof, Rapunzel und drei LEH-Eigenmarken waren „befriedigend“, während Davert und drei LEH-Eigenmarken nur ein „ausreichend“ erhielten. Die Leinsamen von Pural und dem österreichischen Anbieter Verival bewertete Ökotest als „ungenügend“. Bei Pural führten „stark erhöhte“ Gehalte an Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH), ein erhöhter Gehalt an Blausäure und der Nachweis cyclischer Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) zur Roten Karte. Verival hatte keine Angaben zu Arbeitsschutz und Transparenz gemacht.

Blausäure ist kein Grund zur Panik

Siebenmal stand in der Testtabelle für Bio-Leinsamen „Blausäure erhöht“, darunter Alnatura, Bioladen, Bauck, Davert und Pural. Ökotest erklärte dazu, dass Leinsamen wie Aprikosenkerne oder Bittermandeln relativ viele cyanogene Glykoside enthalten, aus denen beim Essen Blausäure freigesetzt wird. Das sei kein Grund zur Panik, der menschliche Körper könne bestimmte Mengen an Blausäure abbauen, beruhigte Ökotest. Über Vergiftungsfälle sei bisher nichts bekannt. Die Blausäure verflüchtige sich beim Kochen.

Für Erwachsene sei auch stark belasteter Leinsamen kein Problem, bei Kindern sei die Sicherheit jedoch unklar und für Kleinkinder sei Leinsamen nicht geeignet. Zwar gebe es keinen gesetzlichen Grenzwert. Diskutiert werde auf EU-Ebene ein Höchstgehalt von 150 Milligramm je Kilogramm. Produkte, die darüber lagen, wertete Ökotest um eine Stufe ab.

Weite Anreise

Kein Anbieter bezog seine Bio-Leinsaat aus Deutschland, einzelne nannten Österreich (Bioladen), Frankreich (Bauck) und Italien (Rapunzel) als Herkunft. Die meisten anderen Leinsamen kamen aus Kasachstan und Indien. Deshalb wollte Ökotest mehr über Lieferkette und Arbeitsbedingungen vor Ort wissen. „In acht von 14 Fällen legten die Anbieter uns externe Zertifikate und Auditberichte vor, die sich an internationalen Sozialstandards orientierten“, schrieb Ökotest. Darunter waren Dennree, Alnatura, Davert und Pural.

Die Leinsamen aus Indien und Kasachstan kosteten – auf 200 Gramm bezogen – meist weniger als einen Euro, ebenso Leinsaat aus Polen und Russland. Die Produkte von Alnatura und Dennree kosteten 0,99 Euro, die von Davert (1,49), Rapunzel (1,72) und Bauck (1,99) lagen deutlich darüber. Die Bioladen-Samen im Pfandglas spielten mit 3,99 Euro in einer anderen Liga.

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