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Mehrwertsteuersenkung: Was Bio-Einzelhändler tun wollen

Die befristete Mehrwertsteuersenkung bereitet dem Einzelhandel mehr Sorgen als Freude. Denn alle Preise zu senken und nach einem halben Jahr wieder zu erhöhen ist ein Riesenaufwand. Was ist die beste Lösung?

08.06.2020 vonHorst Fiedler

Die befristete Mehrwertsteuersenkung bereitet dem Einzelhandel mehr Sorgen als Freude. Denn alle Preise zu senken und nach einem halben Jahr wieder zu erhöhen ist ein Riesenaufwand. Was ist die beste Lösung?

Wir geben die Mehrwertsteuersenkung an unsere Kunden weiter, posaunten die großen konventionellen Handelsketten vergangene Woche werbewirksam. Im Bio-Fachhandel hat sich Alnatura dieser Ansicht angeschlossen, überlegt aber noch wie. Auch bei der BioCompany wird nach einer Lösung gesucht. „Der damit verbundene zweimalige Aufwand bei einer sechsmonatigen Umstellung der Mehrwertsteuer ist leider sehr hoch bei 7.000 bis 10.000 Artikeln“, sagt Geschäftsführer Georg Kaiser. „Wir prüfen derzeit noch, was die einfachste und aufwandsärmste Form der Vorteilsweitergabe an unsere Kunden sein kann. Eine mögliche Variante wäre eine Erhöhung des Rabatts auf der Kundenkarte. Dies ist aber noch nicht final entschieden.“

Bioladen Momo will voraussichtlich gar nichts machen

Für kleinere inhabergeführte Läden ist der Aufwand, alle Preise zu ändern, ebenfalls hoch: „Ich stelle mir gerade vor, ich würde 5.000 Artikel neu kalkulieren, Etiketten schneiden und anbringen. Damit wäre ich noch nicht fertig wenn das halbe Jahr um ist“, sagt Raoul Schaefer-Groebel, Geschäftsführer von Momo in Bonn. Und er rechnet vor: Der Aufwand wäre 5.000 x 1-2 Minuten oder so, also zwei bis vier Wochen Arbeit für eine Vollzeitkraft. „Da würde ich eher pauschal 3 Prozent Rabatt anbieten, aber selbst das ist für Katz. Wir bieten ja schon 10 Prozent Rabatt an für alle, die durch die Krise kein Einkommen haben. Und haben eh einen Bonus für Stammkunden (schon ab 50 Euro monatlicher Einkauf).“ Sein Fazit: „Wir brüten noch, aber ich denke, wir machen gar nichts. Statt unsere Nasen zu vergolden, spenden wir vielleicht im Anschluss? Sehe ich ja am Rohertrag dann …“

Update

Händler können für die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer von einer Ausnahmemöglichkeit Gebrauch machen, um nicht die Preisauszeichnung sämtlicher Regale in der Nacht zum 1. Juli 2020 ändern zu müssen.

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BioOffice bietet Läden Unterstützung an

Hilfe für die Umstellung ihres Kassensystems sollen diese Woche noch alle Kunden von BioOffice bekommen. Weil die Systeme von BioOfffice auch in Nachbarländern mit anderen Mehrwertsteuersätzen verkauft werden, sei die Umstellung relativ einfach, heißt es aus Berlin. Die Kunden werden per Rundschreiben informiert. Für das Warenwirtschaftssystem gibt es bereits auf der Homepage von Bits & Bytes Anleitungen zur Umstellung und den Hinweis, vor der Umstellung der Mehrwertsteuer unbedingt eine Datensicherung zu machen.

Finanzministerium rät, Gesetzgebungsvorschlag abzuwarten

Wer die Zahlen nicht ändern und lieber einen Rabatt gewähren will, sollte noch warten, bis das Finanzministerium einen Gesetzgebungsvorschlag vorgelegt hat und Anwendungsfragen durch die Finanzbehörden geklärt werden. Das Bundesfinanzministerium hat auf unsere Anfrage nach den rechtlich zulässigen Möglichkeiten im Zusammenhang mit der Ausweisung der geänderten Mehrwertsteuer auf dem Kassenzettel und der Weitergabe des Absenkungsbetrags an die Kunden wie folgt geantwortet: „Wie nach Beschlüssen der Regierungskoalition üblich, wird die konkrete Umsetzung jetzt im Ressortkreis abgestimmt und zeitnah ein Gesetzgebungsvorschlag vorgelegt werden. Anwendungsfragen sollen zudem durch Verwaltungsanweisungen der Finanzbehörden geklärt und erläutert werden.“

Aktualisierung vom 11.6.

Inzwischen ist auch eine Antwort von Dennree eingetroffen: „Wir bei der BioMarkt-Verbundgruppe und bei denn’s Biomarkt planen die Mehrwertsteuersenkungen an unsere Kundinnen und Kunden weiterzugeben. An der konkreten Umsetzung arbeiten wir derzeit noch“, sagt Ralf Schwarz, Leitung Warensegment bei Dennree.

Von der Erdkorn GmbH liegt ebenfalls eine Antwort vor: „Wir sind noch in der Entscheidungsfindung und müssen vor allem den Gesetzesentwurf der Finanzbehörden abwarten, wie man mit einer evtl. Rabattregelung umgehen kann, damit nicht alle Etiketten wegen angepasster Verkaufspreise neu gedruckt und gesteckt werden müssen“, schreibt Heike Eberle-Nafe, zuständig für Qualitätssicherung.

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