Wissen. Was die Branche bewegt
Top 25

Hersteller wachsen mit Vegan

Hersteller wachsen mit Vegan Wer vegane Lebensmittel produziert, erhöhte 2013 seinen Anteil am Umsatz im Naturkosteinzelhandel zum Teil deutlich. Das zeigt das bioVista-Ranking der 25 umsatzstärksten Hersteller und Inverkehrbringer - erstmals ergänzt durch Zahlen über die Alnatura-Handelsmarke.
31.05.2014 vonHorst Fiedler
Hersteller wachsen mit Vegan Wer vegane Lebensmittel produziert, erhöhte 2013 seinen Anteil am Umsatz im Naturkosteinzelhandel zum Teil deutlich. Das zeigt das bioVista-Ranking der 25 umsatzstärksten Hersteller und Inverkehrbringer - erstmals ergänzt durch Zahlen über die Alnatura-Handelsmarke.

Der Vegan-Trend hat der Rapunzel GmbH den größten Schub beim Umsatz im Naturkostfachhandel beschert: Jeder Laden setzt mit Produkten der langjährigen Nummer 1 der Rangliste der größten Hersteller und Inverkehrbringer im Vergleich zu 2012 knapp 8.400 Euro mehr im Jahr um - so viel wie mit Naturata-Artikeln (Platz 24) insgesamt. Das Nussmus hat laut bioVista mit 40 Prozent Wachstum einen Beitrag dazu geleistet. Rapunzel selbst erklärt sich den Zuwachs mit einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, bei der die biologische und vegetarische Ernährung immer mehr an Bedeutung gewinnt. 'In dieser Stimmung greifen Kunden gerne zu bekannten und authentischen Marken', sagt Marketing-Chefin Eva Kiene.

Konkreter wird die Naturata AG: 'Besonderen Zuwachs haben wir bei den laktosefreien und veganen Schokoladen erlebt, ebenso bei den Gemüsebrühen und den Grill- und Würzsaucen', erläutert Marketing-Leiterin Liane Maxion. Dies sei Grund genug, auf zahlreichen veganen Produkten die Vegan-Blume der Vegan Society aufzubringen, um hier eine schnelle und vertrauenswürdige Aussage für Veganer treffen zu können. Immerhin liege der Anteil an veganen Produkten bei Naturata bei über 90 Prozent.

Auf 95 Prozent vegane Produkte bringt es die Zwergenwiese Naturkost GmbH (Platz 14), die ebenfalls vom Vegantrend profitieren konnte. Geschäftsführerin Susanne Schöning ist zuversichtlich, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist: 'Im Zuge des gestiegenen Ernährungs- und Gesundheitsbewusstseins wird vegan seinen Platz weiter ausbauen - genauso wie sich vegetarisch weiterentwickelt hat und noch wird.' Wegen des 'schier unl sbaren Problems der Hühnerhaltung und des damit verbundenen Kückenproblems' habe Zwergenwiese von Anfang an keine Eier verwendet. Honig wurde vor einigen Jahren durch Apfeldicksaft oder andere Fruchtsüßen ersetzt.

Bei Provamel Deutschland (Platz 19) sind es unterschiedlich Gründe, die im Jahr 2013 laut Unternehmen zu einem Absatzplus von 29 Prozent geführt haben: Die Einführung neuer Sorten wie Mandeldrink Natural und Dinkeldrink, eine bessere Verfügbarkeit der Reisdrinks, neue Bio-Soja-Alternativen, der Trend zu einer pflanzlichen Ernährung und das gesteigerte Interesse an nachhaltigen Bio-Produkten (Stichwort: CO2-Fußabdruck von Milchalternativen).

Wie man als Fleischanbieter vom Trend zu vegetarischer Ernährung profitieren kann, macht die Ökoland GmbH Nord (Platz 15) vor: 'Der Anteil des vegetarischen Sortiments, zu dem TK-Fertiggerichte, Suppen, Eint pfe und Würstchen gehören, wächst bei uns seit Jahren deutlich und liegt mittlerweile bei cirka 20 Prozent', teilt Geschäftsführer Patrik Müller mit. Insgesamt wachse das vegetarische Sortiment etwas stärker als das fleischhaltige, bei dem Geflügelfleisch- und Fisch-Artikel den höchsten Zuwachs hätten.

Handelsmarken sind dominante Größe

Bei den Handelsmarken führt Dennree durch 130 eigene Läden und etwa 1.300 Kunden im Naturkostfachhandel. Damit liegt der Großhändler weiterhin auf Platz 2 der Hersteller-Rangliste (s. a. Rangliste der Großhändler hier). Aufgeholt hat der bundesweite Wettbewerber Weiling mit seinen bioladen-Produkten. Pressesprecher Hanj rg Bahmann hat für die Umsatzsteigerung eine Erklärung: 'bioladen ist keine anonyme Eigenmarke, sondern die exklusive Marke der bioladen/Weiling-Kunden, die durch Qualität, Transparenz und ein attraktives Preis/Qualitätsverhältnis immer mehr Ladner und damit auch Endverbraucher überzeugt. Die immer breitere Streuung von ehemals Fachhandelsmarken in den LEH oder zu Amazon beflügelt diese Entwicklung.'

Offizielle Zahlen über die Alnatura-Handelsmarke gibt es bislang nicht. Wegen ihrer Bedeutung im Naturkostfachhandel haben wir uns die Mühe gemacht, die Größenordnung zumindest annähernd zu ermitteln. Fest steht, dass von den 593 Millionen Euro Umsatz, die Alnatura im Geschäftsjahr 2012/2013 erwirtschaftet hat, 50 Prozent aus dem Naturkosteinzelhandel stammen, also aus den damals rund 80 Läden. Das ergibt einen Jahresumsatz pro Laden von 3,7 Millionen Euro. Etwa 45 Prozent davon werden mit O[&]G sowie Thekenware generiert, bleiben also noch rund zwei Millionen Euro übrig, die der EAN-codierten Ware zuzuordnen sind. Ein Alnatura-SuperNaturMarkt führt 1.100 Artikel der Handelsmarke von durchschnittlich 5.900 Artikel insgesamt. Handelsmarken werden zwar billiger angeboten als Markenartikel, aber aufgrund des größeren Durchlaufs dürften sie etwa 30 Prozent des Umsatzes mit EAN-codierter Ware ausmachen. Das sind über 600.000 Euro pro Laden, also knapp 50 Millionen Euro pro Jahr, die umgelegt auf die etwa 2.400 Läden des Naturkostfachhandels eine Summe von 20.349,96 Euro pro Laden/Jahr ergeben. Demnach setzen die Bickenbacher mit ihrer Handelsmarke in 80 SuperNaturMärkten etwa so viel um wie Voelkel oder Ulrich Walter im gesamten Naturkostfachhandel und landen auf Platz 9 der Rangliste.

Zahlen von bioVista

[nbsp]

Basis für die TOP 25 Hersteller sind Zahlen von bioVista. Das Handelspanel registriert die Verkäufe von 208 Läden. In die vorliegende Auswertung sind EAN-codierte Artikel der Hersteller eingeflossen. Die TOP 25 Großhändler (hier) wurden nach Gesamtumsätzen ermittelt.

[nbsp]

Eine weitere Handelsmarke ist Riegel (Platz 25), die jedoch wenig ins Auge fällt, weil der Name oft nur auf dem Rückenetikett der Weinflaschen zu finden ist. Auf die Frage, welche Vorteile der Weinbezug über einen Großhändler gegenüber dem Direktbezug vom Winzer hat, führt Riegel das große Weinsortiment aus aller Welt mit 200 Winzern und 1.000 Weinen an. Zudem bestehe eine lückenlose Qualitätskontrolle, IFS-Zerifizierung, Verkaufsförderung während des ganzen Jahres, tägliche Bestellmöglichkeiten, Beratung durch flächendeckenden Außendienst sowie Weinschulungen des Personals.

Stärkerer Wettbewerb für Mopro und Saft

Auffällig sind die Umsatzrückgänge bei den Milch- und Saftanbietern. Klaus Freriks, Vertriebsleiter bei der Molkerei Söbbeke GmbH erklärt den Rückgang von Umsatzanteilen im Fachhandel so: 'Die Entwicklung von Milchprodukten hinkt dem generellen Marktwachstum im Fachhandel hinterher. Milchprodukte verlieren Regalplätze an Milchersatzprodukte und an vegane Produkte. Darüber hinaus stellen wir eine erhöhte Breite im Sortiment von Milchanbietern und Milchprodukten fest.' Bei Andechser heißt es: 'Wir können im Markenbereich Andechser Natur weniger Verkauf in den Segmenten Molke und Buttermilch erkennen. Die anderen Produktsegmente weisen nach unseren Absatzzahlen im Bereich des Naturkosthandels keine negative Entwicklung gegenüber 2012 aus.'

Frank Stieldorf, Vertriebsleiter beim Frucht- und Gemüsesafthersteller Voelkel GmbH, sieht den Rückgang des Umsatzanteils als eine ganz natürliche Marktentwicklung: 'Die Märkte und Biokäufer ändern sich und Wettbewerber treten in einem interessanten und wachsenden Markt auf. Die Marke Voelkel entwickelt sich im bestehenden Fachmarkt mit wachsenden Umsätzen.' Im Gegensatz dazu hat bioVista einen rückläufigen Umsatz von über 500 Euro pro Jahr und Laden anhand der EAN-Codes ermittelt. Voelkel findet laut Stieldorf in der Gastronomie neue Absatzmärkte. 'Diese sind wichtig, da wir dort neue Kunden auf die Marke aufmerksam machen, die vielleicht ihren konventionellen Einkaufsweg dann auch in den Fachhandel lenken."

bioVista-Zahlen sind flächenbereinigt

Die großen Naturkosmetikmarken stehen seit einiger Zeit im Verdacht, nicht mehr im Fachhandel zu wachsen. So hat auch bioVista einen geringeren Umsatz je Laden von Logocos und Laverana gemessen (s. Rangliste). Logocos-Sprecher Thomas H. Mendes verweist dagegen auf ein Plus von 8,79 Prozent im Einzelhandel und im Naturkostgroßhandel auf einen Zuwachs von 6,85 Prozent gegenüber 2012. 'Dies ist erklärbar, da bei der Betrachtung des durchschnittlichen Umsatzes die flächenbereinigte Entwicklung herangezogen wird ', erläutert Fabian Ganz, Vertriebsleiter bei bioVista. Die zahlreichen Neueröffnungen großer Märkte im Jahr 2013 sind in den erzielten Umsätzen pro Laden in dieser bioVista-Auswertung also nicht enthalten. So wuchsen die genannten Hersteller in der Gesamtschau durch die Flächenexpansion des Fachhandels und nicht in den bestehenden Läden. Thomas Mendes verweist in dem Zusammenhang auf das BioHandel-Umsatzbarometer, wonach bei Verkaufsflächen [gt]400 Quadratmeter ein starkes Wachstum zu beobachten ist: 'Genau hier wachsen wir mit, denn dies sind unsere vorrangigen Vertriebswege für Logona.'

Auf die Feststellung, dass die großen Kosmetikmarken (außer Dr. Hauschka) im Jahr 2013 nicht mehr auf bestehender Fläche gewachsen sind, sondern nur durch die Neueröffnung von großen Bio-Märkten, deutet auch die Reaktion von Laverana auf die bioVista-Zahlen hin: Für die Marke Lavera sei 2013 die UVP für einige Produkte gesenkt worden, dadurch hinke die Umsatzentwicklung der Absatzentwicklung hinterher, erläutert Marketing-Chefin Sabine Kästner. Betroffen waren die Body-Lotions mit jeweils einem Euro pro Artikel. Auch bei der Lavera My Age Gesichtspflege konnte die UVP nach einem Relaunch gesenkt werden. Ebenfalls einer Überarbeitung wurde die Lavera-Haarpflegeserie Hair unterzogen, die als neue Serie Hair Pro nach Natrue zertifiziert ist und wieder verstärkt gelistet werde. 'Die neuen Haarpflegeprodukte entwickeln sich sehr gut', sagt Sabine Kästner und reklamiert für Lavera insgesamt einen steigenden Absatz im Fachhandel.

Von der Wala Heilmittel GmbH mit der Marke Dr. Hauschka, wollten wir wissen, ob die Firma nach dem Kartellamts-Urteil langfristig an den Depotverträgen für Dr. Hauschka festhalten wolle. 'Wir halten am Selektiv-Vertrieb und der selektiven Autorisierung von Depotpartnern fest und bekennen uns damit klar zum Fachhandel, zur Beratungskompetenz am POS und zur Qualitätsorientierung', sagt Unternehmenssprecher Antal Adam.

20.349 Euro Umsatz werden mit der Alnatura-Handelsmarke pro Laden im NKH erwirtschaftet

Feinkost lieber als Theken- oder SB-Ware?

Mit Isana und Byodo befinden sich zwei Feinkostspezialisten unter den TOP 25. Auf unsere Frage 'Wie beurteilen Sie die Zukunft von Feinkost-Thekenware im Vergleich zu Feinkost-SB-Ware?" gab es ähnliche Einschätzungen. 'Der Trend geht klar zur SB-Ware - also weg von der Bedienung', sagt Isana-Geschäftsführer Thomas H rl. Gründe seien, dass der Verbraucher nicht beim Einkauf warten brauche und den Frischgrad der Ware durch die Angabe des MHDs besser nachvollziehen könne. Auch Byodo-Geschäftsführer Michael Mo übacher sieht die Zukunft von verpackter Feinkostware weiter sehr positiv: 'Das Segment der Feinkostware wird sowohl als Thekenware als auch verpackte Ware weiter überproportional wachsen. Der Trend zu höherwertigen Bioprodukten im Naturkostfachhandel hält weiter an. Frische und Trockenprodukte werden sich hierbei positiv ergänzen.'

Großhandel: Der Umsatz sagt nicht alles

Die Unterschiede bei den Umsatzzahlen vermitteln vielleicht den Eindruck, dass die Großen leistungsfähiger sind als die Vielzahl der Kleinen. Für die Naturkostbranche sind die kleinen, regionalen Großhändler aber mindestens genauso wichtig wie kleine Hersteller, die mit ihren Innovationen die Branche voranbringen. Kleine Großhändler sind bei der Markteinführung neuer, meist in Manufakturen kreierter Produkte, geeignete Partner, weil ihre Strukturen es zulassen, auch begrenzte Mengen zu listen und über die Läden zu vertreiben.

In Zeiten des sich weiter konzentrierenden Naturkosteinzelhandels haben kleine Großhändler damit eine wichtige Funktion im Wettbewerb: Sie tragen dazu bei, dass sich selbstständige Einzelhändler mit ihrem Sortiment vom Standardangebot eines Filialisten unterscheiden können. Die oft stärkere regionale Wertsch fung - vom Bauern bis zur Ladentheke - wird von vielen Verbrauchern höher geschätzt, als günstige Bio-Lebensmittel zu erhalten. Und da viele dieser Händler einen Denn's oder Alnatura vor die Nase gesetzt bekommen, ist die Funktion der kleinen, regionalen Großhändler wichtiger denn je. Das gilt auch für Läden, die auf die logistischen Leistungen der Großen nicht verzichten wollen und deshalb ihr Sortiment in erster Linie von diesen Händlern beziehen. Auch sie können mit der Ware eines regionalen Zweitlieferanten Profil gewinnen und damit im Wettbewerb bestehen.

Fördern die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfreude der Branche: große und kleine Großhändler.

Wertvoll für die Branche erweisen sich die kleinen Großhändler auch bei der Belieferung von Gastro-Betrieben. Auch hier sind sie mit ihren Strukturen und ihrer Kundennähe im Vorteil gegenüber Großen und tragen zur Verbreitung von Bio in einem wichtigen Bereich bei, über den sich neue Kunden für Bio gewinnen lassen. Das gilt im Prinzip auch für die selektive Belieferung selbstständiger Edekaner - natürlich nur dort, wo eine Versorgung durch einen Bioladen noch nicht gegeben ist.

Zu beobachten ist zudem, dass kleine Großhändler bei branchenspezifischen Initiativen wie samenfeste Sorten oder Bruderhahn meist vorn mit dabei sind, wenn Sie nicht sogar selbst die Initiative ergreifen und damit das Ansehen und die Akzeptanz von Bio in der Bev lkerung weiter erh hen. Bleibt festzuhalten: Neben hohen Umsatzerlösen gibt es eine Reihe weiterer Leistungen, nach denen Betriebe zu beurteilen sind. Dabei erbringen kleine Betriebe genauso wertvolle Leistungen für die Branche wie die großen. Ihr Zusammenspiel erhält dieser Branche die Vielfalt, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfreude.

Kommentare

Schlagwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Ähnliche Beiträge