Biohandel

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Zero Waste

Mit fester Kosmetik die junge Kundschaft begeistern

Von Duschpulver über Deosticks bis zu kompakter Handcreme: Mit ökologischer, wasserfreier Kosmetik kann der Fachhandel punkten. Denn die innovativen Produkte haben nicht nur Vorteile in puncto Umwelt.

Immer mehr Menschen greifen zu festen Körperpflegeprodukten. Denn Duschgel, Deo und Handcreme am Stück verzichten zu großen Teilen oder ganz auf die Zutat Wasser und sind plastikfrei oder gar nicht verpackt. Vor allem bei Jüngeren sind sie daher beliebt. Das Umweltbewusstsein indes, das sie zum Kauf bewegt, ist auch bei der älteren Bio-Kundschaft vorhanden. Es kann sich daher lohnen, auch sie auf das Sortiment an fester Kosmetik hinzuweisen, auf seine Vorteile und seine Wirksamkeit.

Festes von Kopf bis Fuß

Den Anfang machten vor ein paar Jahren feste Haarseifen. Da bei der Anwendung eine extra Spülung notwendig ist, kamen als Alternative festes Shampoo und Conditioner auf den Markt. Mittlerweile können Kundinnen und Kunden in Form von speziellen Seifen oder pH-neutralen Duschstücken auch Festes zum Duschen und entsprechende Produkte zur Gesichtsreinigung bekommen.

Zum Hygieneprogramm gesellen sich außerdem Deosticks und Deocremes sowie Zahnputzpulver und -tabs zum Zerkauen. Auf der Haut schmelzende Körperbutter und feste Hand- oder Fußcreme schließlich, sorgen für die naturkosmetische Pflege der Haut. Zudem erweitern feste Sonnenschutzmittel das Spektrum. Im Zuge des Trends erleben zugleich weitere Produkte, die es schon immer in fester Form gab, neue Aufmerksamkeit: vor allem Rasier- und andere Stückseifen sowie Gesichtsmasken zum Selberanrühren.

Steigender Absatz

Als Bio-Großhändler mit Vollsortiment führt Grell Naturkost auch Naturkosmetik. „Feste, plastik- oder verpackungsfreie Artikel sind ein fester Bestandteil dieses Sortiments“, sagt Jannes Borchers, Category Manager und Sortimentsberater, und zählt Shampoos, Spülungen und Duschgels, Seifen und Deodorants sowie feste Zahncremes auf. „Hauptlistungsanteil haben bei uns kleinere, regionale Hersteller, die sich auf feste Kosmetika spezialisieren.“

Neben großen Marken wie Bioturm, Lavera, Logona und Santé führe man daher Marken wie Hydrophil, Rosenrot, 4peoplewhocare, Ben&Anna und Lenn&Levia. „In den vergangenen Monaten hat Grell im Bereich feste Naturkosmetik die meisten Zulistungen verzeichnet. Insbesondere Unverpacktläden schätzen die Produkte“, so Borchers. Der Absatz entwickle sich über das gesamte feste Sortiment hin positiv.

Vorteile für Umwelt und Kundschaft

Für feste Naturkosmetik spricht besonders, dass sich damit Plastik und Verpackungsmüll im Badezimmer vermeiden lassen. Hinzu kommt der Ressourcenschutz, da sie nahezu oder ganz auf Wasser als Zutat verzichtet – anders als etwa flüssiges Shampoo und Duschgel. Dadurch sinkt das Gewicht der Produkte, was wiederum den Verbrauch an Transportenergie verringert. Weiteres Plus: In wasserfreier Umgebung können sich Bakterien schlechter vermehren und die Produkte verderben – daher enthalten viele der Festen keine Konservierungsstoffe.

Auch für die Kundschaft macht sich das Weniger an Volumen und Gewicht bezahlt, zum Beispiel auf Wanderreisen. Apropos bezahlt: Die festen Produkte erscheinen erst mal deutlich teurer als Körperlotionen, flüssige Shampoos und Co. Dafür sind sie als Konzentrate, die sich auf die wesentlichen Zutaten begrenzen, aber äußerst ergiebig und sparen schnell mehrere Flaschen ein. Außerdem lassen sie sich ohne Abfall restlos verbrauchen. Insofern erstaunt es nicht, dass die Nachfrage gestiegen und die Auswahl gewachsen ist, in der Breite ebenso wie in der Tiefe.

Die generellen Vorzüge zertifizierter Kosmetik gelten für die Festen ebenso: Sie enthalten garantiert kein Mikroplastik und keine erdölbasierten Stoffe. Auch Weichmacher wie Phthalate und konservierende Parabene, von denen manche wie Hormone im Körper wirken können, sind tabu, ferner synthetische Duftstoffe und aggressive Tenside.

Duschen mit Bars, Bits, Tabs und Pulver

Ob festes Shampoo oder feste Handcreme, vor allem kleinere Anbieter stellen sie oft in Handarbeit her. Die Produktionsmethode richtet sich dabei auch nach der Angebotsform. Besonders vielfältig sind diesbezüglich die Alternativen zum flüssigen Duschgel. Da gibt es seifenartige Stücke, Dusch-Bars oder -Bits genannt, Tabs zum Auflösen und auch Pulver. Die meisten Hersteller setzen allerdings auf seifenähnliche Duschstücke. „Dafür werden die Rohstoffe bei uns pulverisiert und zusammengepresst“, beschreibt Lavera den Herstellungsprozess. Die Inhaltsstoffe seien denen der normalen Duschgels ähnlich, die Wirkkomposition und das Dufterlebnis gleich.

Naturkosmetische Duschstücke enthalten daher meist milde pflanzenbasierte Tenside für Schaumbildung und Reinigungswirkung – teilweise unterstützt durch Tonerde oder Saponine – sowie Verdickungsmittel für Konsistenz und Produktstabilität. Außerdem sind Feuchtigkeitsspender und rückfettende Öle oder Pflanzenbutter drin. Hinzukommen, je nach Hersteller, natürliche Farbstoffe – auch, um die Sorten auseinander halten zu können –, ätherische Öle für den Duft und organische Säuren zur Einstellung des pH-Wertes.

Bitte stets trocknen

Damit Kundinnen und Kunden möglichst lange etwas von den festen Produkten haben, sollten sie solche, die mit Wasser in Berührung kommen wie Dusch-Bars, Haarseife und feste Gesichtsreinigung, nach dem Gebrauch stets gut trocknen. Viele Hersteller bieten dafür gleich das passende Zubehör an, zum Beispiel luftige Seifensäckchen aus Sisal oder Luffa-Naturschwämmchen als Unterlage. Dazu kann man übrigens auch einen Peeling-Waschhandschuh nutzen. Manche Anbieter führen zudem Seifenmuscheln oder spezielle Aufbewahrungsdosen, teils aus nachhaltigem Material. Darin sollten die Waschstücke am besten hochkant lagern, sofern ihre Form dies erlaubt.

Alva Naturkosmetik hat erst vor einiger Zeit eine Pflegedusche Body&Hair mit natürlichem Blutorangenduft neu eingeführt. Laut Apotheker Dr. Hans Reinhardt, Produktentwickler bei Alva, werden die klassischen flüssigen Syndets (Waschmittel, die aus einzelnen Tensiden zusammengesetzt werden) oder Seifen in der Regel mit 70 bis 90 Prozent Wasser heiß emulgiert. „Unsere festen Syndets werden hingegen ohne Wasserzusatz kalt gemischt und gepresst, alle anderen Inhaltsstoffe bleiben erhalten.“

Nicht zuletzt dank einiger Start-ups hat sich das Spektrum bei den Duschprodukten noch erweitert. Ben&Anna bietet zum Beispiel Dusch-Tabletten an, die mit etwas warmem Wasser aktiviert und dann wie Seife angewendet werden sollen. Eliah Sahil und die Hersteller von Nada setzen dagegen auf Duschpulver. Bei ersterem kommt das Pulver zur direkten Anwendung in einer nachfüllbaren Streudose daher, bei Nada gilt es, aus dem Pulver im Pyramidenbeutel mit Wasser selbst ein Waschgel herzustellen. Auf Wunsch gibt es eine wiederwendbare Flasche dazu. Jolu hat das pulverförmige Pendant zum Selberherstellen einer Flasche voll Flüssigseife im Programm.

Gesichtsseife und Alternativen zu klassischem Deo

Neben den Dusch-Bars, -Tabs und -Pulvern finden sich auch feste Seifen zum Duschen und Varianten zum Händewaschen auf dem Markt, außerdem spezielle milde Seifen zur Gesichtsreinigung und solche zum Rasieren oder Peelen. Nicht immer handelt es sich dabei um echte Seifen aus verseiften Fetten oder Ölen wie etwa bei Lenn&Levia oder Rosenrot.

Gemeinsam haben die Produkte aber den alkalischen pH-Wert und – typisch für Naturkosmetik – einen höheren Anteil an wertvollen Bio-Ölen von Argan- bis zu Hanföl oder anderen Pflegespendern. Manche Hersteller haben zusätzlich hautsensible Verbraucher im Blick. Bioturm etwa bietet eine feste Gesichtsreinigung ohne Duft und ohne die sonst oft üblichen Sulfate zur Reinigung an.

Mehrere Möglichkeiten gibt es inzwischen auch, um klassische Deos zu ersetzen, insbesondere konventionelle Deosprays mit ihren Treibgasen, Alkohol, Aluminium-Verbindungen, synthetischem Parfüm und weiteren bedenklichen Zutaten. Zum festen Sortiment im Naturkosmetik-Regal gehören neben den schon lange genutzten Deo-Kristallen und Deo-Rollern desodorierende Cremes, Sticks oder – speziell bei Lamazuna – lose Deo-Kegel.

Hello Simple will wie beim gesamten Angebot zeigen, dass es dazu keiner langen Zutatenliste bedarf: Ihre Deo-Cremes im kleinen Tiegel bestehen schlicht aus desodorierendem Natron und Schweiß-aufsaugendem Pfeilwurzelmehl, pflegender Sheabutter und Kokosöl sowie natürlichen Duftstoffen. Andere Anbieter, die nicht selten gleich beide Varianten, also Cremes und Sticks führen, arbeiten stattdessen unter anderem mit Zinkoxid, Salbei oder natürlicher Stärke.

Tipps zum Deo-Gebrauch

Unabhängig von der Form haben auch wasserfreie Rezepturen so wie die meisten Naturkosmetik-Deos das Ziel, den unangenehmen Geruch zu verhindern, nicht aber die Schweißbildung mit chlorierten Aluminiumsalzen zu blockieren, wie konventionelle Antitranspiranten. Ungewohnt dürfte für die meisten Kundinnen und Kunden am Anfang die Anwendung sein, speziell der Deo-Cremes: Während Sticks einfach unter den Achseln verrieben werden, trägt man diese mit den Fingern auf.

Dabei hängt die Konsistenz von der Zusammensetzung und der Temperatur ab. Bei Zimmertemperatur cremig bis fest und teilweise leicht körnig, können die Fette im Sommer schon mal fast zu flüssig werden. Doch nach einer kurzen Zeit im Kühlschrank sind sie wieder gut zu verstreichen. Bei einer zu harten Konsistenz, etwa bei den Deo-Stiften, empfehlen Hersteller, diese vorher leicht anzuwärmen, etwa auf der Heizung, oder sie auf die angefeuchteten Achseln aufzutragen.

Sonnenschutz und Creme für Hand und Fuß

Die beiden Angebotsvarianten Creme und Stick finden sich auch bei anderen Produktgruppen wieder. So führt 4peoplewhocare etwa einen Sonnenschutz-Stift sowie feste Hand- und Fußcreme am Stück. Die Zutaten dafür würden schonend im Wasserbecken geschmolzen, gemischt und nach Zugabe empfindlicher Öle in die Papphülsen oder Formen gefüllt und abgekühlt, erläutert Fritz Hinrichsmeyer die handwerkliche Herstellung bei dem Hamburger Start-up.

4peoplewhocare gehört übrigens zu den eher wenigen Herstellern, die nicht nur vegane Produkte im Bereich fester Kosmetik führen: Ihr wasserfreier „Daumenschmaus“ schützt und pflegt die Hände mit regionalem Bioland- oder Demeter-Bienenwachs. Sie bieten aber auch eine vegane Variante an, die auf pflanzlichem Candelillawachs basiert. Der Hersteller beweist zugleich, dass sich mit fester Naturkosmetik durchaus auch Männer erreichen lassen. Die feste Handcreme haben die vier Jungunternehmer nämlich zunächst für sich selbst entwickelt – für ihre vom Klettersport strapazierten Hände.

Tipps vom Kollegen

Matthias Latz

Matthias Latz ist Geschäftsführer von Naturata in Köln sowie Gesellschafter der Naturata GmbH. Der rund 700 Quadratmeter große Laden in Köln besitzt auch eine reiche Auswahl an Naturkosmetik.

  • Das Sortiment hat sich stark vergrößert. Auch wir hatten zuerst feste Shampoos bzw. Haarseifen, dann Duschseifen, feste Zahnpflege und anderes. Feste Körperbutter oder Sheabutter als Alternative zu Lotionen sind dabei zwar noch eher ein Nischenprodukt, doch kann es sich lohnen, das Interesse daran zu wecken.
  • Wir stellen dabei fest, dass die meisten Kunden schon mit der festen Absicht kommen, plastikfreie Produkte zu kaufen. Es geht eher um die Beratung im Detail, etwa um den Unterschied zwischen festen Duschen und klassischen Seifen. Zur ersten Orientierung haben wir daher auf Tafeln neben den Produkten knapp geschrieben, was wofür geeignet ist.
  • Bei der Präsentation gilt es je nach Platz und Gesamtsortiment auszuprobieren. Bei uns standen zum Beispiel die festen Shampoos zunächst bei den Stückseifen. Jetzt sind sie den normalen Shampoos zugeordnet, und die Duschseifen haben wir nun bei den Seifen. Möglich wäre aber auch ein eigenes Regal mit fester Kosmetik.

Hersteller und ihre Produkte

Alva Naturkosmetik

Shampoo, Pflegedusche Body & Hair

Alvito

Basische Deocreme

Aries

Feste Hand- und Fußpflege

Balmyou

Deosticks

Ben&Anna

Tabletten: Hand-Flüssigseife, Duschgel, Shampoo, Zahnputztabs

Seifen: Dusche, Shampoo, Conditioner

Deo: Deo-Tube, Deo-Creme

Bioturm

Dusche, Shampoo, Spülung, Gesichtsreinigung, Seifenfreie Waschstücke: Körper, Körper & Haar

Eliah Sahil Organic Care

Duschpulver, Shampoopulver, Zahnpulver, Haarkur, Maske

Hello Simple

Deocreme, Handcreme, Sonnencreme-Stick, Shampoo, Duschseife, Dusch- und Haarseife, Peelingseife, Rasierseife, Zahnputztabs

I+M Naturkosmetik

Deo-Stick, Deo-Creme, Shampoo, Dusche, Zahnputztabs, Lippenpflegestift

Jolu Naturkosmetik

Shampoo, Duschgel, Gesichtsmasken, Pulverseife, Körpercreme, Handcreme-Stick

Lamazuna (über Hydrophil)

Shampoo, Zahnpasta, Körperbutter, Conditioner, Gesichtsreinigung, Rasierseife, Deo

Lavera

(Pflege-)Dusche, Pflegeshampoo

Lenn & Levia

Deocreme, Duschseife, Shampooseife, Conditioner

Logona

Gesichtsreinigung, Dusche

Nada

Duschgelpulver

Niyok GmbH

Deo-Creme, Shampoo (Conditioner), Duschen (+Pflege, +Gesicht), Gesichtsreinigung

Pandoo

Duschbutter, Rasierseife, Gesichtsseife, Haarseife

4PeopleWhoCare

Feste Hand-, Fuß- und Sonnencreme, Lippenpflegestift

Rosenrot Naturkosmetik

Shampoo-, Conditioner-, Dusch-, Handwash-Bit, Seifen, Deo-Creme, Face Bit, Reinigungs-Bit, Seifen

Sante

Feste Duschpflege, Gesichtsreinigung

Secrets de Provence (online)

Shampoo, Rasierseifenblock

Sodasan

Seifen, Haarseife

We love the planet

Deo-Creme, Deo-Stick, Lippenpflegestift, Sonnen-Stick

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