Biohandel

Wissen. Was die Branche bewegt

Bio-Neuprodukte

Das sind die Trends und Neuheiten im Frühjahr 2022

Gesund bleiben, Plastik vermeiden, das Klima schützen, Tiere achten – Bio-Produkte müssen vielfältige Ansprüche unter einen Hut bringen. Die Branche stellt sich diesen Herausforderungen und zeigt sich 2022 in all ihrer Vielfalt.

Die Corona-Pandemie hat bei manchen Verbrauchern und Verbraucherinnen die Sinne geschärft: für die Bedeutung von Gesundheit und eines guten Immunsystems, für die Bedeutung pflanzlicher Ernährung, für die Bedeutung einer möglichst intakten Umwelt. Das befeuerte so manchen Trend und bescherte Bio-Produkten einen beachtlichen Boom. Bio-Hersteller hatten auch im vergangenen Jahr noch viel zu tun, um die gestiegene Nachfrage zu bedienen und mit Lieferengpässen zurecht zu kommen. Parallel dazu nutzten sie den Ansporn, um ihre Sortimente zu optimieren.

Neue vegane Produkte

Ein großes Trendthema ist nach wie vor die vegane Ernährung. „Vegan ist kein kurzfristiger Lifestyle-Trend mehr, sondern mittlerweile ein Bedürfnis unserer Gesellschaft“, schreibt Derya Cetinkaya, Shopper Marketing Managerin von Biovegan, selbstbewusst. Das Unternehmen präsentiert Rührei- und Omeletteersatz auf Basis von Kichererbsen und Ei- und Eiweißersatz zum Backen auf Basis von Erbsenprotein und Süßlupinenmehl. Cashewkerne bilden die Grundlage für Alternativen zu Käsesauce und Käsedip. (1)

Bei Davert gibt’s eine neuartige Fleischalternative aus Erbsenprotein. Die Veggie Chunks (2) seien von der Zubereitung her vergleichbar mit Sojaschnetzeln, berichtet Josephine Baake, „aber in der Konsistenz und im Geschmack sind die Chunks viel zarter, also fleischähnlicher“. An Menschen, denen der Verzicht auf ihre Lieblingswurst nicht so leicht fällt, haben die Produktentwickler bei Zwergenwiese gedacht und drei Sorten vegane Alternativen kreiert: analog zu Leberwurst, zu Mettwurst und zu Cabanossi (3).

Pilzgut stellt eine Bratwurst auf Basis von Austernpilzen vor. Nabio kommt mit drei vegetarischen Aufstrichen, die Käse und Gemüse kombinieren und mit fünf veganen Gemüse-Aufstrichen (4). Sandwichcremes heißen vergleichbare Neuheiten bei Sanchon von Petersilchen (5). Topas hat seine Wheaty Space Bars aus Seitan in Snackers umbenannt, steckt sie in neu designte Verpackungen und fügt den Sorten Chorizo und Chili noch Sucuk und Merguez hinzu, die es bislang nur in anderen Formaten gab. Wer mildere Wurst-Alternativen von Topas bevorzugt, findet sie in einem Snacker-Produkt namens Space Bear (6).

Mehrweg ist im Kommen

Pasta-Topping auf Nussbasis, die den Parmesan ersetzt, Nuss-Bolognese, Haferdrinkpulver und veganes Eis stellt Fairfood aus Freiburg vor. Nicht nur das Pulver, die Sauce und das Pasta-Topping, auch das Eis ist in Mehrweggläsern verpackt (7). Auf Mehrwegglas setzt auch die neue Marke Velike! von Black Forest Nature. Die Offenburger produzieren Haferdrink, Haferghurt, -Kochcreme und -Eis. Joghurt- und Milch-Ersatz füllen sie ebenfalls in Standard-Pfandflaschen und -gläser. Im Januar kam eine ultrahocherhitzte Variante hinzu, geplant sind weitere Geschmacksrichtungen.

Beliebte Pflanzendrinks

Die Ausgaben für Bio-Pflanzenmilch stiegen zwischen 2019 und 2020 in deutschen Haushalten um 47 Prozent, ist im Branchenreport des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft nachzulesen. Insbesondere Haferdrink gilt als sehr beliebt. Kein Wunder, dass sich auch Molkereien und Keltereien für Milchersatz stark machen. Black Forest Nature ist eine Tochter der Freiburger Molkerei Schwarzwaldmilch. Auch die Bio-Molkerei Söbbeke hat im vergangenen Jahr eine pflanzliche Joghurt-Alternative auf Kokosmilch-Basis eingeführt.

Und Voelkel füllt seit kurzem Haferdrink in Mehrwegglasflaschen. Zum Frühjahr gibt es dort einen überarbeiteten Haferdrink Barista. Triballat, mit Sojade-Milchalternativen aus Soja schon lange im Geschäft, bringt eine Demeter-Variante ihres Sojaghurts (8) auf den Markt und bei den Nuss- und Trockenfruchtspezialisten von Morgenland gibt es eine Coconut Whipping Cream (Kokosschlagcreme) und eine fettreduzierte Kokosmilch (9).

Entosus aus Bremen ersetzt das marktübliche Fleischangebot auf andere Art. Gestartet sind die Newcomer im vergangenen Jahr mit gerösteten Grillen. Im Frühjahr wollen sie einen Grillenstreich, analog zu Leberwurst, einen Chili-Eintopf und Bolognese auf Basis von Grillenfleisch vorstellen (10). Die Produktion von Insekten verursacht einen geringeren Wasser-, Treibhausgas und Boden-Fußabdruck als größere Nutztiere. Besser fürs Klima also. Wer auf Fleisch verzichtet, hat in der Regel das Tierwohl, Klimaschutz oder aber die eigene Gesundheit im Hinterkopf.

Trendthema Gesundheit

Gesundheit gilt als großes Trendthema, das durch die Corona-Pandemie noch mehr Schub bekommen hat. Dazu passt die Wiederentdeckung fermentierter Lebensmittel. Die gelten als besonders gut für die Darmgesundheit und diese wiederum spielt eine wichtige Rolle fürs Immunsystem.

Fermentiertes gibt es bei Suur, die das klassische Sauerkraut neu interpretieren. Suur fermentiert auch andere Gemüse als Kohl, produziert die koreanische Spezialität Kimchi und verkauft Würzsaucen und spezielle Lake-Shots mit wertvoller Flüssigkeit, die bei der Fermentierung entsteht (11). Completeorganics hat ebenfalls Kimchi im Programm; jetzt präsentieren die Hersteller ihre dritte Sorte und darüber hinaus zwei neue Sorten Miso, würzige Ferment-Saucen, die insbesondere japanische Suppen vervollständigen (12).

Neu bei Voelkel ist zwar nicht das Fermentgetränk Kombucha, aber die Geschmacksvariante Limette und Ingwer. Auch die Vitamin-C-geboosterten Shots sind nicht ganz neu, aber sie kommen jetzt in Mehrwegflaschen daher. Viel Vitamin A liefert der Karottensaft, den es jetzt in einer mit Ingwer aufgepeppten Variante gibt.

Gesundheitliche Gründe sprechen manchmal auch für Lebensmittel, bei denen ein bestimmter Inhaltsstoff weggelassen wurde. Für Menschen, die sich glutenfrei ernähren wollen oder müssen, hat Davert ein Paniermehl auf Erbsenbasis (13) entwickelt. Biovegan bringt im Frühjahr neue glutenfreie Backmischungen (14) auf den Markt: für dunkles Wikingerbrot, mittelhelles Krusten- oder Haferbrot und für die italienischen Brotsorten Ciabatta und Focaccia. Die Biback Zwiebackfabrik Sommer backt glutenfreie Cookies Coco & Choco. Diese sind in einer kompostierbaren Folie verpackt, die aus Holz hergestellt wird.

Weniger ist mehr

Weniger Zucker verspricht Neumarkter Lammsbräu für seine Limonaden Now light (15) und Nomoo möchte ab Mai sein veganes Eissortiment mit 30 Prozent weniger Zucker produzieren (16). Sojade hat seit Herbst ein Mango-Sojaghurt im Programm, bei dem Rohrzucker durch Apfelsaftkonzentrat ersetzt wurde (17). Das Ayurvedische Ingwerwasser von Voelkel kommt ohne Zucker aus, liefert fast keine Kalorien und verzichtet auch auf Kohlensäure (18).

Worauf Nussnougat-Leckermäuler und Rapunzel-Fans schon lange gewartet haben: Ab März ist eine Rapunzel Nussnougatcreme (19) auf dem Markt, die ohne Palmöl auskommt. Lange hatten die Legauer sich darauf konzentriert, den Anbau von klimaschonendem, fair gehandeltem Bio-Palmöl zu unterstützen. Jetzt sei es nach jahrelanger Produktentwicklung und Investitionen in eine neue Technologie gelungen, eine Nougatcreme mit Kakaobutter herzustellen, berichtet Pressesprecherin Eva Kiene. Der neue Aufstrich kommt ohne Emulgatoren und Zusatzstoffe aus.

Und noch ein interessantes „Ohne“-Produkt: Bei Isana Naturfeinkost finden Feinschmecker eine Guacamole ohne Avocado, dafür aber mit Erbsen als Grundzutat. Avocado ist umstritten: Einerseits gilt die Frucht als nährstoffreiches Superfood, andererseits sprechen lange Transportwege und eine schlechte Ökobilanz gegen Avocados.

Apropos Klima: Im Hinblick auf den Klimaschutz bemühen sich immer mehr Unternehmen darum, CO2 einzusparen und zu kompensieren und sich damit als klimaneutral zu präsentieren. Sonett und das Dadosens-Mutterunternehmen Annemarie Börlind haben die Zertifizierung schon seit Jahren, I+M, Isana und Naba seit kurzem und Nomoo ist sogar als klimapositiv zertifiziert. Das Unternehmen kompensiert also mehr CO2 als es selbst produziert.

Großes Thema Verpackung

Zum großen Trend Nachhaltigkeit gehört auch das Thema Verpackung. An dieser Schraube drehen zahlreiche Bio-Hersteller. Mehrweg-Glas ist demnächst überall im Naturkostladen zu finden, nicht nur in den Kühlregalen. Unverpackt für Alle füllt alle Produkte – von Nuss bis Seitan – in Standard-Mehrweggläser, die überall abgegeben werden können. Fairfood verfolgt einen ähnlichen Weg, verkauft sogar Eis und Bolognesesauce im Mehrwegglas. Morgenland plant Mehrweg für Snacks ein, die in diesem Jahr kommen sollen. Pflanzendrinks (z.B. Voelkel, Velike!) gibt es jetzt im Verbundkarton und im Pfandglas. Unverpackt-Stationen können auch mit Chips von Lisa’s Bio-Kesselchips versorgt werden oder mit Vollkorn-Couscous von Morgenland (20).

Fast kein Plastik, das gelingt Biolotta mit Gewürzen, die in Pappe oder Keramik verpackt werden; Deckel und gegebenenfalls Böden sind aus Kork gefertigt (21). Die Keramiktöpfchen können in einem zweiten Leben beispielsweise zum dekorativen Vorrats- oder Blumentopfwerden. Das ist nicht nur Recycling, sondern Upcycling. Sonnentracht verwendet fast nur Papier und Glas, um darin die 70 Produkte zu schützen, die zur neuen Backzutaten-Linie gehören (22). Rapunzel tütet ab Januar nach und nach Nudeln in Papier statt Plastik ein und immer öfter wird Graspapier verwendet. Oder zumindest Kunststoff mit hohem Recycling-Anteil. Sonett nimmt seine Kanister von den Unverpackt-Stationen zurück und befüllt sie neu. Falls nicht mehr intakt, werden sie Grundstoff für neue Kanister.

Zero Waste als Ziel

Mit Produkten für Unverpackt-Stationen wird Zero Waste angepeilt: Rohstoffe sollen nicht verschwendet werden. Das betrifft unnötige Verpackungen genauso wie deren Inhalt. Dem Weg in Richtung Zero Waste folgen etwa Davert und Rosengarten, die sich der Aufklärungskampagne „Oft länger gut“ angeschlossen haben. Dabei geht es um die Verbreitung der Information, dass Lebensmittel auch nach Ablauf des MHD in der Regel noch gut sind.

Sonnentor will mit einem neuen Produkt ebenfalls auf Lebensmittel-Verschwendung aufmerksam machen. In Gemeinschaftsarbeit mit der Community hat das Unternehmen eine Gewürzmischung entwickelt, die Essensreste vom Vortag aufpeppen soll (23). Und Suur verwendet für seine Saucen „Retter-Paprika“, Paprika, die aufgrund ihrer Form oder Größe nicht in den Handel gehen kann. Wenn Lebensmittel aus der Region stammen, sind Transportstrecken kürzer. Das spart Energie und damit ist Regionalität eine Produkteigenschaft, die Nachhaltigkeit befördern kann. Das Trend-Thema gewann mit der Pandemie an Popularität. Für Fairfood und Velike! ist es wichtig, dass der Hafer in ihren Pflanzendrinks aus der Region stammt: um den Bodensee und den Schwarzwald. (24)

„Regional ist das neue Bio“, schreibt Pressesprecherin Barbara Steiner-Hainz von Berchtesgadener Land in ihrer Pressemitteilung. Die Molkerei stellt in diesem Jahr von Rohrzucker aus Paraguay auf Rübenzucker aus Bayern um. Der Rübenzucker in der Berchtesgadener Milch ist nicht nur regional, sondern auch, wie die anderen Biomilch-Produkte der Molkerei, fair zertifiziert (25). Aus fairem Handel stammen auch zahlreiche Produkte von Fairfood. Die Geschichte des Start-ups beginnt damit, dass Amos Bucher und Julian Bletscher zusammen mit dem Nigerianer Okey Ugwuin in dessen Heimat eine Cashewplantage aufzogen. Zu Bio kam die Eigenschaft Fair und dann die Verpackung im Pfandglas. Auch bei Unverpackt für Alle sind die Produkte aus Übersee fair gehandelt. nun stellen die Newcomer unter anderem ihre Gewürze im Mehrwegglas vor (26).

Genuss ist Trumpf

Für manche Neuprodukte zählt einfach der Genuss. So ist das etwa bei den zwei Sorten Wermuth, die La Selva als Neuheit anbietet (27). Oder bei den mit Artischocke gefüllten Saccolettini, kleine Nudelsäckchen, die Isana als italienische Feinkost-Inspiration gefunden hat. Lisa’s Bio-Kesselchips erscheinen in den neuen Geschmacksnoten Curry und saisonal auch mit Bärlauch (28). Aus Frankreich versucht die Traditionsmarke La Boulangère in Deutschland Fuß zu fassen mit typischem Gebäck wie Baguette oder Brioche in Bio (29). Bei der Marke Sommer findet man ofengeröstete Brotchips (30).

Voelkel löscht den Durst neuerdings mit frischem Orangensaft aus der Kühlung. Wer auf Süßes zum Frühstück steht, kann sich freuen: Mit Tante Ly präsentiert sich eine neue Marke, die zunächst vegane Süßungsmittel und Honig auflegt (31). Bei Fredos von Petersilchen können Naschkatzen demnächst drei neue Fruchtcremes probieren. Oder sie stürzen sich auf die neuen Schokoladen von Zotter, bei denen die Frucht ganz fein integriert ist, die Macher sprechen von Fruchtkuvertüre (32). Wer’s lieber nussig mag, kann sich bei Zotter ebenfalls auf schokoladige Neuheiten gefasst machen. Sonnentor bringt den Kontrapunkt dazu mit Salzneuheiten, beispielsweise aus der Kalahari-Wüste (33).

Mit und ohne Schwips

Relativ neu im deutschen Spirituosen-Regal sind die vor allem in den USA verbreiteten „Hard Seltzer“ auf Basis von kohlensäurehaltigem Wasser und Alkohol mit zugesetztem Fruchtgeschmack. Fünfprozentige Bio-Varianten mit Zitronen- und Orangengeschmack gibt es vom Berliner Start-up Drink Seltzer GmbH. Die etablierte Spirituose Gin, die in jüngster Zeit wieder einen Hype erlebt, füllt die Burgen-Drinks Vertriebs GmbH aus Niederaula laut eigenen Angaben in eine Flasche aus 100 Prozent Recyclingglas und spendet pro verkaufter Flasche 5,85 Euro für wohltätige Projekte. Die Grote & Co. OHG Spirits destilliert ihren „Spree Gin“ aus Spreewaldgurken in Demeter-Qualität. Alkoholfreien Gin-Genuss bietet die Boar Distillery aus dem Schwarzwald mit ihrem biozertifizierten „Ginzero“.

Einen entalkoholisierten weißen Glühwein, alkoholfreien Sekt und einen alkoholfreien Cuveé in Weiß und Rosé hat das Mainzer Biowein-Startup Winade auf den Markt gebracht. Den „Appléritif“, einen Apfelschaumwein ohne Alkohol, bietet Clostermann Organics in verschiedenen Geschmacksrichtungen an, die Variante „Apfel“ ist Demeter-zertifiziert. Alkoholischen Cider aus Streuobst bietet das Berliner Start-up Ostmost an, außerdem Saftschorlen und (Misch)Säfte wie den „Paradiessaft“ mit Apfel, Birne, Quitte, Mirbaelle, Pflaume und Holunder.

Unter der Marke Waysa vertreibt Ostmost ein Bio-Energiegetränk aus den Blättern der Guayusa-Pflanze, erhältlich in den Sorten „White Apple“ und „Green Original“. Eine ebenfalls koffeinhaltige Mischung aus Schwarztee, Matetee und Kokatee gibt es als „Koka Mate“ vom Start-up Getränkewerk Gießen. Fruchtlimonaden aus weißer Guave füllt das Start-up Widerker Beverages GmbH aus Stuttgart ab.

Für Wohlfühlmomente

Einfach zum Wohlfühlen sind die Räuchermischungen, die Sonnentor als Neuheit vorstellt (34). Für deutsche Bioläden neu sind auch die Räucherstäbchen von Aromandise aus Frankreich. Beispielsweise mit Salbei-, Zimt- oder Zedernduft (35). Davert bereitet seinen Kunden Wohlfühlzeit: Mit zehn Spotify-Playlists, deren Musik das Ticken des Küchenweckers ersetzt und hilft, die Garzeit von Reis genau abzupassen.

Weniger (Transport-)Gewicht und weniger Verpackung steht im Zentrum von Wasch- und Reinigungsmitteln einiger Start-ups. Biobaula produziert nicht flüssige Reinigungsprodukte. Neu sind Geschirrspültabs mit Namen Pretty in Pink, lose verpackt und Putztabs, die Alles im Eimer heißen und sich in Folie hüllen, die aus Holz hergestellt wurde und innerhalb weniger Wochen verrottet (36). Hello simple verpackt feste Spülmittel und Kernseife jetzt in Graspapierschachteln, hat aber auch Naturkosmetik auf der Palette.

Start-ups kommen mit neuen und weniger Verpackungen auf den Markt. Lipbalm wird bei Hello Simple in Papier gewickelt, die rot getönte Version kann auch als Rouge verwendet werden (37). Die neue feste Sonnencreme in Form eines Sticks kommt ohne Kunststoffhülle aus. Dadosens hat ebenfalls einen festen Sunstick entwickelt (38). Benecos steckt seinen Jumbo-Lipstick in eine Holzhülle, hat eine Make-up-Palette produziert, die sich frisch befüllen lässt, und setzt bei ihrer neuen Pflegelinie Benecos Bio auf größere Verpackungen und Nachfüllbeutel (39). I+M führt eine Serie, die sich Reduce! nennt: ohne Wasser, ohne Plastik, minimalistisch bei den Inhaltsstoffen. Dazu gesellen sich jetzt Zahnputztabletten mit Kräuter- oder Minzegeschmack (40).

Lebensfreude steigern

Noch minimalistischer erscheint die neue Linie Kraftkonzentrate, die Primavera ab März herausgibt. Es handelt sich um Duftmischungen, die jeweils aus wenigen ätherischen Ölen zusammengestellt sind (41). Sie lassen sich – Prinzip Baukasten – mit Pflegeöl oder Pflanzenwasser mischen. So können Anwenderinnen selbst Produkte herstellen und abfüllen: zur Pflege, für die Hausapotheke oder einfach fürs Wohlbefinden.

Um nichts als Lebensfreude geht es bei den anderen Primavera-Produktneuheiten. Passend zum Waldspaziergang-Duschbalsam, der fantastisch angekommen sei, haben die Parfümeure nun Raumspray und eine Duftmischung ergänzt, die ebenfalls einen erholsamen mentalen Ausflug in den Wald versprechen.

„Das muss man gut beobachten“

Elke Röder

Im Gespräch mit Elke Röder, Leiterin der Unternehmenskommunikation beim Berliner Bio-Großhändler Terra, über Trends und interessante Neuprodukte im Bio-Sortiment.

Welche allgemeinen Trends sehen Sie momentan im Sortiment der Bioläden?

Vegan ist nach wie vor stark und Regional ein ganz großes Thema. Wir sehen aber auch neue Interpretationen von Rohkost, wir sehen Resteverwertung und Plastikvermeidung.

Resteverwertung, Rohkost, Plastikvermeidung – welche spannenden Neuprodukte fallen Ihnen da ein?

In Berlin gibt es eine Brauerei, BRLO, die Bier aus altem Brot macht. Und nicht weit vom Bodensee haben wir das junge Start-up Beetgold gefunden. Die fertigen Tortilla- und Pizzateig aus Gemüsetrester, aus Rote Bete und Karotte – das gibt ein schönes Farbenspiel. Bei Rohkost fällt mir Kimchi ein und Gemüse, das wie Sauerkraut konserviert wird. Und Swema verarbeitet Gemüse, Salz und Gewürze zu einer haltbaren feuchten Paste, die wie Gemüsebrühe verwendet wird. Thema Plastikvermeidung – vieles wird in Papier verpackt: feste Hafermargarine beispielsweise. Mehrwegglas sehen wir auch immer öfter. Für uns wird frische Hafermilch aus der Region in Pfandflaschen gefüllt. Aber auch frische Feinkost wie Nudel- oder Kartoffelsalat.

Wie geht das weiter: Wenn Neuprodukte nicht gleich akzeptiert werden – wie lang darf die Durststrecke sein? Und wie viele kommen durch?

Viele Neuprodukte kommen nicht durch. Man muss das gut beobachten, eventuell Hemmnisse überwinden, Anschubhilfe geben und sich gegebenenfalls auch wieder voneinander trennen. Ich würde sagen: Im ersten Jahr muss es sich zeigen.

Kommentare

Registrieren oder anmelden, um zu kommentieren.

Weiterlesen mit BioHandel+

Melden Sie sich jetzt an und lesen Sie die ersten 30 Tage kostenfrei!
Mit BioHandel+ erhalten Sie:

  • Melden Sie sich jetzt an und lesen Sie die ersten 30 Tage kostenfrei!
  • Ihre Vorteile: exklusive Berichte, aktuelles Marktwissen, gebündeltes Marktwissen - täglich aktuell!
  • Besonders günstig als Kombi-Abo: ausführlich in PRINT und immer aktuell mit ONLINE Zugang
30 Tage kostenlos testen
Sie sind bereits Abonnent von BioHandel+? Dann können Sie sich hier anmelden.

Auch interessant: