Wissen. Was die Branche bewegt
Wettbewerb

Polnische Äpfel verdrängen heimisches Bio-Streuobst

Viele süddeutsche Bio-Streuobst-Bauern beklagen, dass lokale Großkeltereien sie auf ihrer Ernte sitzen lassen und damit den Erhalt der Streuobstwiesen gefährden. Aufgrund des steigenden Preisdrucks kündigen die Saftproduzenten die Abnahmeverträge und kaufen ihr Obst lieber billig im europäischen Ausland.

09.02.2021 vonLeo Frühschütz

Das steigende Angebot von Bio-Mostäpfeln aus Europa ist eine Gefährdung für den Bestand heimischer Streuobstwiesen.

Viele süddeutsche Bio-Streuobst-Bauern beklagen, dass lokale Großkeltereien sie auf ihrer Ernte sitzen lassen und damit den Erhalt der Streuobstwiesen gefährden. Aufgrund des steigenden Preisdrucks kündigen die Saftproduzenten die Abnahmeverträge und kaufen ihr Obst lieber billig im europäischen Ausland.

„Großkeltereien kündigen Bio-Mostobstverträge“, warnt der Hochstamm Deutschland e.V, in dem sich zahlreiche Streuobst-Bewirtschafter zusammengeschlossen haben. Namentlich nennt er die Bawa, die Keltereien Dreher und Widemann vom Bodensee sowie die Bittenfelder Fruchtsäfte aus Waiblingen bei Stuttgart. Allesamt konventionelle Betriebe, die auch Bio-Säfte für den Lebensmitteleinzelhandel und den Getränkefachhandel abfüllen.

Dreher etwa habe bei der Kündigung der Verträge auf den „stagnierenden Bioapfelsaftmarkt“ sowie die „steigenden Produktionsmengen an Bio-Mostäpfeln aus Europa“ verwiesen, schreibt Hochstamm Deutschland. Die Kelterei habe 2017 ein neues Produktionswerk in Polen in Betrieb genommen. Zudem beziehe die Kelterei zunehmend Mostobst aus heimischen Bio-Plantagen, die 2014 angelegt worden seien und nun den vollen Ertrag liefern.

Bio-Plantagen statt artenreicher Streuobstwiesen

Mit diesen Plantagen könne Streuobst nicht mithalten, sagt Martina Hörmann, Vorsitzende von Hochstamm Deutschland und warnt vor den Folgen der Vertragskündigungen für den Bio-Streuobstbau: „Streuobstbewirtschafter arbeiten hart dafür, dass Streuobstwiesen erhalten werden. Mit den Vertragskündigungen wird diese praktische Arbeit für die biologische Vielfalt erschwert.“

Früher hätten die Keltereien 20 Euro je Dezitonne (100 Kilogramm) gezahlt und Preise bereits auf 17 Euro pro Dezitonne gesenkt. Nun wolle Dreher in neuen Verträgen nur noch „marktgerechte“ Tagespreise“ zahlen und auch die Kosten für die Bio-Zertifizierung nicht mehr wie bisher übernehmen. Das seien 150 bis 190 Euro, die zusätzlich auf die Betriebe zukämen. Widemann biete nur noch 14 Euro pro Dezitonne und behalte sich vor, diesen Preis weiter anzupassen.

Drückt Lidl auf die Preise?

Weil sich bei diesen Preisen die Arbeit nicht mehr rentiert, suchen Hunderte Streuobst-Bauern nach neuen Absatzwegen, bei kleinern Mostereien oder in der Direktvermarktung. Doch noch wissen sie nicht wohin mit den Äpfeln, die in diesem Jahr wachsen werden.

Das Thema hat in Baden-Württemberg die Grünen auf den Plan gerufen. „Keltereien und der Lebensmittel-Einzelhandel hätten eine Verantwortung und sollten eine faire Vergütung ermöglichen“, zitiert die Badische Bauernzeitung den grünen Landtagsabgeordneten Martin Hahn. Seinen Kollegen Martin Rösler zitiert die Zeitung mit dem Satz, derzeit versuche Lidl mit erheblichem Druck, die Preise für Bio-Säfte nach unten zu bringen.

Kommentare

Das könnte interessant sein ...

Ähnliche Beiträge