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Studie

Bio schlecht fürs Klima?

Bio-Landwirtschaft ist schädlicher für das Klima als konventionelle? Das zumindest behaupten Wissenschaftler aus Schweden und den USA.
20.12.2018 vonLeo Frühschütz
Bio-Landwirtschaft ist schädlicher für das Klima als konventionelle? Das zumindest behaupten Wissenschaftler aus Schweden und den USA.

In einem Aufsatz für das Fachmagazin Nature machen sich die Forscher Gedanken darüber, wie sich die landwirtschaftliche Fläche möglichst effektiv nutzen lässt, um einerseits die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und andererseits Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden und damit der Erderwärmung entgegenzuwirken. Aus diesem Blickwinkel heraus kommen sie zu dem Ergebnis, dass der Ökolandbau dem Klima schaden könnte, weil er für die gleichen Erträge mehr Fläche benötigt als der konventionelle Anbau und diesen Flächenbedarf zu weiterer Entwaldung führe.

Beispiel: Erbsen und Winterweizen in Schweden

Als Beispiel dafür dient ihnen der Anbau von Erbsen und Winterweizen in Schweden, für den sie einen 50 und 70 Prozent höheren Klimafußabdruck berechnen. In der Arbeit selbst spielt dieser Vergleich nur eine untergeordnete Rolle, um einen komplexen wissenschaftlichen Ansatz zu verdeutlichen. Allerdings stellte der schwedische Mitautor der Studie das Beispiel prominent in einer Pressemitteilung vor und vermittelte dabei den Eindruck, die Studie hätte umfassend die ökologische und konventionelle Landwirtschaft im Hinblick auf ihre Klimawirkungen verglichen.

Was ein Klimaexperte zur Studie sagt

„Die Studie liefert keinen Vergleich der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft auf globaler oder einer anderen großflächigen Ebene“, sagt[nbsp]Adrian Müller, Klimaexperte am Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL).

Sie decke bei ihrer Betrachtung zum Biolandbau auch keine relevante Zahl an Nutzpflanzen oder tierischen Lebensmitteln ab, sondern nenne lediglich zwei Beispiele. Müller merkt auch an, dass die Studie sich nur auf Klimawirkungen beschränke, andere Aspekte einer nachhaltigen Landwirtschaft aber vernachlässige.

Zudem gingen die Autoren davon aus, dass das Ernährungssystem als Ganzes stabil bleibe und sich nicht ändere. „Der weltweite Bedarf an Lebensmitteln, gemessen in Kalorien und Eiweiß kann ohne einen Anstieg der Treibhausgase gedeckt werden, vorausgesetzt, wir reduzieren den Verbrauch an tierischen Lebensmitteln und an Lebensmittelabfällen“, hält Müller entgegen.

Beim Maisertrag zeigten sich keine Unterschiede in den Lachgasemissionen zwischen biologischer und konventioneller Bewirtschaftung. Die Daten für andere angebaute Kulturen wie Raps und Weizen wurden noch nicht veröffentlicht.

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