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Logistik in der Bio-Branche

Richard Mergner: "Mechanismen des konventionellen Handels"

Die Biobranche ist noch weit entfernt von einer wirklich umweltfreundlichen Logistik, meint Richard Mergner vom BUND Naturschutz in Bayern. Mit uns hat er über mögliche Fehlentwicklungen gesprochen.
19.08.2018 vonJochen Bettzieche
Die Biobranche ist noch weit entfernt von einer wirklich umweltfreundlichen Logistik, meint Richard Mergner vom BUND Naturschutz in Bayern. Mit uns hat er über mögliche Fehlentwicklungen gesprochen.

Die Biobranche ist noch weit entfernt von einer wirklich umweltfreundlichen Logistik, meint Richard Mergner, Landesbeauftragter und Mitglied im Landesvorstand des BUND Naturschutz in Bayern. Das sagte er bereits beim Forum Grüne Logistik von Bodan und BNN. Jetzt hat er mit uns über mögliche, damit zusammenhängende Fehlentwicklungen in der Biobranche gesprochen.

BioHandel: Herr Mergner, wird die Biobranche beim Transport ihrer Produkte ihrem ökologischen Anspruch gerecht?

Richard Mergner: Nein, im Gegenteil. Partiell schneidet sie sogar schlechter ab als die konventionelle Konkurrenz. Und die Preise im Regal zeigen auch hier nicht die ökologische und soziale Wahrheit. Ich kann nicht feststellen, das Themen wie eine logistische Ökobilanz im Biobereich bis auf einige Ausnahmeunternehmen eine verstärkte Rolle spielen.

Richard Mergner, Landesbeauftragter und Mitglied im Landesvorstand des BUND Naturschutz in Bayern

Wie müsste denn eine ökologische Logistik aussehen?

Vor allem stärker bahngebunden. In Deutschland werden gerade Mal 18 Prozent der Güter auf der Schiene transportiert, in der Schweiz sind es 42 Prozent. Supermarktketten wie Migros machen vor, wie es umweltfreundlicher gehen könnte. Sie haben große Teile ihrer Logistik auf die Bahn verlegt.

Nun haben aber die meisten Bioläden keinen eigenen Güterbahnhof.

Natürlich bleibt die Frage der letzten Meile. Die Zukunft heißt hier Elektromobilität. Projekte wie der Streetscooter machen vor, dass das geht.

Bis es so weit ist, wird der Handel nicht um eine Zwischenlösung herumkommen.

Für diese Übergangsphase bieten sich gasbetriebene Fahrzeuge an. Deren Umweltbilanz wird um so besser, je mehr Biogas sie als Treibstoff verwenden.

Produkte aus Übersee aber auch aus dem Mittelmeerraum kommen oft mit dem Schiff, erst übers Meer, dann weiter die Flüsse entlang.

Dagegen ist nichts einzuwenden, solange nicht die Flüsse dafür ausgebaut werden. Die Binnenschifffahrt erzeugt zwar etwas mehr Emissionen als die Bahn, ist aber deutlich sauberer als der Lkw. Und wenn sie nicht mit Schweröl fahren würden, benötigt der Transport auf hoher See sogar runtergerechnet auf das einzelne Produkt vergleichsweise wenig Energie. Transport ist aber nicht alles.

Sondern?

Es geht auch um Transportwege. Denn's hat beispielsweise in Österreich nahezu komplett deutschen Käse in der Auslage und kaum einen aus Österreich. Das sind die gleichen Mechanismen wie bei Discountern wie Aldi und Lidl. Auch die Zentrallager sind ein ökologisches Problem. Da kommt Gemüse aus Spanien per Lkw an eine zentrale Stelle in Deutschland und wird von dort landesweit wieder mit dem LKW verteilt. Man muss jedoch den Einzelfall betrachten. Für große Unternehmen wie Denn's und Alnatura mit einer eigenen Lkw-Flotte können diese Lager sinnvoll sein. Zentrallager auf der grünen Wiese neben der Autobahn sind jedoch nicht zukunftsweisend.

Warum nicht?

Weil diese Logistikzentren eben nicht die Bahn nutzen und massiv zum Flächenverbrauch auf knappen landwirtschaftlichen Böden beitragen. Das ist fatal, weil jegliche Perspektive fehlt, so ein Lager an das Schienennetz anzuschließen.

Kommen die Händler denn ohne diese Logistikzentren aus?

Es gibt da durchaus Ansätze. Gerade bei Bier konzentrieren sich einige bewusst auf regionale Anbieter. Auch bei anderen Produkten können die Ladenbesitzer den Anteil der Produkte aus der Region erhöhen und bewusst herausstellen.

Das geht aber nicht immer. Bananen und Mangos wachsen in unseren Breitengraden nun mal nicht.

Das ist klar. Aber auch die Biobranche bezieht ihre Frühkartoffeln Ägypten. Das muss nicht sein. Die Akteure sollten zeigen, dass sie andere Ziele haben als der normale Handel.

Warum?

Durch die Konzentration in der Biobranche gibt es die Tendenz, dass immer mehr Mechanismen des konventionellen Handels übernommen werden. Das ist eine Gefahr, denn die Unterscheidbarkeit ist so nicht mehr gegeben. Und außerdem kann ich als bewusster Verbraucher ein Bioprodukt, das über 500 Kilometer von schlecht bezahlten Lkw-Fahrern in einen Laden gebracht worden ist, der nicht mal einen Betriebsrat hat, nicht guten Gewissens essen.

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