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Laverana

Innovationen als Motor

Naturkosmetik für alle und überall – das ist der Anspruch der Laverana, Hersteller der Marke Lavera. Zwar exportiert der Pionier inzwischen in 40 Länder. Entwicklung, Produktion und Auslieferung finden aber nach wie vor in der Region Hannover statt. Ein Besuch im „Herz“ des Unternehmens, dem neuen Forschungs- und Entwicklungslabor und Testcenter.

04.02.2020 vonSusanne Gschwind

Dr. Henrike Neuhoff, Leiterin der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, zeigt die Bandbreite natürlicher Rohstoffe.

Der pinkfarbene Blütenregen, die Firmen-Farben Weiß und Grau, der geradlinige Schriftzug: Wer sich auf den Weg zur neuen Firmenzentrale macht, erkennt das „Lavera-Haus“ schon von weitem. Dass es in der Lavesstraße liegt, ist dabei ein schönes, aber zufälliges Detail. Denn benannt ist sie nach dem Hofbaumeister Georg Laves. Nimmt man allerdings die Wertschätzung, die Niedersachsens Wirtschaftsminister dem Unternehmen bei der Einweihung entgegenbrachte, als Maßstab, wäre auch der Gedanke einer Lavera-Straße nicht abwegig.

Seit der Firmengründung 1987 ist der Naturkosmetik-Pionier der Region Hannover treu, schafft Arbeitsplätze und investiert kontinuierlich in die Erweiterung. Allein in das vollautomatisierte Logistik- und Produktionszentrum in Bantorf, das derzeit (Stand Ende November) in Betrieb genommen wird, fließen über 30 Millionen Euro.

Ein Labor auf 400 Quadratmetern

Ganz am Anfang stand allerdings nicht der Gedanke, eine Firma zu gründen, sondern schlicht ein persönliches Verträglichkeitsproblem: „Ich litt in meiner Jugend stark unter Neurodermitis, hatte viel probiert und festgestellt, dass Naturprodukte die einzigen sind, die ich vertrage“, erinnert sich Thomas Haase. So entwickelte er einen Lippenpflegestift, der bald auch bei Freunden und Bekannten sehr beliebt war.

Bei der zunächst kleinen aber wachsenden Kosmetikproduktion halfen ihm anfangs seine Eltern und ein Bekannter. Heute arbeiten rund 400 Mitarbeiter bei Laverana, dessen Name sich aus „La Vera“ (die Wahre) und „na“ für Naturkosmetik zusammensetzt. Rund 130 sind es in Wennigsen. Dem Ort, an dem sich mit den Forschungs- und Entwicklungslaboren und dem Testcenter das „Herz“ des Unternehmens befindet.

Vorbei an einem Lieferwagen, der gerade Rohstoffe unterirdisch anliefert, machen wir uns auf den Weg zur neu geschaffenen 400 Quadratmeter großen Laboretage – das Reich von Dr. Henrike Neuhoff. Die Leiterin der Forschungs- und Entwicklungsabteilung ist seit vier Jahren im Unternehmen. Davor hat sie bei Clariant und Beiersdorf in leitender Position Erfahrungen mit konventioneller Kosmetik gesammelt. Auch die Unterschiede kennt sie deshalb genau: „Während es zum Beispiel rund 5000 synthetische Parfumstoffe gibt, stehen in der Naturkosmetik lediglich 400 Duftstoffe aus natürlichen Ölen und Pflanzenextrakten zur Verfügung.“ Und da der Duft das „A und O für ein Produkt ist“, so die Bereichsleiterin, hat die Laverana ein eigenes Parfumlabor.

Bis zu 150 Rezeptur-Ansätze für eine Creme

Gerade bei Cremes ist allerdings auch das Hautgefühl sehr wichtig. „Die Sensorik muss beim Auftragen, Verteilen und Einziehen stimmen, aber auch danach“, so Neuhoff. Hier spielt das hauseigene Testcenter eine große Rolle. Mit Hilfe unterschiedlicher Geräte, die zum Beispiel die Hautfeuchtigkeit, aber auch Falten und Pigmentstörungen messen, liefern Testcenter-Leiter Dr. Sven Brandt und sein Team wichtige Fakten zur Wirkung eines Produkts. Dazu kommen subjektive Tests. „Der Kunde bewertet ja auch so: Er nimmt ein Produkt in die Hand, riecht daran, probiert es aus und entscheidet, ob es gut ist oder nicht“, weiß Firmengründer Thomas .

So erstaunt es nicht, dass die Entwicklung eines neuen Produkts dauert. „Gerade bei Cremes sind wir schon mal bei 150 Rezeptur-Ansätzen, bis wir sagen: Das ist es“, sagt Neuhoff. In der Regel dauert das rund 12 Monate. Es geht aber auch schneller. „Wenn wir etwas haben, von dem wir überzeugt sind und für das wir eine Marktlücke sehen, dann schaffen wir das auch in einem halben Jahr.“

Die Innovationslust ist sozusagen Teil der Laverana-DNA: „Neuigkeiten zu bringen, sich weiter zu entwickeln, die Erwartungen der Verbraucher zu bedienen und zu erfüllen, das ist letztendlich ein Erfolgsgarant und wird immer der Motor bei Lavera bleiben“, sagt Vertriebschef Dirks. Ob Lippenstift, Lipgloss, sprühbarer Sonnenschutz, Selbstbräuner oder Anti-Aging-Pflege: Seit Anfang der 1990er Jahre bringt das Hannoveraner Familienunternehmen regelmäßig neue Produkte auf den Markt, häufig solche, die man bisher nur von den konventionellen Herstellern kannte.

Ganz besonders stolz ist Gründer und Geschäftsführer Thomas Haase nach wie vor auf den Sonnenschutz: „Wir waren die ersten, die Sonnenkosmetik aus mineralischem Lichtschutz angeboten haben. Und zwar weltweit.“ Doch nicht immer kamen die Innovationen gleich an. 1992, bei einer Gesichtspflege mit Liposomen aus Lecithin zweifelten die Verbraucher die Natürlichkeit an. 2001 gab es bei Laveré, der ersten ausgelobten Naturkosmetik-Anti-Aging- Pflege, kritische Kommentare aus der Branche. „Wir waren der Zeit oft weit voraus“, erinnert sich Gründer Haase.

Discounter-Experiment ist beendet

Heute greifen viele Verbraucher bei Naturkosmetik zwar selbstverständlich zu. Abstriche machen sie aber nicht. „Die Produkte müssen mindestens so gut sein wie konventionelle“, so Henrike Neuhoff. Das schreckt sie aber nicht. Im Gegenteil: „Wir haben eine gute Chance, sogar besser sein zu können, weil wir natürliche Inhaltsstoffe haben, die die Haut gut aufnehmen kann und ihr gut tun. Und ich denke, die Verbraucher spüren das.“

Man muss sie allerdings erst einmal dazu bringen, Naturkosmetik auszuprobieren. Aufmerksamkeit schaffen lautet deshalb eine Devise, die die Laverana etwa mit TV-Werbung oder der Eröffnung eines Pop-up Stores verfolgt. Sichtbar sein und gefunden werden gehört ebenfalls zur Strategie: „Wir haben schon immer den Anspruch gehabt, mit unseren Produkten da zu sein, wo wir von den Verbrauchern gesucht und erwartet werden“, sagt Vertriebsleiter Dirks. Das bedeutet: Neben dem Naturkost-Fachhandel stehen die Produkte auch in den Drogeriemärkten und im LEH. Das Experiment Discount setzt das Unternehmen dagegen nicht weiter fort. „Zumindest aktuell passt die Marke und ihre Produktpositionierung nicht zum Discounter “, so Dirks.

Nachfolge ist gesichert

Was dagegen auf jeden Fall passt, sind die aktuellen Diskussionen rund um Nachhaltigkeit. Die Verbraucher suchten Antworten. „Und die haben wir“, so Dirks. Seinen Nachhaltigkeitsanspruch kann das Unternehmen belegen: So ist Lavera nicht nur zu 100 Prozent zertifizierte Naturkosmetik und vom Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) zertifiziert, sondern wurde auch mehrfach als Green Brand und jüngst als Marke des Jahrhunderts für die Produktgattung Naturkosmetik ausgezeichnet.

Dass sich nachhaltiges und erfolgreiches Wirtschaften dabei wunderbar ergänzen, sieht man letztendlich auch an der wirtschaftlichen Entwicklung: „Wir haben zweistellige Zuwachsraten und das seit vielen Jahren“, so Vertriebschef Dirks. Thomas Haase und seine Mitarbeiter haben also allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Auch, weil das Unternehmen personell gut aufgestellt ist: Neben einem Team aus Bereichsleitern arbeiten zwei Söhne und der Schwiegersohn im Unternehmen mit. „Die Nachfolge ist gesichert“, ist Firmengründer Haase überzeugt.

Drei Fragen an Thomas Haase

Geschäftsführer der Laverana

BioHandel: Wie sehen Sie die Rolle von Laverana in der Naturkosmetik-Branche?

Thomas Haase: Als Demokratisierer und Entwicklungspionier. Wir stellen wirksame, 100 Prozent zertifizierte Naturkosmetik her und wollen diese für jeden überall verfügbar machen.

Wo sehen Sie die Haupt-Herausforderungen für Ihr Unternehmen?

Die Wertigkeit von Naturkosmetik sicher zu stellen. Als Unternehmen ökologisch ressourcenschonend und klimaneutral zu agieren. Mit größtmöglicher Flexibilität Kundenanforderungen zu erfüllen.

Welchen Stellenwert hat der Naturkost-Fachhandel für Sie?

Er ist unsere Wurzel und hat einen besonders hohen Stellenwert, den wir z.B. mit exklusiven Sondereditionen unterstützen. Als Pionier für das Segment Naturkosmetik ist er heute Trendsetter für nachhaltigen Konsum.

Zahlen – Daten – Fakten

1987: Thomas Haase gründet Laverana und die Marke Lavera
Standorte: Hannover: Verwaltung, Wennigsen: Labor und Test-Center, Bantorf: Produktion und Logistik
Mitarbeiter: 400
Sortiment: Gesichts-, Körper-, Zahn- und Haarpflege, Sonnenschutz, dekorative Kosmetik
Produkte: ca. 280 zuzüglich limitierte Sondereditionen
Exportanteil: ca. 40 Prozent
Geschäftsführung: Thomas Haase
Webseite: www.lavera.de

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