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Studie

Glutenfrei ist Kunden oft zu teuer

Der Markt mit Lebensmitteln ohne Gluten wächst. Neben Menschen mit Unverträglichkeit greifen auch viele Verbraucher ohne Beschwerden zu Alternativen bei Nudeln oder Brot – auch wenn vielen der Preis zu hoch ist, wie eine Umfrage zeigt.

25.11.2020 vonMichael Stahl

Glutenfreies Brot darf maximal 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm beinhalten.

Der Markt mit Lebensmitteln ohne Gluten wächst. Neben Menschen mit Unverträglichkeit greifen auch viele Verbraucher ohne Beschwerden zu Alternativen bei Nudeln oder Brot – auch wenn vielen der Preis zu hoch ist, wie eine Umfrage zeigt.

Mehr als 800.000 Menschen in Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft an einer Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie). Das ist weniger als ein Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig greifen deutlich mehr Verbraucher zu entsprechenden Produkten. Das Allensbach-Institut hat 2020 Konsumenten zwischen 14 und 69 Jahren gefragt, ob sie in den vergangenen zwei Wochen glutenfreie Produkte gekauft haben. Das Ergebnis: 1,92 Millionen Menschen taten das. Darunter auch Personen, die eine Gluten-Sensitivität haben und solche, die nicht aufgrund von Beschwerden auf Gluten verzichten.

Das Marktforschungsunternehmen Splendid Research geht davon aus, dass sieben bis zehn Prozent der Bevölkerung auf Gluten verzichtet. „Sowohl für Hersteller als auch für Händler ist angesichts des riesigen Marktpotenzials entscheidend, sich des Ernährungs- und Konsumverhaltens beider Verbrauchergruppen bewusst zu werden“, heißt es dort.

Gluten und Zöliakie

Gluten kommt in bestimmten Getreidesorten wie Weizen, Roggen oder Gerste vor. Bei Menschen mit der Autoimmunkrankheit Zöliakie führt der Verzehr dieser Eiweiskomponente zu Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Blähungen. Glutenfreie Lebensmittel dürfen maximal 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm enthalten.

Das Unternehmen hat in einer aktuellen Studie 714 in Deutschland lebende und zumindest gelegentlich auf Gluten verzichtende Personen zwischen 16 und 69 Jahren online zum Thema Ernährung befragt und dabei Einstellungen, das Ernährungsverhalten sowie die Nutzung von Ersatzprodukten erhoben. Ein Ergebnis: 65 Prozent der Befragten mit Gluten-Unverträglichkeit achten darauf, dass die Lebensmittel, die sie kaufen, bio sind. Wichtiger ist für sie nur die Regionalität der Produkte (70 Prozent). Auf Frei-von-Ware achten demnach 63 Prozent dieser Verbrauchergruppe. Auch für Konsumenten ohne Unverträglichkeit sind laut der Befragung Regionalität (69 Prozent) und Bio (56 Prozent) am wichtigsten. In dieser Gruppe achten lediglich 33 Prozent explizit auf Frei-von-Produkte.


Der Umfrage zufolge sind die Verbraucher mehrheitlich zwar mit der Qualität der Ersatzprodukte einverstanden. Eine besonders hohe Qualität attestierten die Befragten etwa den Produkten des Herstellers Bauckhof, dessen Lebensmittel auch im Fachhandel verkauft werden. Die Preise für glutenfreie Lebensmittel sorgen jedoch für Unmut.

Schneekoppe etwa stehe demnach bei den Verbrauchern enbenfalls für Qualität und Umweltbewusstsein, beim Preis-Leistungs-Verhältnis ihrer glutenfreien Produkte schnitt die Marke, die es bei Aldi Süd und Nord zu kaufen gibt, allerdings weniger gut ab. Hier konnten Eigenmarken von Drogerien und Discountern wie Rossmann oder Lidl eher punkten, heißt es in der Studie. Die bekanntesten Marken für glutenfreie Ersatzprodukte waren der Umfrage zufolge Alnatura, Barilla und DM Bio.

Unabhängig von der Herstellerbewertung bemängeln 57 Prozent der Verbraucher, dass glutenfreie Produkte zu teuer seien, schreibt Splendid. Weitere 44 Prozent zeigten sich unzufrieden mit der aktuellen Auswahl an entsprechenden Alternativen.

Die Kaufbereitschaft ist den Marktforschern zufolge dennoch ausgeprägt: 94 Prozent der Personen, die unter Zöliakie oder gesteigerter Sensitivität leiden, haben demnach bereits ein Ersatzprodukt gekauft. Bei Personen ohne medizinischen Befund liege die Quote bei 86 Prozent. „Unabhängig der tatsächlich mit Zöliakie diagnostizierten Personen, ist weiterhin von einer Zunahme an trendgesteuertem Verzicht auf Gluten auszugehen“, sagt Studienleiter Thilo Kampffmeyer. Zudem könne die Produktauswahl die aktuelle Nachfrage nach Alternativen nicht stillen. Wem Gluten keine Probleme bereite, für den seien die speziellen und meist teureren Produkte überflüssig, heißt es bei der Verbraucherzentrale.

Laut einer Umfrage der Krankenkasse Pronova BKK aus dem Jahr 2018 waren rund ein Viertel der Bevölkerung gegen bestimmte Lebensmittel oder Inhaltsstoffe allergisch. Dabei waren Frauen häufiger betroffen als Männer. Neben der Gluten-Unverträglichkeit ist vor allem Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) in Deutschland weit verbreitet.

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