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„Fokus Fleisch“

Fleischwirtschaft informiert Verbraucher mit neuem Online-Portal

Im ersten Quartal dieses Jahres ist der Absatz von Fleischersatzprodukten deutlich gestiegen. Mit der digitalen Internetplattform „Fokus Fleisch“ versucht die Fleischindustrie nun offenbar, dagegen zu halten.

13.10.2020 vonLeo Frühschütz

Obwohl der Fleischkonsum nach wie vor sehr hoch ist, werden vegane und vegetarische Fleischersatzprodukte immer beliebter.

Im ersten Quartal dieses Jahres ist der Absatz von Fleischersatzprodukten deutlich gestiegen. Mit der digitalen Internetplattform „Fokus Fleisch“ versucht die Fleischindustrie nun offenbar, dagegen zu halten.

Seit Anfang September ist der Verband der Fleischwirtschaft mit einer digitalen Informationsinitiative im Internet vertreten. Die Verbraucherplattform fokus-fleisch.de will Konsumenten über Fleischkonsum aufklären und häufig gestellte Fragen zu dem Thema beantworten.

„Fokus Fleisch ist eine Informationsinitiative der Fleischwirtschaft, getragen von Unternehmen der Rind- und Schweinefleischerzeugung in Deutschland und unterstützt vom Verband der Fleischwirtschaft e. V. (VDF)“, heißt es auf der Webseite. Mit wissenschaftlich belastbaren Fakten wolle der Verband „ein Angebot zur sachlichen Auseinandersetzung“ rund um Rind- und Schweinefleisch machen.

„Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“

„Fleisch ist ein wichtiger Nährstofflieferant“ lautet eines der Kapitel der Webseite. Betont wird der hohe Eiweißgehalt sowie der Gehalt an Eisen, Zink und Selen. Und natürlich: „Vitamin B 12 kommt ausschließlich in tierischen Produkten vor.“ Außerdem verbessere Fleisch die Aufnahme von Nährstoffen wie Eisen oder Zink aus pflanzlicher Kost. Das alles erinnert an die frühere halbstaatliche Werbeagentur CMA und ihren Spruch: „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“.

Tierwohl – scheinbar kein Problem

Zum Thema Tierwohl heißt es: „Experten sind sich einig: Es gibt kein gutes oder schlechtes Haltungssystem für Nutztiere. Entscheidend für Tierwohl und Tiergesundheit in der Aufzucht sind vor allem Können und Engagement der Landwirte.“ Entscheidend seien auch die Bedingungen, unter denen die Landwirte ihre Tiere großziehen. Von zu wenig Platz im Stall, fehlender Einstreu und massivem Preisdruck schreibt Fokus Fleisch allerdings nichts. Erwähnt wird hingegen, dass die Fleischwirtschaft sich in der Initiative Tierwohl engagiert.

Gegen Werbeverbot für Billigfleisch

Das Portal erklärt auch, warum der Export von Fleisch notwendig ist. „Es wird in Deutschland kein Tier gezielt nur für den Export geschlachtet“, heißt es auf der Webseite. Gleichzeitig steht dort, dass in Deutschland 5,2 Millionen Tonnen Schweinefleisch erzeugt und davon 2,4 Millionen Tonnen exportiert werden. Erklärt wird der Export damit, dass die Deutschen gerne Kotelett, Schnitzel und Schinken essen, während für Schweinepfoten, -schnauzen oder -schwänze und Innereien Abnehmer in anderen Ländern gesucht werden müssten.

Zum Thema Wirtschaft wendet sich die Seite gegen Werbeverbote für Billigfleisch und lobt die Vielfalt der Branche: „Ihr gehören eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen sowie nur wenigen große Unternehmen mit bekannten Namen an“. Die weit überwiegende Mehrheit der Fleischunternehmen seien traditionelle Familienbetriebe, daneben gebe es einzelne Genossenschaften. Als ob in diesen Betrieben Arbeitsbedingungen, Löhne und Werkverträge kein Thema wären.

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