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Eco-Score oder Planet-Score

Bio-Branche und Lidl diskutieren über das beste Nachhaltigkeitslabel

Welcher Score ist nachhaltiger? Bei „Lidl im Dialog“ tauschten sich Experten dazu aus. Während BNN und BÖLW den Planet-Score empfehlen, sucht Lidl nach einem Test des Eco-Score noch die beste Lösung.

07.04.2022 vonKatrin Muhl

Eco-Score und Planet-Score: Discounter Lidl zeigt sich offen für „das Beste aus beiden Systemen“.

Welcher Score ist nachhaltiger? Bei „Lidl im Dialog“ tauschten sich Experten dazu aus. Während BNN und BÖLW den Planet-Score empfehlen, sucht Lidl nach einem Test des Eco-Score noch die beste Lösung.

Update: Dieser Artikel wurde am 25.04.2022 aktualisiert. Es wurde ergänzt, dass die Bohlsener Mühle ihr gesamtes Markensortiment durch den Planet-Score bewerten lässt.

Wie nachhaltig ein Produkt wirklich ist, sollen Verbraucher auf einen Blick erkennen können. So will es die EU-Kommission und plant dafür in den nächsten Jahren eine Kennzeichnung auf die Verpackungen von Lebensmitteln zu bringen. Welche das sein könnte, ist noch unklar.

Ein Aufruf der französischen Regierung zur Entwicklung einer freiwilligen Kennzeichnung hat in Frankreich unter anderem den Eco-Score und den Planet-Score hervorgebracht. Während die französische Bio-Branche den Planet-Score unterstützt, stehen hinter dem Eco-Score überwiegend konventionelle Lebensmittelunternehmen.

Eco-Score und Planet-Score werden auch hierzulande diskutiert. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Verbänden tauschten sich am Dienstag bei der Gesprächsrunde „Lidl im Dialog“ darüber aus. Kathrin Jäckel, Geschäftsführerin des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN), und Peter Röhrig, geschäftsführender Vorstand des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), rührten bei der Veranstaltung die Werbetrommel für den Planet-Score.

BNN empfiehlt den Planet-Score

Zuvor hatte sich der BNN in einem Positionspapier klar für den Planet-Score und gegen den Eco-Score ausgesprochen. Das Schreiben ging Ende März an einen breiten politischen Kreis, darunter Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne). Unter anderem heißt es darin: „Der Eco-Score begünstigt intensive Produktionssysteme. Eine intensive Landwirtschaft trägt jedoch zur Reduzierung der Artenvielfalt, zur Zerstörung der Böden und zur Belastung des Grundwassers bei.“

Bei der Diskussionsveranstaltung von Lidl kritisierte Peter Röhrig deshalb auch den Begriff Eco-Score: Verbraucherinnen und Verbraucher würde durch den Wortbaustein „Eco“ suggeriert, „das muss ja irgendwo ökologisch sein“, an der entscheidenden Stelle, sei er es aber nicht.

Ein wichtiger Unterschied zwischen Planet-Score und Eco-Score besteht in der Darstellung: Der Eco-Score wird ausschließlich als Gesamtscore (Skala A bis E) auf den Produkten abgebildet. Der Planet-Score weist drei zusätzliche Unterkategorien aus: Pestizide, Biodiversität und Klima. Bei tierischen Produkten kommt die Tierwohlbewertung hinzu.

Durch die differenzierte Darstellung der einzelnen Indikatoren würden Verbraucherinnen und Verbraucher in die Lage versetzt, eine individuelle, ihren eigenen Kriterien entsprechende Entscheidung zu treffen, so Kathrin Jäckel. Der BNN verweist zudem auf eine Umfrage unter Verbrauchern in Frankreich, wonach 48 Prozent den Planet-Score bevorzugen. Lediglich acht Prozent sprachen sich für den Eco-Score aus.

Der Planet-Score bewertet bei tierischen Produkten auch das Tierwohl.

Vorreiter aus der Bio-Branche

Die Ölmühle Moog kennzeichnet als erstes deutsches Unternehmen Produkte mit dem Planet-Score. In seinem Online-Shop weist der Hersteller seit kurzem einige Öle der Marke Bio Planète mit dem Label aus. „Erste Rückmeldungen von Partnern und Kunden dazu sind sehr positiv und legen nahe, dass eine solche Form der Orientierung durchaus gewünscht ist“, teilt eine Sprecherin auf Nachfrage von BioHandel mit. Die Berechnung für weitere Öle sei bereits geplant und zum Teil schon im Gange. Ein Aufdruck des Planet-Score auf den Etiketten seiner Produkte sei für das Unternehmen „mittelfristig vorstellbar“.

Die Bohlsener Mühle hat laut eigenen Angaben das erste (gesamte) Bio-Markensortiment zur Bewertung durch den Planet-Score eingereicht. „Der Planet-Score ist der vielversprechendste Ansatz, die ökologische Nachhaltigkeit von Lebensmitteln standardisiert und transparent zu bewerten“, teilt Jan-Ole Brandt, Nachhaltigkeitsmanager der Bohlsener Mühle, mit. Alle 107 Produkte des Getreidespezialisten – von Müslis über Kekse und Fertiggerichte bis zu Mehlen und Flocken – erhalten die demnach Gesamtnote A, die im Planet-Score aus dem Durchschnittswert der drei Unterkategorien (Pestizide, Biodiversität und Klima) berechnet wird.

Discounter Lidl testete im vergangenen Jahr als erster Lebensmittelhändler in Deutschland den Eco-Score in seinen Berliner Filialen. Rund 140 Kaffee-, Tee- und Milchprodukte wurden mit dem Eco-Score auf dem Preisschild gekennzeichnet. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fasst das Unternehmen so zusammen: „In Summe bildet der Eco-Score derzeit für uns den besten Kompromiss in Bezug auf Wissenschaftlichkeit und Umsetzbarkeit ab“.

Lidl scheint jedoch nicht auf den Eco-Score zu beharren. „Wir sehen natürlich auch, dass das System Schwächen hat“, sagte Christoph Graf, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl Deutschland, in der Diskussionsrunde am Dienstag. In Frankreich testet der Discounter gerade den Planet-Score. Der Lebensmittelhändler sei offen für „das Beste aus beiden Systemen“, so Graf. Einen gemeinsamen Konsens zu finden, sei das Wichtigste.

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