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Jubiläen

Diese Bio-Hersteller feiern 2020 Geburtstag

Sie holten ein Stück Sardinien nach Deutschland, fuhren mit einem Glasballon voller Öl und Kräutern auf dem Dach durch die Toskana oder verewigten eine Eseldame im Logo: Die Bio-Jubilare haben eine spannende Geschichte hinter sich – und sind gut gerüstet für die Zukunft. BioHandel gratuliert und stellt sie vor.

05.11.2020 vonSusanne Gschwind

In diesem Jahr feiern gleich mehrere ökologische Hersteller ihre Jubiläen.

Sie holten ein Stück Sardinien nach Deutschland, fuhren mit einem Glasballon voller Öl und Kräutern auf dem Dach durch die Toskana oder verewigten eine Eseldame im Logo: Die Bio-Jubilare haben eine spannende Geschichte hinter sich – und sind gut gerüstet für die Zukunft. BioHandel gratuliert und stellt sie vor.

40 Jahre Mani Bläuel

Familie Bläuel auf einem Bild: Felix, Fritz und Burgi Bläuel.

Ideale Anbaubedingungen, schonende Verarbeitung, beste Bio-Qualität sowie eine gute Portion griechische Lebensfreude und Achtsamkeit im Umgang mit Mensch und Natur: Das zeichnet die Delikatessen von Mani Bläuel aus. Die meisten Olivenöle, Oliven und griechischen Vorspeisen (Mezes) des Anbieters sind Naturland-Fair-zertifiziert.

Alles begann damit, dass Fritz und Burgi Bläuel Ende der 1970er Jahre in der Region Mani im Süden der griechischen Halbinsel Peloponnes Wurzeln schlugen. Als Erntehelfer lernten sie die Olivenkultur der Region kennen, die vom traditionell-handwerklichen Anbau über die schonende Verarbeitung bis hin zur genussvollen Esskultur reicht. Selbst überzeugt vom ökologischen Anbau, gelang es ihnen, über 300 Landwirte von dessen Vorteilen zu überzeugen und sie bei der Umstellung zu begleiten.

Aus dieser jahrzehntelangen erfolgreichen Zusammenarbeit mit Kleinbauern ging 1991 das erste ökologisch zertifizierte Olivenöl Griechenlands hervor. Mit dem gleichen Pioniergeist eröffnete die Familie Bläuel 2004 den Mani-Sonnenlink, das erste bio-zertifizierte Hotel Griechenlands. Sohn Felix, der Mani Bläuel inzwischen als Geschäftsführer leitet, setzt sich gleichermaßen für die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens und die Zukunftsfähigkeit der Region Mani ein.

Mani Bläuel GmbH / Bläuel Greek Organic Products

  • Geschäftsführung: Felix und Burgi Bläuel / Fritz und Felix Bläuel
  • Firmenstandorte: Wien, Österreich / Messinias, Griechenland
  • Mitarbeiter: ca. 60
  • Produkte: Olivenöl, Oliven, Mezes

40 Jahre La Selva

1980 gründete Karl Egger La Selva und feiert 2020 40-jähriges Firmenjubiläum.

„Ich wollte die Jahreszeiten erleben und endlich wieder Lebensmittel genießen, die ihren Namen verdienen und so schmecken, wie ich sie aus meiner Kindheit in Erinnerung hatte: natürlich, intensiv und unverfälscht“, erinnert sich La Selva-Gründer Karl Egger. Deshalb zog der Bio-Feinkost-Pionier und Naturland-Mitbegründer 1980 in die südliche Toskana und baute auf dem Landgut La Selva – zu Deutsch „Wald“ oder „Wildnis“ – selbst Obst und Gemüse an.

Aus anfangs sieben sind mittlerweile über 700 Hektar Anbaufläche geworden und aus dem Landgut ein Unternehmen, das für italienische Feinkost – von der Tomatensoße über Pesto und Pasta, Essig und Öl bis hin zu Wein – international bekannt ist. Die rund 200 Bio-Spezialitäten und 12 Bio-Weine sind fast alle gluten-, hefe- sowie laktosefrei und vegan.

Traditionelle toskanische Rezepte und möglichst schonende Handarbeit sorgen dafür, den natürlichen Geschmack und die Vitalstoffe der sonnengereiften Früchte zu erhalten. So geht das persönliche Genussverständnis Eggers bis heute in die Firmenphilosophie des Unternehmens ein, das inzwischen von Christian Stivaletti geführt wird. Ihm steht Peter Hüller zur Seite, der als Geschäftsführer die La Selva Toskana Feinkost Vertriebs GmbH in Gräfelfing managt.

La Selva Toskana Feinkost Vertriebs GmbH

  • Geschäftsführer: Peter Hüller
  • Firmenstandort: Gräfelfing
  • Mitarbeiter: 286
  • Produkte: Italienische Feinkost

40 Jahre Ökotopia

Seit 2004 ist Franziska Geyer die Geschäftsführerin von Ökotopia.

1980 von einem Kreuzberger Studentenkollektiv gegründet, war Ökotopia von Anfang an im solidarischen Handel mit Bio-Kaffee und -Tee verwurzelt. Der Name des Berliner Unternehmens entstand in Anlehnung an den Zukunftsroman „Ecotopia“ von Ernest Callenbach, der darin die Utopie einer ökologisch und sozial verträglichen Gesellschaft beschrieb.

Zu den ersten Produkten, mit denen Ökotopia handelte, gehörte der Schwarztee „Mehringhof-Mischung“ – inzwischen ein Klassiker, der heute noch zum umfangreichen Tee- und Kaffeesortiment zählt. Solidarität mit den von Bürgerkrieg und Naturkatastrophen schwer getroffenen Kleinbauern in Nicaragua übten die Berliner mit dem Import von „Soli-Kaffee“. „Unsere Werte, höchste Bio-Qualität und faire Partnerschaften mit unseren Lieferanten, haben wir stetig weiterentwickelt. Bei Ökotopia in Berlin gestalten wir unseren Arbeitsalltag gemeinschaftlich, auch das gehört zu unserer Unternehmenskultur“, sagt Inhaberin Franziska Geyer.

Um die Kontakte zu den Partnern, Kleinbauern- Kooperativen in Mittelamerika und Asien, lebendig zu halten, pflegt das Unternehmen regelmäßig den direkten Kontakt vor Ort. Daraus sind viele langfristige, freundschaftliche Beziehungen erwachsen. „Persönliche Strukturen in der gesamten Lieferkette prägen unsere Philosophie und unseren wirtschaftlichen Erfolg“, so die Überzeugung von Franziska Geyer.

Mehrere Umzüge brachten Ökotopia vom Fensterladen im alternativen Kultur- und Gewerbezentrum Mehringhof zum heutigen Standort in Berlin-Lichtenberg. Dort werden die über 400 Tees und Kaffees veredelt und von Hand verpackt. Mit seinen Tee- und Kaffeespezialitäten aus aller Welt beliefert Ökotopia den Naturkostfachhandel und die Gastronomie.

Ökotopia Handels- und Verlagsgesellschaft mbH

  • Geschäftsführerin: Franziska Geyer
  • Firmenstandort: Berlin
  • Mitarbeiter: 24
  • Produkte: Fair gehandelter Bio-Tee und -Kaffee

40 Jahre Tautropfen

Wuzhen Bi ist Geschäftsführer von Tautropfen.

Eine Reise durch die Toskana war der Beginn: Ende der 1970er Jahre waren Silvia und Rainer Plum mit ihrem Wohnmobil in Italien unterwegs. Auf der Suche nach einer natürlichen Körperpflege für ihren neugeborenen Sohn waren sie vom dortigen Olivenöl und den Heilkräutern so fasziniert, dass sie kurzerhand einen leeren Glasballon mit Olivenöl und Kräutern befüllten und das Gemisch während ihrer Reise auf dem Dach ihres Wohnmobils reifen ließen. Das Ergebnis: ein hautpflegendes, 100 Prozent natürliches Produkt.

Inspiriert durch den Erfolg, gründeten Silvia und Rainer Plum 1980 Tautropfen – eine der ersten Naturkosmetikmarken auf dem deutschen Markt. Schon bald fanden die Pflegeprodukte ihren Platz in den Regalen vieler Bioläden und Reformhäuser. Das Besondere: Bei Tautropfen wurden von Beginn an sämtliche Inhaltsstoffe auf der Verpackung deklarierte. Und auch bei der Demeter-Zertifizierung war das Unternehmen 1989 im Bereich der Naturkosmetik Pionier.

2003 verkauften Rainer und Silvia Plum ihr Unternehmen an das Naturkosmetik-Unternehmen Börlind, seit 2013 gehört Tautropfen zur international agierenden Bijia Cosmetics- Gruppe, die sich ebenfalls auf Naturkosmetik aus Deutschland spezialisiert hat.

Tautropfen Naturkosmetik GmbH

  • Geschäftsführer: Wuzhen Bi
  • Firmenstandort: Frankfurt
  • Mitarbeiter: 25
  • Produkte: Naturkosmetische Gesichts- und Körperpflegeprodukte

30 Jahre Pasta Nuova

Claudio Mossa führt das von seinem Vater gegründete Unternehmen Pasta Nuova.

Weil er hierzulande gute, italienische Pasta vermisste, machte sich Leandro Mossa selbst ans Werk. Der Pasta Nuova-Gründer, der in den 1960er-Jahren als Gastarbeiter aus Sardinien nach Deutschland kam, tüftelte so lange an Rezepten aus seiner Heimat, bis diese auch auf großen Maschinen produziert werden konnten.

Sein kleiner Drei-Mann-Betrieb hieß zunächst LIHO Teigwaren & Feinkost GmbH, benannt nach dem Produktionsort in Linkenheim-Hochstetten nahe dem badischen Karlsruhe. Wurde die Pasta in den Anfangsjahren sowohl konventionell als auch biologisch erzeugt, stieg Mossa 1998 auf eine rein biologische Herstellung um. Mittlerweile produziert der Bio-Pasta-Anbieter, der inzwischen von Leandro Mossas Sohn Claudio geführt wird, bereits in dritter Generation Pasta nach italienischen Familienrezepten in Baden- Württemberg.

Das derzeitige Sortiment umfasst 20 vegetarische und vegane Produkte, von Tortelloni über Ravioli, Spätzle, Schupfnudeln, Maultaschen bis hin zu Gnocchi und Gnocchetti. Ein Produkt ist glutenfrei, 16 werden gänzlich ohne Ei und fünf Produkte aus Vollkorn- oder Dinkel-Teig hergestellt. Pasta Nuova verarbeitet den Teig ausschließlich im traditionellen Kaltwalzverfahren. So wird er möglichst wenig mechanisch beansprucht und es bleiben mehr Mineralstoffe erhalten. Zudem achtet das Unternehmen auf eine möglichst „schlanke“ Zutatenliste: Auf Zusatzstoffe wird bewusst verzichtet.

Der ursprüngliche Drei-Mann-Betrieb ist inzwischen auf über 30 Mitarbeiter angewachsen, die im Zwei-Schichtbetrieb Pasta produzieren und verpacken oder sich um die Vermarktung und Logistik kümmern. Apropos Vermarktung: Pünktlich zum 30-jährigen Geburtstag hat Pasta Nuova seinen Produkten ein neues Aussehen gegeben und das Markenlogo überarbeitet: Mit seiner grün-weißroten Farbe ist der Bezug zu den italienischen Wurzeln des Unternehmens auf den ersten Blick sichtbar.

Pasta Nuova GmbH

  • Geschäftsführer: Claudio Mossa
  • Firmenstandort: Graben-Neudorf
  • Mitarbeiter: ca. 30
  • Produkte: Frische Pasta

25 Jahre Landkrone

Herrmann Pfestorf leitet das Unternehmen Landkrone in dritter Generation.

Von Pflanzen-Margarine und -fett über Brotaufstriche bis hin zu Bio-Salaten: Das Familienunternehmen Landkrone steht für innovative vegetarische und vegane Produkte – und das seit 25 Jahren. Seinen Ursprung nahm der saarländische Betrieb Ende der 1980er Jahre, als Brigitte Pfestorf-Fauser eine eigene Bio-Produktlinie im familieneigenen Unternehmen Fauser Landsieg ins Leben rief. Hier produzierte man die erste Bio-Margarine Deutschlands.

Prägend für die Unternehmensgründerin war, dass sie selbst sehr naturverbunden in einer bäuerlichen Familie aufwuchs, die sich nicht nur selbst versorgte, sondern ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung von vegetarischen Lebensmitteln bestritt. 1987 wurde der erste Landkrone-Artikel, eine Margarine mit 60 Prozent schonend gepresstem, nicht raffiniertem Sonnenblumenöl hergestellt. Kurze Zeit später konnte dann die erste Bio-Margarine mit 95 Prozent Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau hergestellt werden.

1995 wurde aus der Firma Fauser Landsieg die Landkrone Naturkost und Naturwaren GmbH, die heute von Hermann Pfestorf in dritter Generation geführt wird. „Wir freuen uns, dass wir mit unserem Sortiment den Puls der Zeit treffen – vor allem auch, was das traditionelle Produktsortiment der Pflanzen-Margarine angeht. Auch aufgrund der Klimadiskussion und dem immer stärker werdenden Verzicht auf tierische Lebensmittel können wir hier stark wachsen”, so der Landkrone-Geschäftsführer.

Landkrone Naturkost und Naturwaren GmbH

  • Geschäftsführer: Hermann Pfestorf
  • Firmenstandort: St. Ingbert
  • Mitarbeiter: 75
  • Produkte: Pflanzen- Margarine und -fette, Brotaufstriche, Salate

25 Jahre Moin

Seit 2014 teilen sie sich die Geschäftsführung: das Ehepaar Brigitta Sui Dschen und Hans-Paul Mattke.

Als Mitbegründer eines linken Kollektivs machte der Feinbäcker-Geselle Hans-Paul Mattke schon Mitte der 1980er Jahre auf die zweifelhafte Qualität industriell hergestellter Lebensmittel aufmerksam. Nach dem Verkauf seines Anteils der Bio-Bäckerei Kaiser entschloss er sich zu einem Kunststudium, kehrte jedoch 1994 zum Backen zurück. Da er sich nicht dem unnatürlichen Lebensrhythmus eines Bäckers aussetzen wollte, entstand die Idee, tiefgekühlte Gebäcke in Bio-Qualität anzubieten.

Hans-Paul Mattke gründete Moin und entwickelte das erste tiefgekühlte Bio-Vollkorn-Butter-Croissant. Heute bietet das Glückstädter Unternehmen, das seit 2014 neben Hans-Paul Mattke auch von seiner Frau Brigitta Sui Dschen Mattke als Geschäftsführerin geleitet wird, über 50 verschiedene Backwerke, neben Croissants auch Brötchen und Brote, süßes Gebäck, herzhafte Snacks und Teige.

Und über die Anfangsidee hinaus, vor allem Bäckereien mit tiefgekühlten Bio-Waren zu beliefert, entwickelt Moin auch immer mehr Backwerke, die über die Naturkostläden direkt im Einkaufskorb der Verbraucher landen. Dabei setzt das Unternehmen auf beste Bioland-Zutaten sowie den Prozess der langen Teigreife, der für besonders guten Geschmack und Bekömmlichkeit sorgt. Technische Enzyme, Palmöl oder Konservierungsmittel sind tabu.

Ganz bewusst gehen die Glückstädter einen mittleren Weg zwischen Manufaktur und Industrie: handwerkliche Prozesse mit Hilfe modernster Technik. Da eine achtsame innere Haltung bei Moin eine wichtige Rolle spielt, hat das kürzlich durch die Gemeinwohl-Ökonomie zertifizierte Unternehmen den Begriff der „Corfaktur“ (von „cor“, lat.: Herz) für sich geprägt.

Moin Bio Backwaren GmbH

  • Geschäftsführung: Brigitta Sui Dschen und Hans-Paul Mattke
  • Firmenstandort: Glückstadt
  • Mitarbeiter: 63
  • Produkte: TK-Backware und Teige

25 Jahre Sanchon

Die Geschäftsführer von Sanchon Matthias Rebentisch und Christof Henne verbindet die Liebe zu leckeren Brotaufstrichen.

Die Wurzeln von Sanchon liegen im Detmolder Bio-Laden Petersilchen. Dort begegneten sich Mitte der 1990er Jahren Bio-Ladner Peter Vogel, der gerne gute Brotaufstriche haben wollte und Matthias Rebentisch, ein weltenbummelnder Koch, der Lust hatte, sie zuzubereiten. So entstand die Idee, das Essen, das sie auf ihren Reisen in gastlichen Familien, kleinen Garküchen und an Streetfood-Ständen genossen hatten, auch hierzulande anzubieten.

Die Aufstriche waren schnell so beliebt, dass die beiden 1995 beschlossen, die Marke Sanchon zu gründen. Angesiedelt wurde sie in der Petersilchen GmbH, die 1987 von Peter Vogel gegründet worden war. Mit Christof Henne stieß Anfang der 2000er Jahre dann ein weiterer kocherfahrener Globetrotter zum Team.

Inzwischen hat das Unternehmen 53 Produkte im Programm, darunter Klassiker wie der mediterrane Aufstrich Sonnentomate, aber auch Trendiges wie die neuen Jackfruit-Salate, Soßen und Chutneys. Dabei kommt bei Sanchon nur das in den Topf, was man auch zuhause in der Küche verwenden würde, sei es in Thailand oder Italien. Alle Sanchon-Produkte sind vegetarisch, oft vegan – und tragen einen Esel als Logo.

Wie es dazu kam? Als das Gründerduo über den Markennamen für die Brotaufstriche nachdachte, meldete sich Matthias Rebentischs Eseldame Lilia mit einem lauten „I-ah!“ zu Wort. Sofort war den Beiden klar: Ein Esel, das passt! Schließlich ist Matthias Rebentisch großer Eselfan, und Peter Vogel liebt den Klassiker Don Quijote. In Anlehnung an den bodenständigen Genussmenschen Sancho Pansa aus Cervantes’ Klassiker waren Name und Logo schnell gefunden. Derzeit beschäftigt die Petersilchen GmbH 63 Mitarbeitende und hat ihren Sitz in Steinheim (Westfalen).

Petersilchen GmbH

  • Geschäftsführer: Matthias Rebentisch und Christof Henne
  • Firmenstandort: Steinheim
  • Mitarbeiter: 63
  • Produkte: Aufstriche, Soßen, Chutneys, Salate

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