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Grüne Woche

BÖLW und Landwirte kritisieren Bio-Bilanz der Bundesregierung

Der Bio-Dachverband und die Initiative „Wir haben es satt!" werfen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor, nicht genug für die ökologische Ernährungswirtschaft zu tun. Der Frust ist groß.

26.01.2021 vonLeo Frühschütz

Julia Klöckner auf der Internationalen Grünen Messe 2021: Der BÖLW wirft der Bundeslandwirtschaftsministerin Versäumnisse bei der Öko-Politik vor.

Der Bio-Dachverband und die Initiative „Wir haben es satt!" werfen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor, nicht genug für die ökologische Ernährungswirtschaft zu tun. Der Frust ist groß.

Die Internationale Grüne Woche fand in diesem Jahr nur digital statt und auch der Protest musste sich ändern. Statt der üblichen Massendemo mit zehntausenden Teilnehmern protestierten nur wenige Trecker vor der CDU-Parteizentrale und einige Menschen vor dem Bundeskanzleramt. Sie allerdings hatten über 10.000 kreativ gestaltete Fußabdrücke von denjenigen mitgebracht, die nicht dabei sein konnten.

„Agrarwende lostreten“ hieß das Motto und die Ansage von „Wir haben es satt!“-Sprecherin Saskia Richartz war klar: „Julia Klöckner versagt als Agrarministerin und macht eine Politik auf Kosten von Höfen, Tieren und Umwelt. Die CDU gehört nach 15 Jahren miserabler Agrarpolitik abgewählt.“

So deutlich wurde der Bio-Dachverband Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) nicht. „Bio-Bilanz: Daumen runter! Viel gesagt, zu wenig getan“ lautete sein Fazit der letzten Jahre. „Die Bundesregierung hat die ökologische Ernährungswirtschaft, die als Wirtschaftsmotor gerade im ländlichen Raum wirken kann, überhaupt nicht auf dem Schirm", kritisierte BÖLW-Vorstand Volker Krause. „Auch das Potenzial, was in Bio für nachhaltige Ernährung steckt, haben Julia Klöckner und ihre Kolleginnen und Kollegen nicht gehoben.“ In einem Grundsatzpapier zur Bundestagswahl in diesem Jahr legte der Verband seine Vorstellungen für eine nachhaltige Landwirtschafts- und Ernährungspolitik dar.

Wo bleibt die Wende?

Bioland-Sprecher Gerald Wehde erinnerte daran, dass vor 20 Jahren der Begriff Agrarwende erstmals auftauchte, in der Regierungserklärung der damals frisch gekürten Landwirtschaftsministerin Renate Künast. Doch auf deren Erfolge seien 15 Jahre Unionspolitik gefolgt, „in denen der Umbau der Landwirtschaft nicht vorangetrieben, sondern blockiert wurde“, sagte Wehde. „Taktgeber waren wieder der Bauernverband und die Lobby der Agrarindustrie“. Die Bio-Zahlen seien in den letzten fünf Jahren nicht wegen, sondern trotz der Bundespolitik gewachsen.

Ministerin Klöckner dagegen schreibt sich das Bio-Wachstum auf ihre Fahnen. 17 Prozent mehr Bio-Umsätze habe es 2020 nach ersten Schätzungen gegeben. Das habe „neben unser vielfältigen Förderung des Ökolandbaus sicher auch mit der Tatsache zu tun, dass es hier ein vertrauenswürdiges staatliches Kennzeichen gibt: unser Bio-Siegel“, ließ Klöckner verkünden.

Ins Leben gerufen hatte das sechseckige Logo vor 20 Jahren Renate Künast. Sie erfand auch den Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau, bei dem, wie jedes Jahr auf der Grünen Woche, drei Bio-Landwirte für ihre vorbildlichen Betriebskonzepte geehrt wurden.

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