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Vorwürfe des Deutschen Tierschutzbüros

Bio Company kündigt Bio-Schlachthof wegen Tierquälerei

Bilder aus einem Brandenburger Schlachtbetrieb zeigen, wie Schweine unsachgemäß getötet und misshandelt werden. Die Bio Company hat die Zusammenarbeit mit dem Betrieb beendet.

07.01.2021 vonKatrin Muhl

In einem Bio-Schlachthof bei Berlin wurden Schweine gequält. (Symbolbild)

Bilder aus einem Brandenburger Schlachtbetrieb zeigen, wie Schweine unsachgemäß getötet und misshandelt werden. Die Bio Company hat die Zusammenarbeit mit dem Betrieb beendet.

Das Deutsche Tierschutzbüro hat am Dienstag heimlich gedrehtes Videomaterial aus dem Bio-Schlachthof Färber in Brandenburg öffentlich gemacht. Die Bilder wurden im August 2020 aufgenommen und zeigen, wie in dem Betrieb offenbar gegen den Tierschutz verstoßen wird.

Zu sehen sind Fehler bei der Betäubung, außerdem werden Tiere getreten, geworfen und mit Haken geschlagen. „Dies ist Tierquälerei und in dieser Form nicht erlaubt“, so Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros.

Gegen die Verantwortlichen ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft Neuruppin, wie die Staatsanwältin Martina Baum gegenüber dem Tagesspiegel bestätigte.

„Jegliche Misshandlung ist für uns inakzeptabel“

Auch die Biomanufaktur Havelland, eine Tochtergesellschaft der Bio Company, hat dort Schweine verarbeiten lassen. Die Bioladen-Kette mit 60 Filialen in Berlin, Brandenburg, Dresden, Hamburg und Potsdam stoppte die Belieferung laut eigenen Angaben „sofort nach Bekanntwerden der Vorfälle im Dezember“.

Auf Anfrage von BioHandel teilt die Bio-Company weiter mit: „Wir sind erschüttert und distanzieren uns ausdrücklich von den unsäglichen Tierquälereien im Schlachthof Färber in Neuruppin. Jegliche Misshandlung ist für uns absolut inakzeptabel“.

Dem Unternehmen zufolge seien bei „allen bisherigen von uns beauftragten und unangemeldet stattgefundenen Tierwohl-Kontrollen im Betrieb (…) derlei Praktiken nie offenkundig geworden.“ Bio Company widersprach zudem der Darstellung des Tierschutzbüros, ein Hauptabnehmer von Färber gewesen zu sein. Sie habe „weniger als zehn Prozent des dort verarbeiteten Volumens“ verarbeiten lassen, teilte das Bio-Unternehmen mit.

Schlachtbetrieb steht offenbar still

Die Vorwürfe der Tierschützer hat der Schlachthof laut Medienberichten bereits eingeräumt. Aktuell würden dort keine Tiere mehr geschlachtet, meldet das Deutsche Tierschutzbüro. Nach Informationen der Taz seien die verantwortlichen Mitarbeiter entlassen worden und die Geschäftsleitung habe Strafanzeigen gegen sie gestellt.

Bereits vor Kenntnis der Vorfälle soll der Schlachthof in Maßnahmen investiert haben, die Tierschutzverstöße verhindern sollen. Unter anderem veränderte Arbeitsabläufen auch eine Videoüberwachung in der Schlachtung.

Das Deutsche Tierschutzbüro bleibt skeptisch. „In dem Färber-Schlachthof in Neuruppin herrschen katastrophale Zustände" sagt Peifer. Laut der Tierschutz- Organisation galt der Schlachthof, der an der Initiative Tierwohl teilnimmt, bislang als Vorzeigebetrieb, der sich in der Vergangenheit bei Skandalen anderer Schlachter als „Saubermann“ präsentiert habe.

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