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Ladeninterview

„Wir wollen ein Eventladen sein“

Naturkost Kornblume in Lingen ist zum zweiten Mal in Folge von Lesern der Schrot&Korn zum Besten Bio-Supermarkt gewählt worden. Im Gespräch mit BioHandel erzählen die Inhaber Nanni und Ralf Brinker, was sich vergangenes Jahr getan hat.

23.04.2021 vonManfred Loosen

Starkes Team: Nanni und Ralf Brinker mit ihren Söhnen Vincent und Simon.

Naturkost Kornblume in Lingen ist zum zweiten Mal in Folge von Lesern der Schrot&Korn zum Besten Bio-Supermarkt gewählt worden. Im Gespräch mit BioHandel erzählen die Inhaber Nanni und Ralf Brinker, was sich vergangenes Jahr getan hat.

Nanni und Ralf, euer Bio-Supermarkt ist nach 2020 auch 2021 zum Besten Bio-Laden gewählt worden. Warum habt ihr eigentlich schon wieder gewonnen?

Ralf Brinker: Wahrscheinlich liegt es vor allem daran, dass wir die besten Kunden haben (lacht). Es ist toll, wie viele von ihnen mitgemacht haben und uns so gute Noten gegeben haben.

Nanni Brinker: Wie eng die Beziehung zu unseren Kunden ist, merken wir auch zum Beispiel zu Weihnachten. Es ist unfassbar, wie viele Kunden uns Karten schreiben oder sogar Geschenke bringen. Das ist wirklich rührend.

Erzählt ein bisschen von der Geschichte des Ladens.

Nanni: Ralf und ich haben den Laden im März 1987 auf 56 Quadratmetern gegründet. Damals gab es in Lingen noch keinen Bioladen. Das wollten wir ändern. Damals hatten wir auch noch keine Kinder, jetzt haben wir vier, die zwischen 24 und 30 Jahre alt sind. Die Ware für den Laden haben wir damals noch selbst abgeholt, zum Beispiel bei der Davert-Mühle in Senden. Die Milch kam von regionalen Höfen.

Ralf: 1992 sind wir umgezogen – nur ein paar Häuser weiter und haben uns auf 90 Quadratmeter vergrößert. Fünf Jahre später konnten wir an gleicher Stelle auf 145 Quadratmeter erweitern. Als dann 2015 ein Outdoor-Laden zugemacht hat, haben wir alles auf eine Karte gesetzt, Kredite aufgenommen und sind da eingezogen. 2016 haben wir auf 560 Quadratmetern Eröffnung gefeiert. Das werden wir nie vergessen.

Blick in den Laden: Hier bleibt kein Bio-Wunsch unerfüllt.

Was war der schlimmste Moment in Eurem Ladnerleben?

Ralf: Ganz am Anfang haben wir plötzlich gemerkt, dass wir betriebswirtschaftlich keine Ahnung hatten. Unsere Eltern haben uns mit Privatdarlehen geholfen. Klaus Braun und seine Beratung waren dann sehr hilfreich.

Was sind das für Leute, die bei Euch einkaufen?

Nanni: Die Region ist eher ländlich strukturiert; heute hat Lingen 56.000 Einwohner. Die Kunden kommen quer aus allen Gesellschaftsschichten. Im vergangenen Jahr konnte man nicht mehr ins Restaurant gehen, da hat man das Geld dann eben im Bioladen ausgegeben. Viele kamen zum ersten Mal in die Kornblume, weil sie jetzt die Zeit dafür hatten.

Was ist das Besondere an der Kornblume? Warum geht Ihr da jeden Tag gerne hin?

Ralf: Wir fühlen uns im Laden genauso wohl wie offenbar auch unsere Kunden. Das ist unser zweites Zuhause. Ich mag das schöne Licht hier. Und ich mag den Kontakt zu netten Menschen.

Nanni: Hier kann man sich verwirklichen, Ideen umsetzen. Der familiäre Charakter ist uns sehr wichtig. Wir sind einfach ein Supermarkt mit guten Produkten. Unsere Kunden wollen wir persönlich und kompetent beraten und ein offenes Ohr für jeden haben. Wir wollen mehr als andere auf Kundenwünsche eingehen, das Besondere bieten. Dadurch haben wir eine große Sortimentstiefe. Die Käsetheke ist zum Beispiel noch besser geworden: Wir haben da jetzt noch mehr Spezialitäten. Auch besondere Gemüsesorten, besonderes Fleisch, hochwertige Spirituosen sind uns wichtig. Die Leute haben – auch durch den Lockdown – mehr Lust am Kochen bekommen.

Wir sind einfach ein Supermarkt mit guten Produkten.

Nanni Brinker, Kornblume, Lingen

Wie wichtig ist Euch Regionalität?

Nanni: Zu Beginn eines jeden Jahres besprechen wir mit allen, die im Laden arbeiten, was im kommenden Jahr wichtig ist. Und für 2021 haben wir Regionalität zu unserem großen Jahresthema gemacht. Wir haben die regionalen Partnerschaften nochmal intensiviert. Zum Beispiel gibt es jetzt zwei zusätzliche Gemüsebauern, die uns beliefern. Wir haben noch mehr regionalen Käse, zum Beispiel vom Engelhof aus Papenburg. Und eine regionale Bäckerei backt exklusiv für uns das „Kornblumenbrot“. Im Mai wollen wir vor dem Laden an einem Samstag einen regionalen Markt veranstalten, auf dem sich regionale Bio-Firmen und -Bauern präsentieren können. Unsere Kunden achten sehr aufs Etikett und fragen: „Wo kommt‘s her?“

Bei der Verpackung geht Ihr auch neue Wege.

Nanni: Ja, an der Käsetheke bieten wir nicht nur Standard-Käsesorten und Spezialitäten an, sondern auch acht selbst gemachte Frischkäse-Sorten. Die verpacken wir in verschieden große Weck-Gläser, die die Kunden wieder zurückbringen können.

Gibt es besondere Geschichten aus dem Ladenalltag?

Nanni: Während des Lockdowns, als Hefe und Mehl selten waren, kam eine Frau mit einigen Tüten Weizenmehl zur Kasse und fragte, warum denn das Mehl so teuer sei. Ich meinte, 1,99 Euro fürs Kilo sei doch nicht so teuer. Die Kundin sagte, am Regal sei aber ein Preisschild, dass das Mehl 10,49 Euro kostet. Die Falschauszeichnung war ein Fehler einer Aushilfskraft. Trotzdem hatte die Kundin fünf, sechs Pakete im Einkaufswagen. Wir haben dann kurz darüber nachgedacht, ob unsere Preise nicht zu niedrig sind (lacht).

Wie habt Ihr Euch während der Corona-Pandemie behauptet?

Nanni: Eigentlich wollen wir ja ein Eventladen sein, das ist schwierig in Corona-Zeiten – ohne Events im Laden (lacht). Aber unsere Söhne Vincent und Simon haben mit digitalen Weinproben begonnen. Sie saßen im Laden mit einem Winzer oder einem anderen Weinfachmann in Ohrensesseln und die Kunden waren per Chat über Youtube, Facebook und Instagram zugeschaltet. Dann wurden die vorher gekauften Weine probiert. Bei den Weinproben waren bis zu 250 Leute gleichzeitig online dabei. Das machen wir auf jeden Fall weiter. Mit Kosmetik planen wir etwas Ähnliches: einen „Fühlen & Erleben“-Abend. Das Probierpaket – womöglich mit Prosecco – kann dann vorher im Laden gekauft werden.

Ralf: Und unsere Söhne haben im vergangenen Jahr einen Web-Shop aufgebaut: Ein extra angeschafftes Lieferfahrzeug fährt zweimal die Woche im Umkreis von 40 Kilometern die online vorbestellte Ware aus. In diesem Jahr werden wir noch ein Elektro-Lastenfahrrad anschaffen, um dann in der Innenstadt umweltgerecht auszuliefern.

Zur Kornblume gehört auch ein Bistro, das während des Lockdowns schließen musste.

Ihr seid auch sehr rührig im Internet.

Ralf: Ja, das machen unsere Kinder und jungen Mitarbeiter sehr gut. Bei Facebook haben wir schon fast 2.000 Follower. Bei Instagram sind wir auch, ein Koch-Blog soll bald entstehen.

Wo steht die Kornblume in ein paar Jahren?

Ralf: In der Lockdown-Zeit haben Nanni und ich gelernt, dass wir ersetzbar sind, wir konnten tatsächlich auch mal loslassen. Zum ersten Mal haben wir uns mal freie Samstage gegönnt – und es lief alles. Unsere Söhne Vincent und Simon werden den Laden in unserem Sinn – und mit ihren guten, neuen Ideen – weiterführen. Das freut uns und die anderen 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr.

Ladenporträt im Video

Quelle: Youtube / Schrot & Korn

Zahlen – Daten – Fakten

Inhaber: Nanni und Ralf Brinker

Adresse: Kivelingstraße 10, 49808 Lingen

Öffnungszeiten: Mo-Fr 8:30-18:30, Sa 8:00-14:00 Uhr

1987: Eröffnung auf 56 Quadratmeter

1992/1997: Umzug in 90-Quadratmeter-Laden / Vergrößerung auf 145 Quadratmeter

2016: Umzug in 560-Quadratmeter-Laden inkl. Bistro

Produkte: 7.500

Anzahl Mitarbeiter: 15

Großhändler: Weiling

Webseite: www.kornblume-lingen.de

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