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Ladenportrait

Hofgemeinschaft Biotal: Ein Hofladen als Erlebnisort

Der Eselsburger Hofladen ist ein ökologischer Traum aus Stroh, Holz und Lehm. Neben der einmaligen Architektur und einer großen Auswahl an Bio-Lebensmitteln aus nächster Nähe, gibt es auf dem Hof einiges zu entdecken.

29.10.2020 vonGudrun Ambros

Offen, hell und mit viel Holz lädt der Hofladen zum Einkaufen und Wohlfühlen ein.

Der Eselsburger Hofladen ist ein ökologischer Traum aus Stroh, Holz und Lehm. Neben der einmaligen Architektur und einer großen Auswahl an Bio-Lebensmitteln aus nächster Nähe, gibt es auf dem Hof einiges zu entdecken.

Traumhaft ist allein schon die Lage: Hofladen und Bauernhof der Hofgemeinschaft Biotal liegen am Rande eines Naturschutzgebiets der Ostalb, dem Eselsburger Tal. Wasserbüffel und Rinder des Biotal-Hofs grasen in der Flusslandschaft. Schafe und Ziegen beweiden und pflegen die Hänge der Wacholderheide. Wer mag, kann hier spazieren gehen, wandern oder Kanu fahren. Der Hofladen wird dann zum Ausgangspunkt oder zur Zwischenstation. Wer mindestens einen Tag im Voraus bestellt, für den steht hier ein Picknickkorb bereit.

Alternativ werden Laden und Bauernhof zum Erlebnisort. Kinder können hier Kälbchen, Katzen und vielleicht sogar einen Esel streicheln und schauen, wie die Kühe leben. Der Biotal-Hof ist einer von 290 bundesdeutschen Öko-Demonstrationsbetrieben. Führungen für Kinder und Erwachsene geben Einblick in modernen Ökolandbau.

Der Bauernhof ist auch ein Erlebnisort, an dem die Besucher schauen können, wie die Tiere leben (unten).

Vorzeigeobjekt für ökologisches Bauen

Und wer sich für ökologisches Bauen interessiert, findet hier ein Vorzeige-Projekt. Fünf Jahre hat es gedauert, bis der Biotal-Hofladen im vergangenen November eröffnet wurde. Er sollte etwas Besonderes werden, ein durch und durch ökologischer Bau. Und tatsächlich: 70 Prozent der natürlichen Baustoffe stammen aus einem Umkreis von 30 Kilometern.

Für die Wände und das Dach wurden große Strohballen übereinandergestapelt und mit mehreren Lagen Lehm verputzt. Rundhölzer aus von Hand bearbeiteten Baumstämmen stabilisieren die Wände und das Dach. Der Entwurf stammt vom Graubündner Architekten Werner Schmidt.

Fast alles andere hat die Hofgemeinschaft selbst in die Hand genommen, allen voran der Agraringenieur Christoph Bosch und sein Schwager, der Zimmermannsmeister Tobias Grund, den die Gemeinschaft für den Zeitraum des Bauens angestellt hatte. Insgesamt hätten sich 100 Menschen am Bau beteiligt, berichtet Bosch, darunter auch Praktikanten, Schüler und Rentner.

Optimale Isolierung und umweltfreundliche Kühlanlage

Lehm, der Feuchtigkeit aufnimmt und abgibt, schafft ein angenehmes Raumklima. Und die 1,20 Meter dicken Strohballenwände haben im vergangenen milden Winter so gut isoliert, dass es noch nicht einmal nötig war, die Abwärme der Kühlung zum Heizen zu nutzen, so wie es eigentlich vorgesehen war.

Die Kühlanlage basiert auf Propan, das als umweltfreundliche Alternative zu synthetischen Kältemitteln gilt. Das Propan lagert außerhalb des Gebäudes. Es kühlt Sole, die die Kälte in das Innere des Gebäudes leitet. Abwärme wurde also bislang nur benötigt, um Warmwasser zu gewährleisten. Energie erzeugt unter anderem eine Gülle-Biogas-Anlage. Und die Photovoltaik auf dem Vordach wird wohl „ein Viertel bis ein Drittel des Energiebedarfs des Hofladens decken“, schätzt der Agraringenieur.

Produkte von nebenan

Fast die gesamte Fläche des Erdgeschosses, 240 Quadratmeter, ist für den Verkauf reserviert. Regale, Theken, Möbel und auch die Kasse sind aus Holz und selbst geschreinert. Beim Reinkommen empfängt die Kunden gleich die Obst-und-Gemüse-Theke. Hier werden sie bedient. „Das ist jetzt in der Corona-Zeit besonders praktisch“, merkt Christoph Bosch an.

Salat stammt aus eigenem Anbau, regionales Gemüse von einem Bioland-Bauern aus dem 20 Kilometer entfernten Gundelfingen, Kartoffeln und Eier liefert ein Bauer aus dem Nachbarort. Der Apfelsaft ist ein Produkt der hofeigenen Streuobstwiesen. In den Kühlregalen stehen Milch, Quark und Joghurt aus der hofeigenen Molkerei, außerdem Wurst im Glas von den eigenen Tieren.

Zum Hof gehört auch eine eigene kleine Milchverarbeitung.

Auch Käse- und Fleischtheke liefern aus Eigenproduktion – nur das Schweinefleisch wird zugekauft. Freitags und samstags kommen nicht nur die Kunden aus dem näheren Umkreis und die Touristen, sondern auch Kunden aus den größeren Städten der Umgebung, aus Aalen und Ulm.

Kornkreis als wichtiger Partner

Albleisa, eine traditionelle Linsensorte, stammt von Herstellern auf der Schwäbischen Alb. Getreide, Mehl und Nudeln sind Produkte der Erzeugergemeinschaft Kornkreis, der die Hofgemeinschaft Biotal schon seit vielen Jahren angehört. Zum Kornkreis haben sich 50 Landwirte aus der Region Oberschwaben, Schwäbische Alb und Ostalb zusammengeschlossen.

Wer den Hofladen beliefert, sehen Kunden auf großformatigen Fotos, die an Säulen und Wänden verteilt sind. Verpackungsfrei gibt‘s Quark und Joghurt – die Bins für Getreide, Hülsenfrüchte und Frühstückscerealien stehen auch bereit und müssen nur noch befüllt werden.

Auf großen Fotos werden die Lieferanten der Produkte im Laden vorgestellt.

Großer Traum Bistro mit Café

Ein Blick nach oben zeigt in der Mitte viel Luft, Dachhölzer und große Oberlichter. Rechts führt eine Wendeltreppe ins Café, das auf einer breiten Empore platziert ist. Geradeaus, im Anschluss an die Verkaufsfläche ist ein Wintergarten entstanden, mit aufgearbeiteten Second-Hand- Fenstern und Tischen aus unterschiedlichen Hölzern der Region.

Bistro mit Café, das war ein großer Traum, den sich die Hofgemeinschaft mit dem neuen Laden erfüllen wollte. Momentan finden Gäste hier aber nur kleine Snacks zum Mitnehmen, die sie auf der mit Tischen und Stühlen bestückten, überdachten Veranda vor der Tür genießen können. Das gilt auch für den selbstgemachten Frozen Joghurt, für die Donnerstags-Pizza und die Freitags-Burger. Wie sich die Caféplätze innen in Corona-Zeiten sicher nutzen lassen, ist noch nicht ausdiskutiert.

Vom Verkaufsbus zum Hofladen

Ein wichtiges Standbein der Hofgemeinschaft ist das Milchmobil, das zweimal pro Woche neben Mopro auch Kartoffeln und Apfelsaft, Mehl, Lupinenkaffee und Cerealien ausliefert. Die Hofgemeinschaft hat in vier Gas-Caddies, zwei Elektroautos und einen Diesel-VW Bus mit Kühlung investiert und bei fünf Touren ist ein guter Teil der Belegschaft mit dem Ausliefern beschäftigt. Die Abnehmer können ein Abonnement einrichten oder individuell online bestellen.

Es ist wichtig, die Wertschöpfung in der Region zu halten.

Christoph Bosch, Hofgemeinschaft Biotal

Einen größeren alten Bus gab es schon seit Anfang der 90er Jahre. Der wurde einmal die Woche aus der Scheune gefahren und diente als erster Hofladen. Das Sortiment weitete sich aus, bald war der Bus zu klein und die Gemeinschaft baute einen alten Stall zum Hofladen aus. Einige Jahre später folgte nebenan eine kleine Milchverarbeitung und jetzt ist gegenüber der neue Hofladen entstanden.

Aktuell mehr Familienbetrieb als Hofgemeinschaft

Wichtig war und ist den Betreibern zwar zunächst das ökologische Wirtschaften. Aber, es gelte auch, die Wertschöpfung in der Region zu behalten, sagt Christoph Bosch. Und kurze Wege zur Kundschaft schonen die Umwelt. Der 36-jährige Agraringenieur hat zwar die Führung durch den Laden übernommen, vertritt damit aber eine Gemeinschaft von derzeit fünf Personen: Hans und Ingeborg Bosch, seine Eltern, und Marianne Eßlinger, die zu den Gründern gehören. Mit dabei ist auch Christoph Boschs Ehefrau Tabea Bosch.

Bei der Gründung 1986 waren es drei Höfe gewesen, die von da an gemeinsam entscheiden und wirtschaften wollten. „Ein gutes Projekt“, findet Christoph Bosch. Man könne Aufgaben und Verantwortung teilen, sich gegenseitig vertreten, Urlaub wurde möglich, freie Wochenenden.

Die freien Wochenenden beschränken sich derzeit auf die Sonntage, aber die junge Familie Bosch hat ihren Jahresurlaub dieses Jahr bei La Selva in der Toskana verbracht und dabei nebenher einen ihrer Lieferanten direkt kennengelernt. Momentan sei die Hofgemeinschaft ja eher ein Familienbetrieb, räumt Christoph Bosch ein. Aber noch im Sommer soll eine Familie dazukommen. Zunächst auf Anstellungsbasis, aber mit der Option, in die Hofgemeinschaft Biotal einzusteigen.

Zahlen, Daten, Fakten

  • Gesellschafter: Marianne Eßlinger, Hans und Ingeborg Bosch, Christoph und Tabea Bosch
  • Adresse: Biotal Eselsburg GbR, Talstraße 23, 89542 Eselsburg
  • Öffnungszeiten: montags bis freitags 8.30 bis 18.30 Uhr, samstags 7.30 bis 16.00 Uhr
  • 1987: Bioland-Bewirtschaftung
  • 1991: Gründung Hofgemeinschaft
  • 1995: erster Hofladen in altem Stall
  • 2001: Start mit Milchverarbeitung und Lieferservice
  • November 2019: Eröffnung neuer Hofladen: 240 qm reine Verkaufsfläche zzgl. Wintergarten und Bistro Mitarbeitende: 40 (37 Frauen, 3 Männer von Mini- bis 30-Stunden-Job)
  • Mitarbeitende insgesamt Hofgemeinschaft: 63 (42 Frauen, 21 Männer); Schwerpunkt Milchmobil
  • Großhändler: Rapunzel, Weiling, Paxan

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