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Weniger ist mehr: Diese Vorteile bieten Ökotabs und -spülmittel

Hand- und Maschinenspülmittel aus dem Bio-Fachhandel stehen für umweltfreundliche Sauberkeit. Vielen Kunden ist das noch nicht so klar. Wie sich das ändern lässt und warum sich auch ein schlankes Sortiment lohnt.

Hand- und Maschinenspülmittel tragen zwar nur mit 0,14 Prozent zum Umsatz eines durchschnittlichen Bioladens bei, hat Marktforscher Fabian Ganz von bioVista berechnet. Aber gerade mit diesem Sortiment lässt sich zeigen, dass die Spezialisten in Sachen Öko mehr für die Umwelt draufhaben als Drogeriemärkte und Lebensmitteleinzelhandel. Spülmittel sind pflegeleicht. Die im Schnitt 52 Produkte, die pro Monat aus den Regalen zu den Kassen wandern, schlucken nicht viel Arbeitszeit fürs Wiederauffüllen. Gesparte Zeit, die sich anders investieren lässt.

Umsatzentwicklung für Spülmittel pro Laden in Euro

Vorteile von Öko-Spülmittel klar kommunizieren

„Was kann der Fachhandel tun, um sich mit seinem Sortiment gegenüber den Drogeriemärkten abzusetzen?“ fragten wir Sonett-Geschäftsführerin Rebecca Kramer. „Es ist wichtig, die ökologischen Vorteile unserer Spülmittel klar zu kommunizieren“, war ihre Antwort. Wer als Mitarbeiter oder Händlerin etwas Zeit investiert und sich in die Infobroschüre des Unternehmens vertieft, kann viel erfahren: über das ökologische Spülen und Verkaufsargumente. Auch die Website bietet grundlegende Informationen, etwa zur Abbaubarkeit von Spülmitteln. Dort und auf den Produkten sind alle Inhaltsstoffe deklariert und ihre deutschen Namen aufgeführt, und es wird erklärt, welche Aufgaben diese in der Rezeptur übernehmen.

Ähnlich transparent sind Everdrop und Ooohne mit ihren kommentierten Erklärungen zu den Inhaltsstoffen. Auch Kritisches wird nicht verschwiegen. Beispielsweise, dass sich Pulverhandspülmittel unter 16 Grad noch nicht optimal auflöst. Auf konventionellen Produkten finden Kunden in der Regel nicht mehr als die Pflichtdeklaration, in der nicht einmal alle Inhaltsstoffe aufgeführt werden müssen.

Bei Sonett können Händler Aktionstage und Mitarbeiterschulungen buchen. Beratung und Schulungen bietet auch der Außendienst von AlmaWin/Klar. Mit konkreten Fragen können sich Ladner wie Kundinnen direkt an die Hersteller wenden. Eine klassische Kundenfrage ist übrigens die nach Spülmitteln für empfindliche, allergiegestresste Haut. Gut, wenn die Mitarbeiterin weiß, welche Produkte sie empfehlen kann und welche in dieser Hinsicht speziell getestet wurden.

Einen besonderen Tipp hat Claudia Schöneweiß-Akin in petto. Die Mitarbeiterin im Markting bei AlmaWin/Klar empfiehlt die zehnminütige Lach- und Sachgeschichte über die Spülmaschine aus der Sendung mit der Maus: „Angucken!“ rät sie. „Dann weiß man, wie sie funktioniert – und kann Fehler besser orten.“ Dabei ist AlmaWin/Klar selbst auch ganz fit, was das lockere Präsentieren von Tipps und Informationen angeht. Händler können dort Spülfibeln bestellen, die allerlei „Was tun, wenn-Fragen“ zum Umgang mit der Spülmaschine beantworten. Zur Weitergabe an die Kundschaft.

Zwischenstopps am Regal dank schlankem Sortiment, Neuheiten und Zubehör

Eine ansprechende Präsentation im Regal kann zu einem Zwischenstopp inspirieren. „Wir haben gute Erfahrungen mit Sortimentsgruppierungen gemacht“, sagt Rebecca Kramer. „Außerdem lohnt sich die Konzentration auf wenige Marken. Das gibt ein klareres Bild für die Kund:innen.“ Wer weitere Hinweise zur Anordnung und Präsentation wünscht, kann sich vom Außendienst von Sonett oder von AlmaWin/Klar beraten lassen. Wenn genügend Raum für eine Zweitplatzierung da ist, unterstützen Hersteller wie Everdrop oder AlmaWin/Klar mit Displays.

Gelegentlich bringt auch Überraschendes die Kundschaft dazu, bei den Spülmitteln stehenzubleiben. Eine neue Marke wie Kluuk, das Spülpulver von Sodasan im Pappbecher, oder die junge Marke Ooohne, die pulvrige Spülmittelkonzentrate in Mini-Sachets oder Papierbeutel abfüllt. Vielleicht zieht auch Beiwerk Blicke auf sich: Pumpspender, Weißmetalldosen zum Aufbewahren von Pulver oder von Tabs. Ausprobieren lassen ist erfahrungsgemäß einer der besten Wege, Kundschaft zu überzeugen. Produktproben stellen beispielsweise Almawin/Klar, Lavasan oder Sonett zur Verfügung.

Tipps von der Kollegin

Maja Volkmann Inhaberin und Geschäftsführerin Neues Grün, Unna (140 Quadratmeter)

  • Wir führen die drei großen Marken – Sonett, Sodasan und AlmaWin – dabei bieten wir nicht nur kleine, sondern auch große Flaschen, Spender und Nachfüllpackungen sowie Konzentrate an. Damit lässt sich Verpackungsmüll sparen.
  • Es ist schön, eine Auswahl an verschiedenen Düften zu präsentieren, damit der Kunde wählen und variieren kann. Wer empfindliche Haut hat, greift oft zum Sensitiv-Produkt. Die Kundschaft ist bei Spülprodukten sehr markentreu. Was funktioniert, wird wieder gekauft.
  • Wir sind ein kleiner Bioladen – Displays nehmen zu viel Platz weg. Lieber gestalten wir einen Aufbau für den Frühjahrsputz, wenn viele Putzmittel gekauft werden. Da kombinieren wir Bürsten und Schwämme dazu. Zweige mit Blüten und jungem Grün, beispielsweise von Kirsch- oder Apfelbäumen, schaffen einen frischen und lebendigen Eindruck.

Basiswissen Spülmittel

Öko-Spülmittel sind anders. Egal ob Maschinen- oder Handspülmittel – sie riechen eher dezent oder gar nicht, die Flüssigen sind meistens einfach farblosdurchsichtig. Pulver oder Tabs präsentieren sich oft in schlichtem Weiß, ähnliches gilt für die Kunststoff-Flaschen. Diese Reduziertheit in der Performance deckt sich mit der Zurückhaltung, was Inhaltsstoffe angeht und spiegelt eine Grundeinstellung der Ökos.

Denn viele Stoffe, die wie Tenside beim Reinigen helfen, müssen in Kläranlagen wieder aus dem Wasser entfernt werden, weil sie der Umwelt, insbesondere den Lebewesen im Wasser schaden. Das bedeutet: Spülmittel sollten prinzipiell möglichst sparsam verwendet werden. Und sie sollten möglichst gut abbaubar sein und besonders schädliche Stoffe nicht enthalten. Allgemeingültige Regeln für besonders umweltfreundliche Wasch- und Reinigungsmittel analog zur EU-Ökoverordnung für Lebensmittel gibt es nicht. Und Namen wie Nature oder Pro Natur sind ebenfalls keine Öko-Garanten.

Doch der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) hat zusammen mit Naturkost Süd Sortimentsrichtlinien für Bioläden erstellt. Demnach gelten die Öko-Labels NCP (Nature Care Product), EcoGarantie und EcoCert als vertrauenswürdige Orientierungshilfe für Ladnerinnen und Kunden in Sachen um- weltfreundliche Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel. Diese Labels legen beispielsweise fest, dass im Produkt eingesetzte organische Substanzen leicht biologisch abbaubar sein sollen, wie beispielweise Zuckertenside. Inhaltsstoffe dürfen nicht auf Basis von Petrochemie hergestellt sein – es gibt nur eine Handvoll Ausnahmen für Stoffe, die sich nicht gut ersetzen lassen. Und Gentechnik ist tabu. Als besonders streng gilt das NCP-Label. An dessen Regeln halten sich die Hersteller von Sodasan, Sonett und Kluuk.

Saubere Sache

Handspülmittel

Die Hauptzutat sind Tenside, die die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen und damit Schmutz und Fett lösen. Weitere Hauptinhaltsstoffe: Wasser und eventuell ätherische Öle für den Duft.

Maschinenspülmittel

Damit es optimal reinigt, muss es mit Klarspüler und Salz zusammenarbeiten. Hauptbestandteile sind basische Reiniger, Bleichmittel für stark färbende Essensreste und Enzyme, die Stärke und Eiweiß entfernen.

Klarspüler

Er setzt die Oberflächenspannung des Wassers herab, sodass es besser vom Spülgut abfließt und keine Flecken hinterlässt. Hauptbestandteile sind Tenside, Säuren und ein Konservierungsmittel, meist Alkohol.

Regeneriersalz

Es ist unersetzlich, damit die Enthärtungsanlage der Spülmaschine funktioniert. Im Ionentauscher werden Calcium- und Magnesiumionen gegen die Natriumionen aus dem Salz getauscht – das Wasser wird weich und reinigt besser.

Reiniger

Tenside und Zitronensäure entfernen Kalk und Gerüche, Schmutz und Fett aus dem Innenraum der Maschine. Das verlängert ihre Lebenszeit. Zitronensäure entzieht Bakterien die Lebensgrundlage.

Öko-Inhaltsstoffe und Reinigungsleistung

Umweltfreundliche Spülmittel verzichten auf Tenside aus der Erdölchemie und setzen stattdessen leicht abbaubare pflanzliche waschaktive Substanzen ein. Anstelle umweltschädlicher Konservierungsmittel wie Isothiazolinone verlängern bei den Ökos Alkohol, Zitronensäure oder Milchsäure die Haltbarkeit flüssiger Spülmittel oder Klarspüler. Verzichtet wird auf bleichende Phosphonate, die Gewässer aus dem Gleichgewicht bringen. Sie reinigen ohne Benzotriazol, das Silberbesteck vor Flecken schützen soll, aber gleichzeitig im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Potenziell gesundheits-und umweltschädliche synthetische Duftstoffe ersetzen Öko-Hersteller durch pflanzliche ätherische Öle. Kunden, die meist aus gesundheitlichen Gründen ganz auf Duftstoffe verzichten wollen, finden in den Spülmittel-Regalen der Naturkostläden reichlich Auswahl: bei Klar, Lavasan, Memo, Planet Pure, Sodasan und Sonett. Einige Handspülmittel durchlaufen eine spezielle dermatologische Prüfung auf Hautverträglichkeit.

Bei einschlägigen Tests kamen Öko-Maschinenspülmittel, was die Reinigungskraft angeht, oft nicht besonders gut weg. Sonett-Geschäftsführerin Rebecca Kramer erklärt: „Wer sich auf rein pflanzliche und mineralische Inhaltsstoffe beschränkt, ist darauf angewiesen, dass der Ionentauscher der Spülmaschine, der das Wasser enthärtet, gut arbeitet und optimal auf die örtliche Wasserhärte eingestellt ist.“ Dann kämen ökologische Maschinenspülmittel gut mit normalen Verschmutzungen zurecht. Inzwischen hat sich das Blatt bei den Tests gewendet: Everdrop wurde Anfang 2024 mit seinen Spülmaschinentabs sogar bei der Stiftung Warentest zum Testsieger gekürt.

Was Kunden wissen wollen

  • Wie lang hält sich Maschinenspülmittel? Viel Feuchtigkeit und Wärme können mit der Zeit die Leistung von Bleiche in Maschinenspülmitteln mindern, allerdings ist der Wirkverlust minimal. Dennoch sollte Pulverspülmittel trocken und bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden. Vor allem, da manche nur mit Papier oder Pappe verpackt sind.
  • Mit Maschine oder von Hand? Studien belegen, dass Spülmaschinen durchschnittlich halb so viel Wasser und ein Drittel weniger Energie verbrauchen als Von-Hand-Spüler. Wer den Dreh raus hat, kann im Spülbecken den Wasser- und Energiebedarf der Maschine unterbieten. Das kostet allerdings Zeit.
  • Pulver oder Tabs? Pulver lässt sich genauer dosieren, je nach Menge und Verschmutzungsgrad des Geschirrs und Härtegrad des Wassers. Damit kommt nicht mehr Chemie ins Wasser als unbedingt nötig. Tabs sind hingegen einfacher zu handhaben.

Verzicht auf Folie und plastikfreie Konzentrate

Ein wesentliches Argument, das für die Spültabs von Everdrop spricht, ist der vollständige Verzicht auf Folie beim Verpacken der Tabs. Sie sind ganz ohne Drumrum platzsparend in Kartons geschichtet. Everdrop verwendet auch Inhaltsstoffe auf Erdölbasis, wenn das Unternehmen dafür zwingende Gründe sieht. Der Bleicheaktivator TAED etwa basiert auf Petrochemie, sei aber aktuell schwer durch natürliche Stoffe zu ersetzen.

Newcomer wie Everdrop oder Ooohne sammeln Nachhaltigkeitspunkte mit Konzentraten, die darüber hinaus plastikfrei oder fast plastikfrei verpackt werden können. Ooohne füllt Maschinenspülpulver in Tüten aus Kraftund Pergamentpapier, die im Altpapier entsorgt werden können. Andere Pulver mit höherer Nässeempfindlichkeit finden Platz in Sachets oder Beuteln, die noch minimale Plastikanteile enthalten. Die pulvrigen Konzentrate sparen Verpackung und Transportenergie, weil sie erst daheim unter Zugabe von Leitungswasser zu flüssigen Spülmitteln oder Klarspülern werden.

Konzentrate finden sich auch bei Herstellern, die den Markt schon lange bedienen: beispielsweise bei Auro. Oder bei Sodasan. Die Spül- und Waschmittel-Ökopioniere bieten seit zwei Jahren Handspülpulver im Pappbecher an: „Die ungewohnte Anwendung ist eine Herausforderung für die Verbraucher:innen. Aber wir kommen mit diesem innovativen Produkt ganz ohne Plastik aus,“ kommentiert Marketing-Managerin Claudia Tiede. Das neue Spülmittel der Marke Kluuk, einem Tochterunternehmen von Sodasan, ist ein Erfolg: mit schlichtem zeitgemäßem Design und vergleichsweise preisgünstig. Der günstigere Preis sei unter anderem auf geringere Verpackungskosten und Reduzierung der Spannen auf allen Handelsebenen zurückzuführen.

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