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Dekorative Kosmetik

Weshalb Öko-Wimperntusche besser für die Augen ist

Mascara lässt die Wimpern voller, länger und dichter aussehen. Produkte mit naturkosmetischen Inhaltsstoffen sind zudem gut verträglich und pflegend.

19.07.2021 vonAstrid Kramer-Wahrenberg

Volle und lange Wimpern wünschen sich Kundinnen auch von naturkosmetischen Produkten.

Mascara lässt die Wimpern voller, länger und dichter aussehen. Produkte mit naturkosmetischen Inhaltsstoffen sind zudem gut verträglich und pflegend.

Foundation, Lippenstift oder Rouge auflegen, dafür nehmen sich in der Corona-Krise viele keine Zeit mehr. Warum sich stylen, wenn einen hinter der Maske niemand sieht. Das sieht beim Augen-Make-up anders aus. Davon profitiert Wimperntusche, die generell zu den unverzichtbaren Schminkartikeln im Kosmetiktäschchen gehört. In den Behältern dominieren die Farben Schwarz und Braun, einige wenige Naturkosmetikhersteller haben Blautöne im Sortiment. Ähnlich wie im konventionellen Kosmetikmarkt bietet Naturkosmetik eine breite Auswahl in puncto Effekt.

Laverana hat beispielsweise sechs schwarze Mascara im Sortiment, bei Benecos sind es sieben und bei der Schwestermarke GRN vier vegane Tuschen. Ausgelobt sind etwa Länge (Super Long Lashes), Volumen (Extreme Volume), Schwung (Curl and Curve) oder die Definition selbst kleinster Wimpernhärchen vom Ansatz bis zur Spitze (Definition). Der Unterschied sei – neben veganen und nicht veganen Texturen – das Zusammenspiel von Mascara-Masse, dem Abstreifer und dem Bürstchen, sagt Laura Krausmann, von Marketing Cosmondial.

Allein die Bürstchentechnologie ist eine Wissenschaft für sich, die Firmen häufig mit Patenten schützen. Aus welchem Material der Applikator besteht (z.B. Gummi, Kunstfaser), wie und wie dicht die Bürsten angeordnet sind, wie fein oder unterschiedlich geformt sie sind – davon hängt entscheidend ab, wie die Farbpaste auf die Wimpern gleitet, einzelne Wimpern trennt und formt und wie dick der Farbauftrag ausfällt. Der Abstreifer im Flakonschaft reguliert die Mascara-Menge, die beim Herausziehen auf dem Bürstchen bleibt. Rezeptur und Applikator sind immer auf das gewünschte Ergebnis zugeschnitten. Natürlich kommt es auch auf die individuelle Beschaffenheit der Wimpern an, also etwa ob sie kurz, lang, eher fest, zart oder gebogen sind.

Die Anfänge des Mascaras

Die erste gebrauchsfertige Mascara kam um 1917 auf den Markt. Es handelte sich um einen festen, schwarzen Block aus Kohlenstaub und Fett. Die Farbe wurde mit einer feuchten Bürste abgerieben und auf die Wimpern aufgetragen. Feste Wimperntusche, sogenannte Cake Mascara, gibt es bis heute, allerdings nicht in naturkosmetisch zertifizierter Qualität. Die erste wasserfeste Mascara stellte Helena Rubinstein auf der New Yorker-Weltausstellung 1939, publikumswirksam präsentiert von einem Wasserballett, vor. Die cremige Tusche in der Aluminiumtube trug man seinerzeit mit einem gerollten Papier auf die Wimpern auf. 1958 kam Mascara dann im Flakon mit Bürstchen auf den Markt.

Wertvolle Inhaltsstoffe

Die Rezeptur der cremigen oder pastösen Mascara-Masse enthält Wasser, seltener auch Hydrolate oder Aloe Vera-Saft sowie Wachse, natürliche Butter wie Bienenwachs, Candelillawachs und/oder Sheabutter, die die Wimpern umhüllen. Vegane Varianten verzichten auf tierische Wachse. Die Naturstoffe sind zugleich eine wertvolle Pflege für die zarten Wimpernhärchen. Das leisten auch die enthaltenen pflanzlichen Öle wie Jojobaöl, Sanddornöl oder Heilpflanzenauszüge. Damit sich wässrige und ölige Phase nicht trennen, geben die Hersteller Fettalkohole und/oder Lecithin hinzu.

Die Textur lenken Verdicker und Gelbildner wie Xanthan Gum, das von Algen stammende Algin, oft auch weiße Tonerde (Kaolin). In Volumen- oder sogenannter Fiber-Mascara sollen zugesetzte Fasern die Wimpern ummanteln, verdichten und optisch verlängern. Konventionelle Texturen enthalten etwa Kunstseide, Nylon oder Viskose. Lavera setzt auf Bambusfasern. Wer empfindliche Augen hat, oder Kontaktlinsen trägt, sollte aus Sicht von Augenärzten jedoch auf solche Produkte grundsätzlich verzichten, da die Fasern ins Auge rutschen könnten.

Empfehlenswert für empfindliche Augen sind außerdem die duftstofffreien Formulierungen im Naturkosmetiksortiment. Damit die Inhaltsstoffe nicht verderben, setzen die Hersteller auf Konservierer wie Alkohol, das aus pflanzlichen Quellen stammende Vitamin E, Anissäure, Benzoesäure und/oder ätherische Öle. Gewöhnlich beträgt die Haltbarkeit der Tuschen sechs Monate. „Weil die Augen aber sehr empfindlich sind, empfehle ich meinen Kundinnen, angebrochene Mascara sicherheitshalber nach drei Monaten zu entsorgen“, sagt Make-up Artistin Theresa Schütz, die im eigenen Studio in Frankfurt am Main arbeitet.

Alltagstauglich und gut verträglich

Wasserfeste Mascara findet sich im naturkosmetisch zertifizierten Sortiment nach wie vor nicht. Dieser Effekt gelingt nicht ohne die in Naturkosmetik verbotenen erdölbasierten Rohstoffe wie Paraffine, Silikone und anderen synthetische Polymere, darunter flüssiges Mikroplastik wie Nylon oder Teflon (PTFE). Sie sind schwer oder gar nicht in der Natur abbaubar und belasten Gewässer und Meere. In naturkosmetischer Tusche sorgen Filmbildner aus der Natur für Halt und Wischfestigkeit. Dazu gehören etwa Akaziengummi, Schellack, Rizinusöl, der Mehrfachzucker Pollulan oder Galactoarabinan, eine Substanz, die aus Lärchennadeln gewonnen wird.

In Zick-Zack-Bewegung aufgetragen, erwischt die Mascara auch feine Härchen.

Den Sprung in den Pool überstehen naturkosmetische Wimperntuschen zwar nicht. Moderne Formulierungen liefern aber im Alltag eine gute Performance ab, ohne zu verschmieren oder zu bröckeln. Das zeigen zufriedene Kundenstimmen in Online-Portalen, auf Hersteller-Seiten und in Mascara-Tests in Internet-Blogs. Gegenüber bombenfest haftenden konventionellen Wasserfesten hat die natürliche Variante außerdem den großen Vorteil, dass sie sich problemlos abschminken lässt, ohne spezielle Reiniger oder starkes Reiben, was empfindliche Augen und die zarte Haut drumherum reizt.

Ein weiterer Pluspunkt ist die gute Verträglichkeit der natürlichen Inhaltsstoffe am Auge sowie der Verzicht auf bedenkliche Substanzen, ohne die kaum ein konventionelles Produkt auskommt. Das belegt ein aktueller Ökotest vom Februar 2021. Von 18 Mascaras im Test konnten die Öko-Tester nur sechs mit „sehr gut“ empfehlen, allesamt Naturkosmetik-Marken. Ein naturkosmetisch zertifiziertes Drogerieprodukt fiel allerdings durch, aufgrund erhöhter Mengen an Arsen, das giftig und krebserregend ist. Dieser Problemstoff gerät über den mineralischen Farbstoff Eisenoxid in die Formulierung und steckte außerdem in einem konventionellen Produkt.

Inhaltsstoffe in konventionellen Produkten

Bemängelt wurden von Ökotest des Weiteren Paraffine, die krebserregende aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) enthalten können. In konventionellen Produkten gehört das chemisch-synthetisch hergestellte Fett neben Silikonen und Mikroplastik in allen Preisklassen zu den gängigen Inhaltsstoffen. Zum schlechten Abschneiden im Test führten weiter chemisch-synthetische Konservierer, darunter Propylparaben, das im Verdacht steht wie ein Hormon zu wirken und Butylhydroxytoluol (BHT).

Laut Ökotest gibt es Hinweise aus Tierversuchen, dass BHT die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt. Das Labor fand außerdem in einigen Produkten allergieauslösende Stoffe wie Formaldehyd/-abspalter und halogenorganische Verbindungen. Darüber gab aber nicht die INCI Aufschluss, sondern erst das Ergebnis der Laboruntersuchung. Es sei denkbar, dass diese Substanzen aus der Konservierung der Rohstoffe stammen, schreibt Ökotest.

Tipps von der Expertin

Theresa Schütz ist Naturkosmetikerin, Organic Hair- und Make-up-Artist. Sie betreibt gemeinsam mit ihrer Mutter das Naturkosmetikstudio Mainraum in Frankfurt/Main.

  • Damit nichts verschmiert, vor dem Tuschen das Augenlid mit transparentem Puder abpudern. Fixieren nach dem Tuschen: Dazu etwas Lidschatten mit den Fingerkuppen aufnehmen sanft auf den Wimpern andrücken.
  • Auf keinen Fall beim Entnehmen der Mascara mit dem Applikatorbürstchen im Flakon pumpen. Das bringt Luft in das Behältnis. Die Wimperntusche trocknet aus und wird krümelig.
  • Mascara in Zick-Zack-Bewegungen vom Wimpernkranz bis in die Spitzen auftragen. So erwischt man auch kleine, feine Härchen.
  • Verklebte Wimpern mit einem Wimpernbürstchen kämmen.
  • Vor dem Tuschen eine Wimpernzange verwenden. Das öffnet die Augen besonders und verstärkt den Tusch-Effekt.
  • Am Abend Wimperntusche grundsätzlich immer abschminken, damit die feinen Wimpernhärchen nicht brechen.

Hersteller und ihre Produkte

Dr. Hauschka

Defining Mascara (schwarz, braun, blau), Volume Mascara (schwarz, braun, plum)

Sante

Classic Volume Mascara (schwarz, braun), Mademoiselle Sensitive Mascara (schwarz), Big Lashes Mascara (schwarz), Natural Lash Lengthening Mascara (schwarz), Volume Sensation Mascara (schwarz), Fresh Cucumber Volume Mascara (schwarz)

Lavera

Intense Volumizing Mascara Black, Butterfly Effect Mascara Beautiful Black, Powerful Lashes Mascara Black, Natural Definition Mascara Black, Deep Darkness Mascara Intense Black, Volume Mascara (braun, schwarz)

Annemarie Börlind

Mascara (schwarz), Precision & Care Mascara Black, Long Lasting Volume Mascara Black

Cosmondial

Benecos: Mascara Glamour Look (schwarz), Mascara Super Long Lashes (schwarz), Mascara Adorable Lashes (blauschwarz), Mascara Maximum Volume (braun, schwarz), Mascara Vegan Volume (schwarz), Mascara Multi Effect (schwarz), Mascara Fun Size (schwarz)

GRN: Mascara All in One Black Jade, Mascara Curl and Curve Black Basalt, Mascara Long Lashes Black Onyx, Mascara Extreme Volume Black Granite

Dadosens

Mascara Black Hypersensitive

Marie W.

Wimperntusche 01 Rabenschwarz, Wimperntusche 02 Umbrabraun, Wimperntusche 03 Rabenschwarz lang und dicht

Inika

Long Lash Vegan Mascara (schwarz, braun), Bold Lash Vegan Mascara (schwarz, braun), Curvy Lash Vegan Mascara (schwarz, blau), The Mascara Certified Organic (schwarz, braun)

Und Gretel

Wint Mascara (schwarz, braun)

Living Nature

Mascara (schwarz, schwarzbraun)

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