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Warum ökologische Spezialwaschmittel in keinem Bioladen fehlen sollten

Nachhaltig Waschen ist in und das bietet Bio-Fachhändlern eine große Chance. Denn nur sie haben glaubwürdig zertifizierte Spezialprodukte im Regal stehen, deren Rezepturen sich von herkömmlichen Produkten unterscheiden. Doch das wissen längst nicht alle Kunden.

01.04.2021 vonLeo Frühschütz

Feinwaschmittel sorgen dafür, dass Wollpullover weich bleiben.

Nachhaltig Waschen ist in und das bietet Bio-Fachhändlern eine große Chance. Denn nur sie haben glaubwürdig zertifizierte Spezialprodukte im Regal stehen, deren Rezepturen sich von herkömmlichen Produkten unterscheiden. Doch das wissen längst nicht alle Kunden.

Spezialwaschmittel reinigen bestimmte Kleidung besonders schonend. In der Öko-Variante sind sie auch sanft zu Mensch und Umwelt. Kunden brauchen hier Orientierung, denn konventionelle Waschmittel mit Öko-Claim gibt es inzwischen viele. Mit einem breiten Sortiment und umfassender Beratung können Bio-Ladner das Interesse am nachhaltigen Waschen für sich nutzen.

Umsatz mit Spezialwaschmittel

Öko ist angesagt: In den ersten zehn Monaten des Jahres 2020 ist der Umsatz von Wasch- und Reinigungsmitteln (WPR) mit Öko-Claim um 26 Prozent gestiegen. Diese Zahl nannte Robert Kecskes, Leiter von GfK Insights auf der Jahrespressekonferenz des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel (IKW). Im Jahr 2019 lag das Wachstum dieses Segments bei 17,4 Prozent und der IKW bezifferte den Marktanteil auf acht Prozent. Zu diesen Produkten zählt etwa die neue WPR-Eigenmarke Respekt von Edeka oder Love Nature vom Markenhersteller Henkel.

Spezialwaschmittel machen ein Viertel des Waschmittelumsatzes im Bio-Fachhandel aus und sie wachsen am stärksten. Die Biovista-Zahlen zeigen von November 2019 bis Oktober 2020 ein Plus von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (siehe Grafik). Zu den Spezialitäten zählten in dieser Analyse auch alle Produkte ohne Duftstoffe. Die anderen Waschmittel legten in dieser Zeit um 7,3 Prozent zu. Damit schnitten die Waschmittel im Bio-Fachhandel besser ab als die konventionellen, blieben aber weit hinter den anfangs genannten Zahlen für Produkte mit Öko-Claims zurück.

Umsatz mit Spezialwaschmitteln steigern

Konventionellen „Öko“-Waschmittel reinigen meist mit Tensiden, die neben pflanzlichen Rohstoffen auch Erdölbestandteile enthalten, sowie mit Enzymen von gentechnisch veränderten Organismen. Sicher nicht das, was Verbraucher bei einem Öko-Produkt erwarten. „Glaubwürdige, zertifizierte Öko-Wasch- und Reinigungsmittel bietet nur der Bio-Fachhandel“, sagt Sodasan-Geschäftsführer Jürgen Hack. Das sei ein Alleinstellungsmerkmal.

Glaubwürdige Öko-Waschmittel bietet nur der Bio-Fachhandel.

„Wer sich dem Sortiment öffnet, hat Erfolg“, beschreibt Ignaz Muttenhammer, der Vertriebschef von Almawin und Klar, die Chancen. Dabei müsse das WPR-Sortiment als Ganzes angeschoben werden – etwa durch regelmäßige Aktionen. „Fahren Sie Themenaktionen mit dem WPR-Sortiment: Frühjahrs-putz, Winterkleidung pflegen oder Sporttextilien richtig waschen." Im Frühjahr 2021 verschenkt Almawin mit der Aktion Schmetterlingseide 20.000 Samentütchen.

Abgestimmte Aktionen

Für Aktionen bietet Sonett ein Holzdisplay für Zweitplatzierungen an, das mit abgestimmter Aktionsware bestückt werden kann. „Wir haben inzwischen über 1.000 Stück verteilt und freuen uns, wie gut das ankommt“, sagt Geschäftsführer Gerhard Heid. Gute Erfahrungen habe der Außendienst mit 120 ml-Probefläschchen gemacht. Diese würden für einen Euro im Laden angeboten. „Für Promotionen stellen wir den Läden auch Probeflaschen gratis zur Verfügung.“

Angebote und Promos bieten Gelegenheit, den Kunden die Vorteile der Produkte zu erklären. Einen guten Rahmen dafür bietet die BNN-Richtlinie mit ihren Vorgaben: Gentechnikfreiheit, Bio-Rohstoffe wo immer möglich und keine Erdölchemie. Letzteres trifft für den Hersteller Ecover nicht zu. Die Produkte der exklusiv im Fachhandel angebotenen Essential-Reihe enthalten Tenside mit Erdölbestandteilen, die nach Ecocert-Standard zulässig sind. Die BNN-Richtlinie will dies nur noch bis Ende 2022 dulden. Die anderen Ecover-Spezialwaschmittel sind mangels Zertifizierung nicht mit der BNN-Richtlinie vereinbar.

Sortimentsbreite abbilden

Die Hersteller plädieren dafür, das Waschmittel-Sortiment in seiner ganzen Breite zu führen, sich nicht nur auf eine Marke zu beschränken und Spezialwaschmitteln so viel Platz zu bieten, wie möglich. „Wer wegen eines speziellen Produkts in den Drogeriemarkt muss, kauft dort auch alles andere ein“, sagt Gerhard Heid. Doch nur große Märkte können sich einige Regalmeter für Waschmittel leisten.

Sensitiv-Waschmittel sprechen eine wichtige Zielgruppe an: Eltern mit kleinen Kindern.

Wenn Platz knapp sei, müssten duftfreie Sensitiv-Produkte auf jeden Fall ins Regal, sagt Claudia Tiede von Sodasan: „Die Sensitiv-Waschmittel sprechen wichtige Zielgruppen an: Allergiker und Eltern mit kleinen Kindern“. Duftfreies gibt es auch von den anderen Herstellern, ebenso Feinwaschmittel für Wolle, Seide und andere empfindliche Stoffe.

Eigene Sport- und Outdoor-Produkte dagegen bieten nur Sodasan und Almawin, letztere zudem ein Mittel für schwarze und dunkle Textilien. Sonett weist darauf hin, dass sein Colorwaschmittel auch für Mikrofasern wie Fleece, Softshell oder Goretex geeignet ist. Ulrich natürlich hat mit einem Daunenwaschmittel und einem Waschmittel für Mehrwegwindeln zwei besondere Spezialitäten im Sortiment.

Tipps vom Kollegen

Thomas Brandt, Füllhorn Biomarkt, Bruchsal (730 Quadratmeter)

  • Wir präsentieren die Breite und Tiefe des Sortiments, das vermittelt dem Kunden Kompetenz. Dazu gehören Wissen und Beratung. Wir lassen unsere Mitarbeiter durch den Außendienst der Hersteller am Regal schulen.
  • Ein bis zweimal im Jahr veranstalten wir mit Almawin und Klar Aktionen mit Promo. Da kommt viel mehr rüber als bei stillen Aktionen, die wir regelmäßig einsetzen. Dafür nutzen wir die Displays der Anbieter, machen aber auch eigene Aufbauten, spannen eine Wäscheleine und hängen ausgefallene Kleider dran oder stellen ein altes Waschbrett dazu.
  • Die Reinigungsmittel sind das Wichtigste, um das Sortiment insgesamt anzuschieben. Wer mit ihnen gute Erfahrungen gemacht hat, greift eher zu Waschmitteln.

Basiswissen

Öko-Waschmittel reinigen ebenso sauber wie konventionelle – aber anders. Das gilt für die üblichen Voll- und Colorwaschmittel ebenso wie für Spezialmittel, die Wolle, Seide, Sportklamotten oder das kleine Schwarze reinigen. Diese unterscheiden sich von den Standard-Öko-Waschmitteln durch veränderte Rezepturen, die auf die jeweiligen Besonderheiten der ausgelobten Textilgruppe eingehen. So vertragen etwa tierische Fasern wie Seide die starken Alkalien im Waschmittelpulver nicht, während die Funktionsmembran des Sportshirts keine Seife mag (siehe Infobox „Die Spezialisten“). Doch wichtiger als diese Rezepturunterschiede sind die Gemeinsamkeiten.

Schonende Inhaltsstoffe ohne Gentechnik

Spezialisten und Standardwaschmittel zeichnen sich gegenüber konventionellen Produkten durch die Stoffe aus, die nicht drin sind: Die Hersteller von Öko-Waschmitteln verzichten auf synthetische Farb- und Duftstoffe, optische Aufheller, chlororganische Chemikalien und synthetische Verfärbungsverhinderer. Denn viele dieser Substanzen machen nicht nur Wasserorganismen das Leben schwer, sondern auch Allergikern oder Chemikalien-sensitiven Menschen, wenn Spuren davon in der Wäsche verbleiben.

Die Spezialisten

  • Feinwaschmittel: Sie sind für Wolle, Seide, Daunen und andere eiweißhaltige Fasern gedacht und werden oft entsprechend ausgelobt. Sie enthalten weniger waschaktive Substanzen als andere Produkte, dafür aber rückfettende Zutaten oder Weizenproteine, die die Fasern pflegen. Während Sonett auf leicht rückfettende Olivenseife setzt, arbeiten die anderen Hersteller mit Tensiden und dadurch mit einem neutralen pH-Wert. Ein hoher, alkalischer pH-Wert, wie er bei Vollwaschmitteln in der Maschine herrscht, gilt als schädlich für die Fasern.
  • Sensitiv: Wie in der Naturkosmetik steht Sensitiv für eine Rezeptur ohne ätherische Öle, balsamische Zusätze und Konservierungsstoffe. Auch die Tensidmischung ist milder als bei normalem Color- oder Vollwaschmittel. Diese Produkte sind ideal für Duftstoff-Allergiker und Menschen mit sehr empfindlicher Haut und zugleich fast ein Alleinstellungsmerkmal für den Bio-Fachhandel. Die konventionellen Markenhersteller kommen ohne Duft nicht aus. Selbst Persil Sensitiv enthält laut Hersteller Henkel „speziell entwickelte allergikerverträgliche Duftstoffe“.
  • Sport & Outdoor: Sportkleidung ist schnell verschwitzt und wird deshalb oft gewaschen. Die speziellen Mittel dafür reinigen ohne Seifen, um die atmungsaktive Membran nicht zu verstopfen. Das gilt auch für Outdoor-Textilien mit ihren wind- und wetterdichten Beschichtungen. Die Waschmittel enthalten zudem den geruchshemmenden Wirkstoff Zinkricinoleat, der auch in Naturkosmetik-Deos eingesetzt wird. Er soll verhindern, dass sich Muffelgeruch in den Textilien festsetzt. Stark verdreckte Sportkleidung mit den einschlägigen Fleckenlösern vorbehandeln.
  • Schwarz & Dunkel: Natürlich reicht ein Color-Waschmittel ohne bleichende Inhaltsstoffe für dunkle Kleidung aus. Doch im konventionellen Handel sind Spezialprodukte inzwischen gängig. Sie versprechen eine schonendere Reinigung und eine zusätzliche Pflege der Faser. Almawin als einziger Anbieter im Bioladen setzt dies durch eine im Vergleich zum Color-Waschmittel sanftere Tensidmischung um und mit Weizenproteinen als Pflegezutat. Der geringere Seifenanteil vermeidet bei hartem Wasser Kalkseifenbildung, die bei dunkler Wäsche besonders auffällt.

Konventionelle Waschmittel verwenden Enzyme. Das sind Stoffe, die Stärke, Fett oder Eiweiße spalten können. Sie werden meist mit Hilfe von gentechnisch manipulierten Mikroorganismen hergestellt. Öko-Waschmittel verzichten auf deren Einsatz. Lediglich Almawin setzt in seinen zwei Waschpulvern eine gentechnikfreie Protease ein, also Enzyme, die nicht von gentechnisch veränderten Mikroorganismen stammen.

Das sorgt für Sauberkeit

Sonett, Sodasan und – etwas weniger ausgeprägt – Almawin setzen auf Seife als waschaktive Substanz und verwenden dafür Pflanzenöle aus Bio-Anbau. Tenside sind ergiebiger als Seifen und kommen besser mit hartem Wasser zurecht. Hergestellt werden sie aus pflanzlichen Rohstoffen, die aus konventioneller Landwirtschaft stammen. Klar und Ecover setzen ganz oder überwiegend auf Tenside. In manchen Produkten finden sich natürliche Tenside, die Saponine, aus indischen Waschnüssen oder aus der Rinde des Seifenbaums.

Atmungsaktiv und ohne Muffelgeruch: Mittel für Outdoorbekleidung reinigen ohne Seife.

Neben Seifen und Tensiden beinhalten Waschpulver Soda und Silikate, die das Wasser alkalisch machen und damit die Waschkraft unterstützen. Beides sind natürliche und unproblematische Mineralsalze. Hartes, kalkreiches Wasser enthärten in Öko-Produkten meist Citrate, die Salze der Zitronensäure. Natriumpercarbonat setzt beim Waschen Sauerstoff frei, dieser bleicht weiße Textilien. Viele Öko-Waschmittel duften dezent nach ätherischen Ölen.

Alleinstellungsmerkmal

Neben den waschaktiven Substanzen unterscheiden sich die großen Anbieter auch in ihrer Philosophie. Der anthroposophisch orientierte Hersteller Sonett nennt als Alleinstellungsmerkmale das Baukasten-Prinzip sowie die Verwendung von verwirbeltem Wasser und balsamischen Essenzen. Sodasan sieht sich als Seifenexperte und betont die ökologische und CO2-neutrale Herstellung der Produkte. Almawin verweist darauf, dass alle Produkte dermatologisch getestet sind. Mit Klar verfügt der Anbieter über ein komplett duftstofffreies Sortiment. Alle anderen Hersteller bieten duftstofffreie Basics an. Bei den Plastikflaschen setzen Sodasan und Almawin/Klar auf Recycling-Kunststoffe. Sonett verwendet Neuware und begründet dies damit, dass Recyclatflaschen nach synthetischen Duftstoffen riechen.

Echtes Öko ist zertifiziert

Die Begriffe „Bio“ und „Öko“ sind bei Waschmitteln nicht geschützt. Für Bio-läden hat der BNN in seiner Sortimentsrichtlinie Kriterien für Wasch- und Reinigungsmittel festgelegt. Sie erlauben nur gentechnikfreie Enzyme, verlangen mehr biologische Abbaubarkeit als der Gesetzgeber und schließen bestimmte problematische Stoffe aus. In manchen Rezepturen noch enthaltene petro-chemisch hergestellte Inhaltsstoffe müssen bis Ende 2022 ausgetauscht werden. Der Ecocert-Standard, der diese Stoffe erlaubt, wird ab diesem Termin nicht mehr akzeptiert. Echte Öko-Waschmittel werden von externen Kontrollstellen zertifiziert und tragen die Siegel von Ecogarantie, NCP (Natural Care Product) oder Austria Bio Garantie.

Was Kunden wissen wollen

Waschen die auch wirklich sauber?

Die Tests von Verbraucher-zeitschriften zeigen, dass Öko-Waschmittel von der Reinigungsleistung her mit konventionellen Produkten mithalten.

Was ist daran öko?

Öko-Waschmittel reinigen mit Seifen und Tensiden, die ausschließlich aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden. Sie enthalten keine Zutaten aus der Erdölchemie. Ebenfalls tabu sind synthetische Farb- und Duft-stoffe, Gentech-Enzyme, optische Aufheller und Konservierungsstoffe. Die Hersteller achten darauf, dass die Waschmittel nach Gebrauch vollständig biologisch abbaubar sind und produzieren möglichst umweltverträglich.

Ist da Mikroplastik drin?

Zahlreiche konventionelle Waschmittel enthalten feste oder flüssige Kunststoffe. Manche verleihen flüssigen Waschmitteln das vom Verbraucher gewünschte cremig-milchige Aussehen. Andere sollen vermeiden, dass sich Schaum und Grauschleier bilden oder die Wäsche sich verfärbt. Umweltschützer fordern ein Verbot dieser kaum abbaubaren Stoffe. Für echte Öko-Waschmittel sind alle Erdölkunststoffe, ob fest oder flüssig, verboten.

Hersteller und ihre Produkte

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