Biohandel

Wissen. Was die Bio-Branche bewegt

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Möglichst viele Sorten Tofu zeigen

Tofu geht gut in Naturkostläden, doch die Konkurrenz im LEH wächst. Bio kann die Kunden mit Vielfalt locken – und mit kreativen Rezeptideen.

Richtig überzeugend ist Tofu dann, wenn er lecker zubereitet präsentiert wird. „Eine Tofu-Verkostung lohnt sich immer“, bestätigt Gerd Göhringer, Geschäftsführer der Biomärkte GöPi im baden-württembergischen Karlsbad und in Ettlingen. Mindestens einmal im Jahr lässt er den Duft von angebratenen Tofu-Spezialitäten durch seinen Laden ziehen. Die Kunden probieren gerne und kaufen dann auch Wochen später noch davon ein.

„Am effektivsten ist tatsächlich eine begleitete Aktion, um Tofu-Neulingen den Umgang und die Möglichkeiten mit Tofu zu zeigen“, meint Julian Vorberg-Heck von Taifun. Selbst das geht recht einfach: „Tofu ein paar Minuten in heißem Öl kross anbraten, mit wenig Sojasauce ablöschen, fertig“, empfiehlt zum Beispiel die Tofumanufaktur Nagel. Aber auch stille Verkostungen mit kalten Tofustücken an der Theke, beispielsweise Basilikum-Tofu an Spießchen mit Cocktailtomaten, seien für sich bereits überzeugend, so Vorberg- Heck.

Hierfür können Bio-Fachgeschäfte sogar spezielle Verkostungs-Pakete ordern, begleitet von Rezept- und Infobroschüren zum kostenfreien Auslegen. „Hilfreich ist es außerdem, die Unterschiede der einzelnen Tofumarken zu kennen, um überzeugt zu verkaufen“, betont Martin Wullschleger von Svadesha. Hersteller wie Nagel, Svadesha oder Viana und Kato unterstützen ebenfalls Verkostungsaktionen oder schulen auf Anfrage zum Verkaufswissen.

Die Konkurrenz wird größer

Bereits ohne zusätzliches Befeuern läuft der Verkauf von Tofu im Bio-Laden traditionell gut. Ausruhen sollte man sich darauf nicht, denn die Konkurrenz im konventionellen LEH wächst. Die Anzahl der potenziellen Käufer steigt und beläuft sich längst nicht mehr nur auf Vegetarier und Veganer. Immerhin gab es laut Daten von Statista 2018 bereits fast 2 Millionen Bundesbürger über 14 Jahre, die ein bis mehrmals pro Woche Fleischersatzprodukte nutzten, mehr als 3 Millionen mindestens einmal pro Monat.

Die Umsatzzahlen, die Marktbeobachter bioVista für „Tofu und Vergleichbares“ ermittelt, bestätigen die positive Entwicklung des Sortiments mit einem Umsatzzuwachs von fünf Prozent im Zeitraum August 2018 bis Juli 2019 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Durchschnittlich landeten 743 Euro monatlich mit diesem Sortiment in der Kasse. Dabei fielen etwa 83 Prozent der Umsatzerlöse auf Tofu, schätzt Fabian Ganz von bioVista. Die restlichen 17 Prozent gingen auf das Konto von Seitan- und Lupinen-Spezialitäten.

Die Argumentationslage ist gerade aktuell und für Bio-Tofu günstig. „Er ist gesund und kein Kunstprodukt. Er ist vielseitig verwendbar und schont darüber hinaus als veganes Lebensmittel das Klima“, betont Bernd Drosihn, Geschäftsführer von Tofutown. „Gerade im letzten Jahr entwickelte sich die Nachfrage nach einer kleinen Flaute der vorherigen Jahre fast zu gut“, sagt Drosihn und bedauert, dass die Produktionskapazitäten seiner beiden Marken Viana und Kato an die Grenzen gerieten. Ähnliches meldet Hersteller Taifun, der auf Grund der hohen Nachfrage, sein Sortiment etwas umstrukturierte. „Die beliebte Tofu-Familien-Packung von 400 Gramm konnten wir leider eine Zeitlang nicht mehr liefern“. Seit Oktober 2019 ist sie wieder erhältlich.

So wird Tofu geschickt platziert

Das Tofu-Sortiment im Bio-Fachhandel ist beeindruckend – dieses Potenzial zu nutzen, erfordert eine geschickte Platzierung im Kühlregal. „Am besten im Markenblock und die gefragten Produkte, wie geräucherten und Natur-Tofu auf Blickhöhe“, empfiehlt Andrea Nagel. „Wenn es der Platz hergibt, ist es durchaus sinnvoll, die gesamte geschmackliche Vielfalt des Sortiments zu listen“, so Frank Flacker aus dem Vertrieb von Taifun. Bei weniger Platz sei eine Möglichkeit, testweise mit wechselnden Produkten zu bestücken. So lerne man die Vor[-]lieben seiner Kundschaft kennen, denn nicht jedes Produkt läuft überall gleich.

Tofu wird wöchentlich frisch produziert und gilt als Schnelldreher. Je nachdem wie stark der Hersteller seinen Tofu pasteurisiert, variiert das Haltbarkeitsdatum ab Produktion: Bei Nagel und Svadesha sind das für die meisten Produkte 42 Tage.

Kato, Denns und andere rechnen mit 3 Monaten – vorausgesetzt, der Tofu liegt in der Kühlung bei etwa vier bis acht Grad Celsius. Für den Vorratskauf gibt es im Trockensortiment Tofu wie den von Vantastic, der sogar für etwa ein dreiviertel Jahr haltbar ist.

Tipps vom Kollegen

Gerd Göhringer, Geschäftsführung GöPI Biomärkte in Karlsbad (750 Quadratmeter) und Ettlingen (450 Quadratmeter)

  • Im Tofu-Segment sind wir breit aufgestellt. Das Sortiment läuft gut, besonders der Vegan-Trend hat die Nachfrage bei Jüngeren steigen lassen.
  • Bei uns immer lohnenswert: Verkostungsaktionen mit Tofu. Dann wird gekocht. Gut funktioniert das, wenn Hersteller unterstützen.
  • Auch kalte Verkostungen gehen. Wir stellen einfach die geschnittenen Tofustücke plus Zahnstocher auf die Theke. Bei weicheren Produkten bieten wir dazu Brot an.
  • Im Sommer lohnt eine Zweitplatzierung zusammen mit Fleisch in einer extra Kühlung im Eingangsbereich. Bewerben könnte man das mit „Alles zum Grillen".
  • Meine Empfehlungen für die Kunden: Räuchertofu als Speckersatz – gerade im Winter auf Flammkuchen. Im Sommer: speziell veredelte Tofu-Sorten im Salat mit Tomaten zum Beispiel.

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