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Bio im Test

Schimmelpilzgifte in passierten Bio-Tomaten

Ökotest hat passierte Tomaten ins Labor geschickt. Das fand Schimmelpilzgifte gleich in mehreren Bio-Passatas.

30.04.2021 vonLeo Frühschütz

Bei dem in Passatas gefundenden Schimmelpilzgift TEA deuten bisher nur Tierversuche auf mögliche gesundheitliche Risiken hin.

Ökotest hat passierte Tomaten ins Labor geschickt. Das fand Schimmelpilzgifte gleich in mehreren Bio-Passatas.

50 Passatas in Flaschen, Kartons und Dosen haben die Ökotester eingekauft, gut die Hälfte davon in Bio-Qualität. Bei 15 Bio-Produkten hatte das Labor nichts zu bemängeln. Die Bestnote „sehr gut“ gab es jedoch nur für fünf von ihnen: die Passata von Alnatura und vier LEH-Produkte. Diese fünf konnten die Fragen von Ökotest nach fairen Arbeitsbedingungen und sparsamer Bewässerung zufriedenstellend beantworten. Die anderen zehn konnten das nicht oder nur teilweise und bekamen deshalb eine Note abgezogen und waren „gut“. Darunter waren die Passatas von Basic, La Selva, Naturata und Pfandwerk.

Faire Arbeitsbedingungen nicht belegt

Auch bei Alce Nero, Bioladen, Eden und Rapunzel steht in der Tabelle unter „Bemühungen um faire Arbeitsbedingungen belegt“ ein „nein“. Hinzu kamen noch „erhöhte“ Werte des Schimmelpilzgiftes TEA, so dass diese Produkte nur ein „ausreichend“ bekamen.

Ein „ausreichend“ gab es auch für Dennree und La Bio Idea. Deren Passatas hatten kein Schadstoffproblem, doch die beiden Anbieter hatten gar nicht auf die Fragen nach Arbeitsbedingungen und Bewässerung geantwortet. „Transparenz ist die Grundvoraussetzung dafür, dass sich die Lage für Mensch und Umwelt in der Tomatenproduktion verbessert“, begründete Ökotest die deutliche Abwertung.

Rote Karten gab es für 3 LEH-Produkte wegen „stark erhöhter“ Gehalte an Schimmelpilzgiften, darunter die Demeter-Passata von Campo Verde.

Rapunzel weist die Bewertung von Ökotest zurück. Die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge an TEA werde zu weniger als der Hälfte ausgeschöpft. Die Lieferkette der Tomaten – vom Anbau bis zur Verarbeitung – sei lückenlos belegt worden. „Unser Lieferant ist Sedex-SMETA zertifiziert, wodurch ethische Anforderungen und faire Arbeitsbedingungen von unabhängigen Dritten kontrolliert werden", schreibt Rapunzel auf seiner Webseite.

Fürs Schimmelgift fehlen Richtwerte 

Zu den Schimmelpilzgiften TEA und AOH schreibt Ökotest, dass sie von Schwärzepilzen der Gattung Alternaria produziert werden und es für sie – anders als etwa bei Schimmelpilzgiften in Getreide – bisher weder Richtwerte noch Grenzwerte gibt. Bisher deuten nur Zellstudien bei AOH und Tierversuche bei TEA auf mögliche gesundheitliche Risiken hin. „Insgesamt ist die Datenlage noch dünn und es besteht dringender Forschungsbedarf“, zitiert Ökotest einen Wissenschaftler des bundeseigenen Max Rubner-Instituts. Das Magazin zog zur Bewertung einen noch nicht beschlossenen Entwurf der EU für mögliche Richtwerte heran.

Billigtomaten aus China

In den konventionellen Passatas fand das Labor zweimal Schimmelpilzgift und einmal reichlich Pestizide. Die meisten Produkte waren jedoch im grünen Bereich. In einem ausführlichen Artikel schilderte Ökotest, unter welchen Bedingungen konventionelle Tomaten in China und Italien geerntet werden und wie diese Billigtomaten lokale Märkte in Afrika zerstören. Im Magazin kritisiert der französische Autor Jean-Batiste Malet, dass die großen europäischen Handelskonzerne weiterhin Konserven von italienischen Produzenten für wenige Cent je Kilo kaufe. „Das ist eine aktive Anstiftung zur Versklavung afrikanischer Migranten, die diese Tomaten pflücken."

Für die billigsten konventionellen Passatas zahlten die Tester 9 Cent je 100 Gramm, die Markenhersteller kosteten zwischen 18 und 38 Cent. Die günstigsten Bio-Passatas lagen bei 14 Cent je 100 Gramm, Markenhersteller zwischen 22 und 46 Cent.

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