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Bio im Test

Ökotest empfiehlt Bio-Milch

Auf der Suche nach guter Milch hat das Magazin Ökotest Vollmilch von 20 Bio-Milchmarken aus Fachhandel, LEH und Discountern getestet. Aber die Note „sehr gut“ wurde nur zweimal vergeben. Beanstandungen gab es bei Themen wie Tierwohl und Transparenz.

29.01.2021 vonLeo Frühschütz

Von 20 getesteten Bio-Milchmarken erhielten immerhin 13 Produkte das Testurteil "sehr gut" oder "gut".

Auf der Suche nach guter Milch hat das Magazin Ökotest Vollmilch von 20 Bio-Milchmarken aus Fachhandel, LEH und Discountern getestet. Aber die Note „sehr gut“ wurde nur zweimal vergeben. Beanstandungen gab es bei Themen wie Tierwohl und Transparenz.

20 Sorten Bio-Milch hatten die Ökotester eingekauft, verkostet und ins Labor geschickt. Parallel dazu erhielten die Molkereien Fragebögen zu Rückverfolgbarkeit, Weidegang, Anbindehaltung und vielen weiteren Kriterien. Bei den Inhaltsstoffen, die 50 Prozent zur Gesamtnote beitrugen, gab es nur „sehr gut“ und zweimal „gut“. Grund für die Abwertung bei der Heumilch der Gläsernen Molkerei und der Vollmilch der Upländer Bauernmolkerei: das Labor hatte „auffällige Mengen des Keims Bacillus Cereus nachgewiesen“, von dem einige Stämme Milch verderben und bei empfindlichen Menschen Magenprobleme verursachen können.

Bei der Sensorik schnitten die meisten Produkte mit „sehr gut“ ab, manche mit „gut“, weil die Milch am Ende des MHD schon „leicht alt“ schmeckte. Doch die Sensoriknote ging nicht in das Testurteil ein.

Große Unterschiede beim Tierwohl

Die zweite Hälfte des Testergebnisses bestimmten die Antworten zu Tierwohl und Transparenz, die sowohl von den Molkereien als auch von den zuliefernden Höfen kamen. Die Bio-Milch von Weihenstephan schnitt hier mit „ungenügend“ ab, da die Molkerei die Mitarbeit komplett verweigerte.

An die Schrozberger Milchbauern vergaben die Ökotester ein „mangelhaft“, weil sich die Charge nur teilweise zu den Höfen zurückverfolgen ließ und nur wenige davon antworteten. Dadurch fehlten die Nachweise, dass in den Ställen ausreichend Fress- und Liegeplätze, Abkalbeboxen und Krankenabteile zur Verfügung stehen. Auch waren unter den Lieferanten Betriebe mit Anbindehaltung und solche, die Weidegang nicht nachweisen konnten.

Ein „ausreichend“ bei Tierwohl und Transparenz bekamen der Hamfelder Hof, die Milchwerke Berchtesgadener Land sowie drei LEH-Marken. Als „befriedigend“ bewerteten die Ökotester die Antworten von Andechser Natur, den Demeter-Milchbauern Schwarzwald-Alb, Arla sowie fünf LEH-Eigenmarken. Die Upländer Bauernmolkerei und die Schwarzwaldmilch schnittten mit „gut“ ab. Nichts zu bemängeln und damit ein „sehr gut“ gab es bei Alnatura, Dennree und der Gläsernen Molkerei.

In der Gesamtschau führten die Einzelergebnisse dazu, dass nur zwei Produkte, die von Alnatura und Dennree, die Gesamtnote „sehr gut“ bekamen und elf Produkte die Note „gut“. Die Dennree-Milch schmeckte den Testern allerdings „leicht alt“ und erhielt in der Sensorik nur ein „gut“.

Tierwohlkontrolle und Anbindehaltung

Im Text geht das Magazin genauer auf die Ergebnisse ein. Es beschreibt, dass die Verbände Biokreis, Bioland, Gäa und Naturland mit der Öko-Kontrolle jährliche Tierwohlchecks verbinden. Demeter prüfe ebenfalls Tierwohlkriterien, „aber weniger regelmäßig und weniger flächendeckend.“ Ökotest weist auch darauf hin, dass es für Betriebe bis zu 50 Tieren immer noch Ausnahmegenehmigungen für die Anbindehaltung gibt. „Im Test belegten nur vier Anbieter, dass an der Milch keine Kühe aus Anbindehaltung beteiligt waren.“ Immerhin sei bei Bio-Kühen in Anbindehaltung vorgeschrieben, dass sie auf die Weide und in der kalten Jahreszeit mindestens zweimal die Woche ins Freie müssen.

Ansonsten ist Weidegang keine Selbstverständlichkeit bei Bio. „Nur acht Anbieter hätten Weidegang für alle an der Charge beteiligten Höfe belegt, schreibt Ökotest und weist darauf hin, dass in den Bio-Standards ein Auslauf ins Freie genüge: „Das kann auch ein Laufhof mit Betonplatten sein.“ Während in Österreich alle Bio-Milchbauern verpflichtet seien, Weide anzubieten, gebe es in Deutschland keine entsprechende Regelung und bei den Verbänden – erst ab 2029 bzw. 2030.

Billigmilch im Fachhandel

Interessant die Preisstellung: 1,05 bis 1,09 Euro für die LEH-Eigenmarken, egal ob Vollsortimenter oder Discount. 1,15 Euro zahlten die Tester bei Alnatura und Dennree. Die Herstellermarken lagen zwischen 1,39 und 1,69 Euro, wobei die LEH-Produkte tendenziell die teureren waren. Spitzenreiter mit 1,69 Euro: die Ammerländer Bioland-Milch, pasteurisiert, mikrofiltriert und länger haltbar. Da gab‘s im Bio-Fachhandel frische Demeter-Vollmilch um 20 bis 27 Cent billiger.

Für die neugierigen Wer-mit-wem-Journalisten hat Ökotest auch noch die Lieferanten der Eigenmarken genannt: Upländer bei Alnatura; die genossenschaftliche Herzgut Landmolkerei aus Thüringen produziert für Dennree; Netto, Edeka und Penny lassen sich von der Salzburgmilch beliefern, Lidl von der Privatmolkerei Bechtel, Aldi und Kaufland von Gropper und Rewe von der Andechser Molkerei.


Friedemann Vogt, Geschäftsführer der Molkereigenossenschaft Hohenlohe-Franken eG, informiert auf Nachfrage von BioHandel folgendermaßen über die Kriterien, die zur Einschätzung der Zeitschrift Ökotest zum Gesamturteil „ausreichend“ für die Demetermilch der Molkerei Schrozberg führten:

  • Verzicht auf Homogenisierung: „Eine Homogenisierung ist laut Demeter-Richtlinien untersagt; die Milch rahmt natürlich auf. Das mag für Ernährungswissenschaftler ein Vorzug sein, der Ökotest wertet es als Mangel.“
  • Verzicht auf das Enthornen: „Alle Schrozberger Milchbauern verzichten auf das Enthornen der Kühe. Dieses Tierwohl-Kriterium wurde vom Ökotest offensichtlich nicht mit einer entsprechenden Punktzahl gewertet, wie wir den Ergebnissen entnehmen.“
  • Verzicht auf Datenübermittlung unserer 105 Milchbauern: „Der Ökotest hatte die Adressen und Stallpläne aller unserer Milchbauern angefordert, um das Vorhandensein von Fress- und Liegeplätzen und Abkalbeboxen zu belegen. Wir haben aus Datenschutzgründen auf die Übermittlung von 105 Stallplänen verzichtet. Das führte offensichtlich zu einem ausschlaggebenden Punkteabzug.“

„Unsere Kundinnen und Kunden wissen, dass die entsprechenden Stallpläne bei der EU-Bio- und Demeterkontrolle vorliegen müssen und dass das Tierwohl auch vor Ort kontrolliert wird. Es ist allgemein bekannt, dass Demeter-Ställe immer mit größeren Liege- und Fressplätzen als vorgeschrieben gebaut werden müssen, um hörnertragende Rinder überhaupt beherbergen zu können. Fazit: Beim Testergebnis Inhaltsstoffe und Sensorik wurde unsere Milch mit „sehr gut" bewertet. Das Testergebnis Tierwohl ist darauf zurückzuführen, dass wir dem Ökotest aus Datenschutzgründen keine 105 Kontrollbögen eingereicht haben. Darauf würden wir auch in einem wiederholten Test verzichten.“

Barbara Steiner-Hainz, Leiterin Presse bei der Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG, gab eine Stellungnahme zum „empfindlichen Punktabzug“ beim Ökotest-Ergebnis ab.

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