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Naturkosmetik

Ökologische Haarfarben: Das sollten Ladner für die Beratung wissen

Pflanzenhaarfarbe färbt sanft ohne Schaden anzurichten und schafft es dabei gleichzeitig, die Haare zu pflegen. Allerdings ist der Umgang mit ihr etwas aufwändiger. Daher kommt es hier besonders auf gute Beratung an.

09.04.2021 vonGudrun Ambros

Pflanzenfarben umhüllen das Haar und bringen es zum Glänzen.

Pflanzenhaarfarbe färbt sanft ohne Schaden anzurichten und schafft es dabei gleichzeitig, die Haare zu pflegen. Allerdings ist der Umgang mit ihr etwas aufwändiger. Daher kommt es hier besonders auf gute Beratung an.

Zwischen 60 und 85 Prozent der Frauen färben sich zumindest gelegentlich die Haare, dazu kommen drei bis zehn Prozent der Männer – je nach Statistik. Gefärbt wird durchschnittlich fünfmal pro Jahr, knapp die Hälfte macht das selber daheim. Schon allein deswegen haben Haarfarben einen festen Platz auch in den Regalen der Naturkosmetikabteilungen.

Wer Haare färbt, hat seine Gründe. Viele wollen graue Strähnen verstecken, manche mögen ihre natürliche Farbe nicht, andere freuen sich einfach an der Abwechslung und sehen die Veränderung als Teil ihres Modestils. Die Entscheidung für Naturhaarfarben fällt nach Beobachtung von Angelika Landgraff oft zusammen mit der Entscheidung gegen chemische Produkte. „Das geschieht, wenn die Kunden öfters mal die Untersuchungsergebnisse von Ökotest gelesen haben“, weiß die Inhaberin des Lübecker Naturwarenladens Hautnah, „oder wenn sie merken, dass sie ein konventionelles Produkt nicht vertragen, beispielsweise, wenn’s beim Auftragen auf der Kopfhaut brennt.“ Auch die Verbraucher-App Codecheck werde immer bekannter.

Tatsächlich kommt es oft genug vor, dass Tests in konventionellen Haarfarben kritische Stoffe monieren. Unter anderem sind das PEG-Derivate, die allergische Reaktionen auslösen können oder aromatische Amine, die im Tierversuch die Fortpflanzung gefährdeten und die Entstehung von Krebs begünstigten. Untersuchungen belegen, dass Stoffe aus Haarfärbemitteln durch die Kopfhaut in den Blutkreislauf und auch in die Muttermilch gelangen können. Nicht umsonst müssen Haarfarben mit bestimmten Inhaltsstoffen einen Allergie-Warnhinweis bekommen und als „nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt“ gekennzeichnet werden.

Färbepulver aus weltweit angebauten Pflanzen

Bei natürlichen Haarfarben sind solche Warnhinweise nicht nötig. Sie enthalten Farbstoffe aus Walnussschalen, Hennablättern, der Kurkuma- oder der Rhabarber-Wurzel, den Blättern des Indigostrauchs. Viele Pflanzenfarben färben nicht nur haselnussbraun, rot, gold-blond oder schwarz, sondern stärken gleichzeitig die Haare und pflegen die Kopfhaut. Bisweilen sind auch Pflanzenpulver beigefügt, die Farben intensivieren oder einfach Haare und Kopfhaut pflegen, Neem beispielsweise oder Ekliptakraut.

Eine natürliche Haarfarbe herzustellen, muss nicht besonders aufwändig sein. Blätter, Wurzeln, Früchte werden getrocknet und vermahlen – „mehr nicht“, erklärt Heinz Jürgen Weiland, Geschäftsführer von Ayluna. Je feiner der Mahlgrad, desto ergiebiger die Farbe. Gut sei, wenn alle Farben eines Produkts im gleichen Mahlgrad vorliegen. Das ermögliche eine zuverlässige Qualität.

Basis der Naturhaarfarben: getrocknete und ver-mahlene Blätter, Wurzeln und Früchte.

Pulver von Färbepflanzen kann in der ganzen Welt gekauft werden, viel stammt allerdings aus Indien. So beispielsweise auch für die Produkte von Ayluna, die ausschließlich aus Pflanzen aus kontrolliert ökologischem Anbau hergestellt werden. „Wir kaufen alle unsere Farben bei einem Hersteller in Indien“, sagt Heinz Jürgen Weiland. Der verarbeite Pflanzen, die in kleinen Parzellen am Hang auf 4.000 Meter Höhe angebaut werden – Bedingungen, die gut mit ökologischem Anbau zusammenspielen.

Siegel bieten Sicherheit

Naturkosmetiksiegel auf Haarfarben garantieren, dass keine Rohstoffe eingesetzt werden, die aus Erdölchemie stammen und dass sich keine synthetischen Duft-, Konservierungs- und Farbstoffe darin verstecken. Viele bestehen nur aus Färbe- und Heilpflanzenpulver, einige der Pflanzen sind bio-zertifiziert. Manche Hersteller weisen extra darauf hin, dass ihre Haarfarbe sich auch für Schwangere, Stillende und Menschen unter 16 Jahren eignet.

Es lohnt sich, Kunden zu empfehlen, die Beschriftungen und Beipackzettel genau zu studieren und sich an den Naturkosmetiksiegeln zu orientieren. Denn bei Haarfarben tummeln sich einige, die sich bio, natürlich oder naturnah geben, in Wirklichkeit aber doch chemische Mittel wie das aggressive Wasserstoffperoxid verwenden und auch solche, die, wie Para-Phenylendiamin, Allergien auslösen können.

Fürs erste Mal

Kunden, die sich noch nie die Haare gefärbt haben, tun bei Pflanzenhaarfarben gut daran, sich vorab ausführlich zu informieren, die Färbeanleitung exakt zu befolgen und auf alle Fälle eine Probesträhne zu färben, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Anstelle einer Probesträhne können auch aus der Bürste gesammelte Haare (nur die eigenen) eingefärbt werden. Handschuhe und Abdeckhaube sind dem Farbpulver in der Packung meist beigelegt. Hilfreich sind außerdem ein Thermometer zur Messung der Anrührflüssigkeit und ein Färbepinsel. Mit dessen spitzem Ende lassen sich Scheitel ziehen, der Pinsel trägt am Ansatz auf, der eventuell integrierte Kamm zieht die Farbe in die Längen.

Verschiedene Wirkprinzipien und großes Farbspektrum

Chemische Haarfarben funktionieren radikal: Sie dringen in die Haarstruktur ein, zerstören die natürlichen Pigmente und ersetzen sie durch synthetische. Das ermöglicht einen extremen Wechsel der Farbe, egal ob blond, blau, rosa, schwarz oder grün, kann aber die Haare auf Dauer schädigen. Echte Pflanzenhaarfarben umhüllen jedes einzelne Haar mit einer natürlichen Lasur, die den ursprünglichen Haarton durchschimmern lässt. Sie glättet die äußere Schicht, schützt und bringt das Haar zum Glänzen. Und sie erhält das natürliche Farbenspiel.

Die ultrafeinen Umhüllungen sollen sogar dem gesamten Schopf mehr Volumen schenken. Weiterer Vorteil: Alle Farben lassen sich zu neuen Nuancen zusammenmischen. Andererseits sind natürliche Grenzen gesetzt: Das Färbeergebnis ist von der Ausgangsfarbe abhängig: heller geht kaum, blondieren gar nicht, vollständige Grauabdeckung ist nicht möglich. Einen Ton dunkler und attraktive Farbreflexe, das geht immer.

Trotz dieser Einschränkungen – das angebotene Spektrum an Naturhaarfarben kann sich sehen lassen. Radico präsentiert 25 unterschiedliche Nuancen, Pulver, die nur aus Färbe- und Heilpflanzen bestehen. Das Unternehmen attestiert seinem Sortiment eine sehr gute Grauabdeckung und ergänzt sein Angebot mit pflegenden Kräuterpulvern, die Farbtöne intensivieren sollen.

Inhaltsstoffe, Empfehlungen und Haltbarkeit

Khadi weist darauf hin, dass sich die Verarbeitung der eingesetzten Farb- und Heilpflanzen an der ayurvedischen Lehre orientieren und verspricht hohe Deckkraft, auch bei grauem Haar. Allerdings sei dafür gegebenenfalls eine Vorfärbung nötig. Zur Vorbereitung der Färbung hat das Unternehmen ein Produkt entwickelt, das die Haare mit Hilfe von Aktivkohle aus der indischen Stachelbeere Amla intensiv vorreinigt.

Andere Anbieter führen zur Vorbereitung der Färbung Produkte mit Lavaerde im Programm. Bei Ayluna gibt es Haarfarben in 12 Nuancen, demnächst sollen es 14 sein. In der Packung stecken nur Pulver von Färbepflanzen, ergänzt durch Bockshornklee, der die Färbung vertieft und dem Färbebrei eine gute Konsistenz gibt. Biokosma setzt auf intensiv färbendes Henna, das sich, nebenbei, auch für Tattoos eignen soll.

Viele Pflanzenhaarfarben stärken die Haare und pflegen die Kopfhaut.

Santé beschränkt seine Inhaltsstoffe auf Färbepflanzen, darunter Kaffee und Rhabarberwurzel, konditionierendes Betain und Maltodextrin und konsistenzbildendes Alginat. Logona ergänzt die färbenden Substanzen durch pflegende Pflanzenproteine und Avocadoöl, setzt antimikrobiell wirkendes Radieschenwurzelferment zu und verzichtet nicht auf ätherische Öle für einen angenehmen Duft. Praktisch, um nur schnell mal den Ansatz nachzufärben: die Logona-Färbecreme.

Zur anschließenden Fixierung bietet das Unternehmen ein Produkt an, das Klettensamenöl enthält. Andere Anbieter empfehlen dafür Haaröl pur. Ungeöffnet halten sich Pflanzenfärbepulver laut Heinz Jürgen Weiland nahezu unbegrenzt. Logona empfiehlt darüber hinaus, nach dem Öffnen wieder gut zu verschließen. Dann bleibe eine Restlagerzeit von maximal sechs Monaten für das Pulver und maximal drei Monaten für die Cremes.

Intensive Beratung nötig

Pflanzenhaarfarbe verkaufen, „das geht nicht mal eben schnell“, weiß Angelika Landgraff von den Hautnah-Naturwaren. Wenn ein Kunde oder eine Kundin vor dem entsprechenden Regal steht, weiß sie: Jetzt muss sie sich Zeit nehmen. Denn „Naturhaarfarbe ist keine Tönung, die spätestens nach zehn Wäschen wieder draußen ist. Da muss man schon wissen, was man will.“ Und auch, was auf einen zukommt. Natürlich Haare färben braucht Zeit, allein die Einwirkdauer liegt zwischen 60 und 90 Minuten. „Wer mag, lädt seine Freundin zum Mädelsabend ein. Zu zweit macht es immer mehr Spaß.“

Darüber hinaus sind zahlreiche Fragen zu klären: Wurden vorher silikonhaltige Produkte verwendet, wurde vorher chemisch gefärbt? Wie lässt sich die Zielfarbe erreichen? Was beachten bei grauen Haaren? Es gilt auch zu verhindern, dass den Kunden beim Färben Fehler unterlaufen: Sie müssen wissen, dass die Temperatur eine Rolle spielt, wie sich eventuell ein Grünschimmer vermeiden oder entfernen lässt.

Angelika Landgraff nimmt die Beratung ernst, scheut sich aber auch nicht, einen Friseur zu empfehlen, wenn sich die Kundin überfordert fühlt. Sie hat einen gefunden, der Erfahrung hat mit Naturhaarfarben, gegebenenfalls auch ihre Fragen beantwortet und bereit ist, die mitgebrachten Pflanzenhaarfarben aus dem Hautnah-Laden zu verwenden. Eine Win-Win-Situation. Und spätestens jetzt hat nicht nur der Friseur, sondern auch Angelika Landgraff eine neue Kundin gewonnen.

Hersteller informieren ausführlich

Händlerinnen stehen viele Wege offen, um sich wiederum bei den Herstellern von Naturhaarfarben Beratung zu holen. Khadi veranstaltet in Berlin Produktschulungen, Ayluna bietet Schulungen in Kooperation mit Großhändlern an. Hersteller beantworten Fragen direkt über Email, Telefon, Facebook oder Instagram.

Ausführliche Gebrauchsanweisungen sind nicht nur den Verpackungen beigelegt, sie lassen sich neben zahlreichen Extratipps auch auf den Firmen-Websites abrufen und downloaden. Step-by-step-Videos fürs Internet haben Logona und Khadi produziert. Fragen und Antworten (FAQs) gibt es reichlich bei Khadi, Logona und Radico. Farbkarten oder -fächer als Hilfestellung sind eine Selbstverständlichkeit und gibt’s auch im Internet. Bei Logona finden Händler wie Kunden darüber hinaus eine virtuelle Farbberatung.

Tipps von der Kollegin

Christine Ulbrich, Ulbrich Natur, Bielefeld. Der Laden für Naturkosmetik und Naturtextilien führt vier Regalmeter Naturhaarfarben bei einer Gesamtverkaufsfläche von 110 Quadratmetern.

„Kunden, die ihre Haare natürlich färben wollen, benötigen viel Beratung. Die geben wir gerne.“

  • Wir empfehlen, die Haare vor dem Färben mit Tonerde-Shampoo zu waschen, damit die Farbe besser angenommen wird.
  • Bei grauen Haaren ist die Deckkraft besser, wenn sie vorgefärbt werden.
  • Nach dem Färben ist es wichtig, die Haare 24 bis 48 Stunden nicht zu waschen, damit der Färbevorgang vollständig abgeschlossen wird.
  • Um die Farbe vor dem ersten Waschen besser zu fixieren, bieten wir Haaröl an. Das pflegt das Haar zusätzlich.
  • Wichtig ist es, die angegebene Temperatur einzuhalten. Wir empfehlen, die angerührte Farbe im Wasserbad warmzuhalten und verkaufen passende Thermometer.

Hersteller und ihre Produkte

Ayluna

Pflanzenhaarfarbe: Honigblond, Saharablond, Karamellblond,; Kupferrot, Maronenrot, Chilirot, Zimtbraun, Kaffeebraun, Schokobraun, Bordeauxrot, Schwarzbraun, Tiefschwarz

Biokosma

Henna superintensiv

Khadi

Pflanzenhaarfarbe Goldhauch, Hellblond, Sonnenblond, Mittelblond, Dunkelblond, Kupfer, Reines Henna, Henna & Amla, Henna, Amla & Jatropha, Goldbraun, Hellbraun, Mittelbraun, Nussbraun, Aschbraun, Dunkelbraun, Schwarz, Reines Indigo

Logona

Pflanzen Haarfarbe Pulver: Goldblond, Karamellblond, Naturrot, Flammenrot, Mahagonibraun, Nussbraun, Kastanienbraun, Naturbraun, Dunkelbraun, Schokobraun, Rotbraun, Schwarz Intense

Logona Pflanzen Haarfarbe Creme: Kupferblond, Kupferrot, Weinrot, Maronenbraun, Nougatbraun

Radico

Colour Me Organic Premium Haircolour: Aschblond, Beige Blond, Champagnerblond, Dunkles Aschblond, Weinrot, Auburnrot, Braun, Burgundy, Dunkelbraun, Erdbeer Blond, Goldenes Blond, Hellbraun, Kupfer Braun, Mahagoni, Soft Schwarz, Honigblonde, Karamellblond, Leichtes Aschblond, Leichtes Rotblond, Rotblond, Sehr dunkles Aschblond, Sonnenblond, Violett, Weizen Aschblond, Henna Powder

Sante

Pflanzen-Haarfarbe Farbpulver: Rotblond, Naturrot, Flammenrot, Mahagonirot, Bronze, Maronenbraun, Terra, Nussbraun, Schwarz

Zusatzprodukte und Zubehör

Ayluna:

  • Ghassoul – Lavaerde zur intensiven Vorreinigung
  • Wunderbaum Intensiv Haaröl zur Pflege danach

Khadi:

  • Pflanzenhaarfarbe Senna/Cassia – farblose Intensivpflege
  • Deep Charcoal Cleanse – ayurvedische Haarmaske zur Vorbehandlung
  • Color Care – ayurvedisches Haaröl zur Fixierung
  • Aufbewahrungsdose für Pflanzenhaarfarbe
  • Analoges / Digitales Thermometer
  • Haarfärbepinsel
  • Farbfächer

Logona:

  • Vor- und Nachbehandlungsset für Pflanzenhaarfarben: Mineralerde Vorbehandlung, Color Fix Nachbehandlung
  • Farbreflex Shampoo Rot-Braun Bio Henna, Braun-Schwarz Bio Haselnuss, Blond Bio Kamille
  • Auftragpinsel
  • Pflanzenhaarfarben

Radico:

  • Farbfixierendes Shampoo
  • Ayurvedisches Haaröl
  • Farbpinsel

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