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Bio im Test

„Mangelhaft“ für Demeter-Produkt

Unter den von der Stiftung Warentest überprüften Gesichtscremes befand sich auch ein Produkt in Demeter-Qualität. Weil die Creme ohne Konservierungsstoffe auskommt, kassierte der Hersteller das Urteil „mangelhaft“.

01.09.2020 vonKatrin Muhl

Die meisten Naturkosmetik-Gesichtscremes schnitten im Test gut ab.

Unter den von der Stiftung Warentest überprüften Gesichtscremes befand sich auch ein Produkt in Demeter-Qualität. Weil die Creme ohne Konservierungsstoffe auskommt, kassierte der Hersteller das Urteil „mangelhaft“.

Die Stiftung Warentest hat 13 Gesichtscremes mit mindestens einem deklarierten Bio-Inhaltsstoff getestet, darunter neun zertifizierte Naturkosmetik-Produkte. Untersucht wurden unter anderem Anwendung und Hautgefühl, Deklaration und Werbeaussagen, die mikrobilogische Qualität sowie die Nutzerfreundlichkeit der Verpackungen. Zudem überprüfte die Stiftung die Cremes auf kritische Duftstoffe.

Testsieger ist ein mit „gut“ bewertetes Produkt von Nivea, gefolgt von dem Feuchtigkeitsfluid Bio-Aloe-vera von Alvina sowie den Eigenmarkenprodukten von DM und Rossmann. Es schließen sich – ebenfalls mit „gut“ bewertet – die erfrischende Feuchtigkeitspflege mit Hydro Effekt von Sante, die Basis Sensitiv Feuchtigkeitscreme von Lavera und die Iris Erfrischende Feuchtigkeitspflege von Weleda an. „Befriedigend“ gab es für die Living Nature New Zealand Nährende Tagescreme und einem Produkt aus der Bio-Linie von Douglas.

„Mangelhaft“ weil Konservierungsstoffe fehlen

Die Demeter-zertifizierte Organics Sensitive Care Jeunesse Day Cream der Marke Provida ging mit der Gesamtnote „mangelhaft“ aus dem Test. Die Stiftung bemängelt in erster Linie, dass die Tagescreme nicht ausreichend vor Verkeimung geschützt sei. „Sie wurde nicht mit Keimen fertig, die für den Konservierungsbelastungstest vom Labor in die Produkte eingebracht worden sind“, heißt es im Testbericht.

BioHandel hat Provida Organics um eine Stellungnahme gebeten. Geschäftsführerin Dana Wohnhas teilt mit: „Dieses Ergebnis ist zu erwarten, da alle unsere Produkte ohne Konservierungsmittel sind. Die Jeunesse Tagescreme ist nicht mit Keimen belastet. Nur wenn man die Creme der Verpackung entnimmt und diese mit Keimen versetzt, dann können sich bestimmte Keime in der Creme vermehren.“

Provida hat weitere Informationen auf dem eigenen Blog veröffentlicht, um zu erklären, dass die Produkte auch ohne Konservierungsmittel sicher sind.

Provida verzichtet bewusst auf den Einsatz von Konservierungsmittel. „Gründe dafür sind unter anderem, dass Konservierungsmittel synthetisch hergestellt werden und aggressiv sind. Sie stehen im Verdacht Allergien auszulösen und zu Unverträglichkeitsreaktionen zu führen. Konservierungsmittel werden eingesetzt um Keime abzutöten. Dies betrifft nicht erwünschte Keime, aber auch erwünschte Keime die zu einer natürlichen und gesunden Hautflora gehören“, erläutert Wohnhas.

Der Hersteller schütze seine Produkte durch keimfreies Arbeiten in der Produktion und die richtige Verpackungswahl. „Bei der Jeunesse Tagescreme handelt es sich um eine Aluminiumtube. In der Aluminiumtube gibt es keine Luft (also keine Oxidation), es gibt keine Hohlräume in denen sich schimmelanfälliges Kondenswasser bilden könnte und keine Kontamination durch Berührung“, schreibt Wohnhas. Mit dem Aluminium komme das Produkt nicht in Verbindung, denn die Aluminiumtuben seien innen doppelt beschichtet.

Produkte ohne Konservierungsmittel wurden im Test automatisch mit mangelhaft bewertet. „Lautet das Urteil für Mikrobiologische Qualität mangelhaft, konnte das Test-Qualitätsurteil nicht besser sein“, schreibt die Stiftung.

Tester vermissen Belege für Anbaubetrieb

Die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe aus der Jeunesse Tagescreme von Provida bezeichnete die Stiftung Warentest als „lückenhaft“. Im Detail wurde kritisiert: „Der Anbieter lieferte Belege fürs Zitronengras vom Produkt bis zum Hersteller, nicht aber für den Anbaubetrieb.“

Wohnhas erklärt: „Wir, sowie auch unser Lieferant, haben alle Informationen an Stiftung Warentest geschickt. Das Öl kommt aus Indien und ist korrekt bio-Zertifiziert. Alle Unterlagen liegen vor. Stiftung Warentest wollte allerdings gerne Kontakt bis zum Bauern bekommen, das war allerdings in Indien wegen dem Corona-Lock-Down zu dem Zeitpunkt nicht möglich.“

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