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Milchalternativen

Haferdrink auch Nicht-Veganern schmackhaft machen

Der Geschmack und die Vorteile von Haferdrink kommen mittlerweile auch beim breiten Publikum an. Einzelhändler, die sich auskennen, können den Umsatz damit steigern.

30.08.2021 vonBrigitte Sager-Krauss

Ob pur oder aufgeschäumt im Cappuccino: Haferdrink wird immer beliebter.

Der Geschmack und die Vorteile von Haferdrink kommen mittlerweile auch beim breiten Publikum an. Einzelhändler, die sich auskennen, können den Umsatz damit steigern.

Bio-Haferdrink ist ein Siegertyp. Der milde Trunk nimmt unter den pflanzlichen Milchalternativen den Spitzenplatz ein. Seine Stärken: geschmackvoll, klimaschonend, ethisch vertretbar und gesund.

Umsatz mit Haferdrink

Pflanzenmilch aus Soja, Nüssen oder Getreide liegt im Trend. 351 Millionen Euro wurden 2020 allein im deutschen Lebensmitteleinzelhandel mit Drinks auf pflanzlicher Basis umgesetzt, meldet Wirtschaftsanalyst Statista. Hafermilch ist darunter aktuell die beliebteste Sorte: Etwa 74 Prozent der befragten Personen gaben an, Hafer gegenüber anderen zu bevorzugen.

Auch im Bio-Fachhandel zeigen Haferdrinks eine deutliche Dynamik. Branchenanalyst Biovista ermittelte für Haferdrinks einen jährlichen überdurchschnittlichen Umsatzzuwachs von 35,5 Prozent. Die gesamte Produktrange Pflanzenmilch wies im gleichen Zeitraum 14,1 Prozent Plus aus (05/2020 – 04/2021). „Mit 53,8 Prozent nehmen die Haferdrinks innerhalb der pflanzlichen Milchalternativen eine deutlich führende Rolle ein“, stellt Fabian Ganz von Biovista fest. Nach seinen Beobachtungen scheint sich die erfreuliche Entwicklung auf hohem Niveau fortzusetzen.

Umsatz steigern mit Haferdrink

„Da Haferdrinks derzeit die gefragtesten Milchalternativen sind, sollten sie am prominentesten im Block der pflanzlichen Drinks platziert werden“, empfiehlt Allos-Marketingleitung Sandra Spremberg. „Am besten stehen die Pflanzendrinks generell neben den klassischen Milchprodukten“, sagt Steffen Mälzer, Leitung Vertrieb von Natumi. Verkostungen empfiehlt er besonders dann, wenn ein neues Produkt oder eine neue Geschmacksrichtung im Rahmen einer bekannten Range eingeführt wird. Anlässe beschränken sich nicht allein auf das Hafermilchsortiment.

„Das Probierenlassen funktioniert gut als Cross-Promotion, zum Beispiel in Verbindung mit Müsli oder Kaffee“, so Mälzer, um auch neue Kunden mit der Milchalternative zu erreichen. „Bieten Sie bei einer Verkostung die Drinks am besten gekühlt an“, empfiehlt Alexandra Stell, Brand Marketing Managerin der Marke Provamel (Alpro), „beispielsweise als Smoothie mit frischen Bio-Beeren gemixt“. Geschäfte mit Ausschankmöglichkeit können die Qualität von Barista-Haferdrinks zusätzlich wirkungsvoll an der Theke bei einer Tasse pflanzlichem Cappuccino demonstrieren.

Was die verschiedenen Sorten unterscheidet

Für Kunden durchaus interessant ist auch eine vergleichende Verkostung verschiedener Drinks oder der Vergleich mit anderen Pflanzendrinksorten auf Basis von Soja, Mandel oder Reis. Die Süße, die Intensität des Haferaromas, das Mundgefühl – Geschmäcker sind verschieden und jeder kann so seinen Liebling finden. „Je höher der Haferanteil ist, desto intensiver natürlich auch der Hafergeschmack“, so Steffen Mälzer. Und den mag der eine mehr, der andere weniger.

Gut gekühlt schmeckt Haferdrink am besten.

Beratungswissen ist gefragt, um die Unterschiede der Haferdrinkqualitäten zu erklären. Wie eine neue Untersuchung der Verbraucherzentralen ergeben hat, verstehen Verbraucher beispielsweise die Botschaften zu Zucker auf den Verpackungen nicht selten falsch. Bei Haferdrinks sind die Angaben zum Zuckergehalt oder der vorhandenen natürlichen Süße teils ebenfalls verwirrend. Dass Hinweise wie ‚ohne Zuckerzusatz‘ oder ‚ungesüßt‘ nicht unbedingt zuckerfreie Drinks bedeuten, weil im Herstellungsprozess zum Beispiel durch die Amylasen Zucker freigesetzt wird, darf interessierten Kunden durchaus erklärt werden. Das stärkt das Kundenvertrauen und erspart ärgerliche Reaktionen, wenn erst zu Hause auf die Nährwertkennzeichnung geblickt wird. Eine Lösung für Kunden, die keinen Zucker im Drink möchten, bieten dann die Varianten wie ‚Zero‘‚ Ohne Zucker‘ oder ‚0% Zucker‘.

Bio-Vorteile hervorheben

Zusätzliche Tipps zur Verwendung empfiehlt Moritz Collmar aus der Unternehmenskommunikation der Marke VeLike (Black Forest Nature GmbH): „Zum Beispiel sollten Kunden die Flasche vor Gebrauch gut schütteln“. Denn wenn Bio-Haferdrinks wie von VeLike frei von Stabilisatoren sind, setzt sich nach einiger Standzeit etwas Haferfeststoff ab, erklärt er. Schließlich kann so die positive Einstellung der Konsumenten gegenüber den Pflanzendrinks weiter gestützt werden. Die stimmen nämlich einer Umfrage von KPMG zufolge mit jeweils über 70 Prozent der Aussage zu, dass Drinks aus Hafer und Co. nicht nur nachhaltig, gesund und zukunftsweisend wären, sondern auch ausgesprochen genussvoll – ein Statement, das Bio-Fachmärkte doch gerne ebenfalls unterschreiben.

Tipps vom Kollegen

Mario Beyer, Marktleitung Macis Biomarkt Leipzig, (900 m²)

  • Die Nachfrage nach Pflanzendrinks, insbesondere Haferdrinks, läuft bei uns ungebrochen gut – auch ohne Preisreduktion. Wir machen keine Herstelleraktionen mit. Bei uns behält jedes Lebensmittel dauerhaft seinen Wert.
  • Wir führen vier Marken, davon eine frische Hafermilch im Kühlregal sowie eine Flaschenvariante im nicht gekühlten Sortiment, die wir Kunden empfehlen, die auf Abfallvermeidung Wert legen und keine Tetrapacks kaufen möchten.
  • Das Haferdrink-Sortiment ist stark dank seiner Vielfalt mit z.B. Barista und Zero Zucker – das kann gut in der Beratung betont werden. Ein weiterer Vorteil von Haferdrink im Fachhandel, den ich gerne erwähne: Die Rohstoffe kommen aus Europa, wenn nicht sogar Deutschland, ein eindeutiger ökologischer Pluspunkt

Basiswissen

Den Anfang machte in den 1990er Jahren der schwedische Chemiker Rickard Öste: Er entwickelte mit Hilfe von Enzymen einen schmackhaften Drink aus Hafer und Wasser – den Grundstein für den Haferdrink der Marke Oatly. Seit 2001 steht er in den Bioläden und ist längst nicht mehr allein. Das Gros der Produkte sind haltbare Drinks in Tetrapacks, die größtenteils aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sowie recyclebar sind.

Sie stehen ungekühlt im Regal und werden seit Kurzem durch Hafermilch in Pfandflaschen von Voelkel ergänzt. Neu sind frische Varianten, Haferdrinks die anstelle einer Ultrahocherhitzung pasteurisiert werden, zum Beispiel von VeLike. Sie brauchen einen Platz im Kühlregal und ähneln Frischmilch.

Schlanke Zutatenliste

Die Nachfrage nach den Milchersatzprodukten boomt. Offensichtlich kommt die leichte Hafernote der Pflanzendrinks den Konsumentinnen und Konsumenten gerade recht: Sie mundet sowohl im Glas als auch – besonders bei Barista-Haferdrinks – geschäumt in der Kaffeetasse. Ihr Aroma passt gut in Müsli und Getreidebreie oder zum Nachtisch. Die Zutatenliste ist übersichtlich. In vielen Bio-Produkten landen ausschließlich Wasser, Vollkorn-Hafer, Sonnenblumenöl und Salz.

Je nach Hersteller und Produkt werden unterschiedliche Mengen Hafer verarbeitet, nach Zutatenliste sind es zwischen sieben bis 16 Prozent – Farbe, Geschmack und Sämigkeit werden dadurch mitbestimmt. Um den Drink herzustellen, wird der Hafer mit Wasser gemischt, gekocht und anschließend meist mit dem Enzym Amylase versetzt, das die Stärke in Zucker spaltet.

Bei Bio-Haferdrink ist die Zutatenliste meist überschaubar.

Sonnenblumenöl oder -lecithin dient als Emulgator und sorgt für die weiß-beige Farbe sowie eine gute Durchmischung. Vereinzelt werden Zutaten wie Gellan, Inulin, Zichorienwurzel, Johannisbrotkernmehl, Agavenfaser oder Sojabohnen für mehr Cremigkeit oder eine bessere Schaumbildung eingesetzt. Insgesamt ist bei den Bio-Getränken die Zutatenliste meist kürzer als bei den konventionellen, bei denen manchmal Phosphat, Vitamine oder Kaliumjodid zugesetzt wird.

Gute öko-Bilanz und engmaschige Kontrollen

Keine Kuh muss leiden In Sachen Tierwohl punktet Hafermilch ebenso wie alle anderen pflanzlichen Drinks – keine Kuh muss dafür leiden. Unter Umwelt- und Klimaschutzaspekten ist Haferdrink sogar Primus. Seine errechnete durchschnittliche CO2-Bilanz pro Liter liegt bei 0,28 kg Gegenüber 1,3 kg von Milch. Hafer sticht dabei auch seine Kollegen aus, etwa Soja, weil dafür mehr Land und Energie verbraucht wird, sowie Mandeln und Reis, die im Anbau viel Wasser benötigen.

Der verwendete Hafer kommt bei Bio-Drinks aus Europa, vorzugsweise aus dem Land, in dem die Produktionsstätte steht. Das allein vermindert bereits bei der Produktion weite Transporte und CO2-Ausstoß. Bei Allos ist das beispielsweise Italien. „Hier stellen wir zudem nach dem Zero-Waste-Prinzip her“, betont Sandra Spremberg, Leitung Marketing der Allos Hofmanufaktur.

Fertigungsabfälle, beispielsweise Kleie oder Überschussschlamm, werden in der Landwirtschaft verfüttert oder als Düngemittel auf den bewirtschafteten Flächen rund um das Werk verwendet, erklärt sie. Zudem reduziert der 100 prozentig geschlossene Wasserkreislauf den Wasserverbrauch. Andere Bio-Marken verarbeiten größtenteils Hafer aus Deutschland (z.B. Natumi), kleinere Hersteller wie Velike beziehen ausschließlich von Vertragsbauern aus der nahen Region.

Weil Hafer Nickel anreichert, gab es in der Vergangenheit vereinzelt Probleme damit in konventionellen Produkten. Ebenso können Schimmelpilze oder Pestizide die Ware belasten. Bio-Hersteller investieren viel in ein engmaschiges Qualitäts-Kontrollsystem, um hochwertige schadstofffreie Produkte zu sichern.

Alternative zu Kuhmilch

Gesundheitlich hat Haferdrink ebenfalls die Nase vorn: Wie alle Pflanzendrinks ist er zwar keine gleichwertige Alternative zu Milch, urteilt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Jedoch vor allem bei Lactoseintoleranz oder Kuhmilchproteinallergie sowie bei Verzicht auf Milch aus ethischen Gründen, könne Hafermilch ein guter Ersatz oder eine Ergänzung sein.

Haferdrink ohne Zuckerzusatz liefert etwa 43 kcal/100 ml, Vollmilch liegt in der gleichen Menge bei 65 kcal. Dabei ist der Fettgehalt von Haferdrink mit 1,3 g/100 ml deutlich niedriger als der von Milch (3,5 g), ebenso beim Eiweiß mit unter 1g/100 ml – gut für Personen, die wenig Eiweiß verzehren sollen.

Durch die Fermentation mit Amylase liegt der Zuckergehalt bei etwa 5-8 g/100 ml. Das ist durchschnittlich mehr als in Milch. Wer diese Süße nicht möchte, kann auf spezielle zuckerfreie Drinks umsteigen, denen im Herstellungsverfahren der Zucker auf Null reduziert wird. Zusätzliches Ass von Haferdrink: Er enthält viele ß-Glucane, lösliche Ballaststoffe, die den Cholesterinspiegel regulieren helfen.

Was Kunden wissen wollen

Was ist mit Calcium?

Haferdrink enthält von Natur aus wenig Calcium. Bio-Hersteller behalfen sich mit der natürlichen Meeresalge Lithotamnium calcareum, mit der ein Calciumgehalt von bis zu 120 mg/l erreicht wurde. Ein Urteil des Europäsichen Gerichtshofs hat diese Anreicherung verboten (Widerspruch läuft). Bis auf Weiteres stellen einige Bio-Marken (u.a. Oatly) die Produktion derart angereicherter Drinks ein, der Abverkauf ist noch möglich.

Wie lange hält Haferdrink?

Ultrahocherhitzte Varianten können bei Zimmertemperatur über 12 Monate gelagert werden. Frische Drinks gekühlt nur 21 Tage. Nach dem Öffnen gehört Haferdrink in den Kühlschrank und muss innerhalb von drei bis fünf Tagen verbraucht werden.

Wieso eigentlich nicht ‚Hafermilch‘?

Das EU-Lebensmittelrecht legt fest, dass nur, was aus einem Euter kommt, Milch genannt werden darf. Auch wenn pflanzliche Drinks optisch und in der Verwendung Milch gleichen, dürfen sie nur als ‚Drink‘ deklariert werden.

Hersteller und ihre Produkte

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