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Naturkosmetik im Test

Ökotest: Titandioxid gehört nicht auf die Lippen

Der weiße Farbstoff Titandioxid steht seit kurzem unter Krebsverdacht. Weil er von den Lippen in den Magen gelangen kann, wertete das Testmagazin auch Naturkosmetik-Lipglosse ab, die den bedenklichen Stoff enthielten.

16 Lipgloss-Stifte waren im Ökotest, sieben davon mit Naturkosmetik-Siegel. Die Produkte von Alverde, Benecos und Dr.Hauschka kamen ohne Titandioxid aus und bekamen die Note „sehr gut“. Im Lipgloss von Lavera, Logona, Alterra (Rossmann) und Terra Naturi (Müller) fand sich der weiße Farbstoff. Das wertete Ökotest um zwei Stufen ab und vergab die Note „befriedigend“. Fast alle konventionellen Produkte erhielten die Rote Karte, weil sie neben Titandioxid auch Paraffine als Basiszutat enthielten. Im Oktober wurden bei Untersuchungen der Stiftung Warentest bereits einige rot-braune Lippenstifte in Naturkosmetik-Qualität herabgestuft, da sie den weißen Farbstoff enthielten.

Titandioxid: Das gefährliche Weiß

Titandioxid (TiO2) färbt nicht nur Wände weiß, sondern auch Kaugummis, Dragees oder Zuckerguss für Süßwaren. Ganz offiziell als zugelassener Zusatzstoff E 171, der bisher als unbedenklich galt und in konventionellen Lebensmitteln ohne Mengenbeschränkung verwendet werden durfte. Doch die Experten der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA haben E 171 neu bewertet und als „nicht sicher“ eingestuft.

Sie konnten nicht ausschließen, dass sich die winzigen Farbstoff-Partikel im Körper ansammeln, in den Zellen das Erbgut schädigen – und damit womöglich Krebs auslösen. Auch verursachte der Stoff in Tierversuchen Darmentzündungen. Nun müssen die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten daraus Konsequenzen ziehen. Voraussichtlich werden sie E 171 in Lebensmitteln stark beschränken oder ganz verbieten.

Einstufung bei Kosmetik noch offen

Zugelassen ist Titandioxid auch in der Naturkosmetik: als Farbstoff CI 77891 und als mineralischer Sonnenschutz. Beim Sonnenschutz bleibt die Farbe auf der Haut und gelangt nicht in den Magen. Anders sieht es bei Lippenstift und Zahncreme aus. Hier können die Partikel verschluckt werden. Derzeit beraten die Kosmetikexperten der EFSA im Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS, Deutsch: Wissenschaftliches Komitee für Verbrauchersicherheit) über Titandioxid in diesen Produkten.

Ökotest zitiert Harald Dittmar für den Naturkosmetik-Standard Cosmos mit den Worten: „Wir warten jetzt ab, was beim SCCS rauskommt. Erst dann ziehen wir Konsequenzen für unseren Standard.“ Ökotest zitiert das Bundesinstitut für Risikobewertung mit dem Hinweis, dass Titandioxid in Kosmetika häufig in beschichteten Varianten eingesetzt werde und deshalb unklar sei, ob man es so einfach mit E 171 in Lebensmitteln gleichsetzen könne.

Eine Landesbehörde schrieb Ökotest, es spreche „nach derzeitigem Stand nichts gegen den Einsatz von Titandioxid im Lippenkosmetik“. Das Magazin jedoch argumentiert: „Bei allen Fragezeichen hinter der Neueinstufung von Titandioxid – wir denken: Der vorbeugende Verbraucherschutz sollte in diesem Fall vorgehen.“

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