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Speiseeis: Was jetzt gefragt ist – und was nicht

Eis verkauft sich das ganze Jahr über. Doch die Umsatzbringer sind im Sommer andere als im Winter.

17.06.2020 vonGudrun Ambros

Eis am Stiel: Nicht nur jetzt im Sommer greifen Kunden in die Kühltruhe.

Eis verkauft sich das ganze Jahr über. Doch die Umsatzbringer sind im Sommer andere als im Winter.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr die Menschen nach draußen locken, steigt der Appetit auf kalte Köstlichkeiten – die Eissaison beginnt. Von April bis August ist der Umsatz mit Eis deutlich höher als in den restlichen Monaten. Das zeigen die Zahlen der Biomarkt-Analyse von bioVista. Im Rekordsommer 2018 stieg der Eisumsatz um 26,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Doch selbst in der kalten Jahreszeit greifen Kunden in die Kühltruhe. Nicht so viel wie im Sommer, aber mit einem kräftigen Zwischenhoch zur Weihnachtszeit. Erstaunlich ist allerdings, dass die Umsatzkurve schon ab August deutlich nach unten geht. Denn oft ist es im September noch recht warm.

Eisgröße variiert je nach Jahreszeit

Hauptumsatzbringer im Sommer ist das Portionssortiment mit kleinen Bechern, Stiel- und Waffeleis, Eissandwiches und Quetschtüten. Im Winter dagegen steigt die Nachfrage nach Familienpackungen. Elke Delion,Filialleiterin im Tübinger Marktladen, stellte fest, dass Kunden im Winter mehr Vanilleeis einkaufen als im Sommer. Ihre Schlussfolgerung: „Dann müssen die TK-Früchte ganz in der Nähe eingeräumt sein.“ Heiße Beeren oder Sauerkirschen zu kaltem Eis, ein leckerer und schnell zubereiteter Nachtisch. „Das verkauft sich wie von selbst,“ sagt Elke Delion.

Die edlen, feinen Sorten kommen ihrer Erfahrung nach zur Weihnachtszeit ebenfalls gut an. Deshalb funktionierte im Marktladen – trotz kalter Jahreszeit – auch die Einführung der Premium-​Marke Del Fiore Gelato im Dezember 2017.

Die Preisunterschiede am Bio-Speiseeismarkt sind groß: Während 500 Milliliter Vanilleeis einer Preiseinstiegsmarke wie BioCool oder Dennree rund 2,50 Euro kosten, steigt der Preis bei 500-Milliliter-Familienpackungen bei Schrozberger oder Rachelli auf durchschnittlich 5,40 Euro.

Die Konkurrenz ist groß

Gerade mal sechs Anbieter teilen sich 70 Prozent des Marktes: Rachelli, Schrozberger, Dennree, Del Fiore, Icecream Factory und Helador. Dahinter folgen 26 Marken. Die große Zahl der Anbieter belebt den Bio-Eismarkt.

Neue Marken kommen und verschwinden. Dass Eis teuren Kühltruhenplatz benötigt, verstärkt die Dynamik. Was nicht zum Basissortiment gehört, wird im Herbst nicht mehr nachbestellt. „In jeder Folgesaison werden die Karten neu gemischt“, sagt bioVista-Analyst Fabian Ganz.

Die Auswahl an Eissorten ist ebenfalls groß. Der Tübinger Marktladen bezieht von neun Herstellern zwischen 80 und 90 Sorten. Wichtig seien die Klassiker Vanille- und Schokoeis: „Unsere Bestseller, die dürfen keinesfalls in der Auswahl versteckt werden,“ sagt Elke Delion.

Dazu kommen „kleine Spezialitäten“. Ziegenmilcheis etwa (Helador) für Menschen mit Kuhmilchunverträglichkeit oder Eis, das nur mit Datteln gesüßt wird (IceDate). Vegane Sorten seien ebenfalls sehr gefragt oder auch Eispralinen (Helador) als Mitbringsel.

Eis-Präsentation außerhalb der Tiefkühltruhe

Dem Kunden schon außerhalb der Truhe die Eisauswahl zu zeigen, hält Sandra Kolb vom Stuttgarter Biomarkt Organix für schwierig. „Da bräuchte ich von jedem Anbieter eine Karte, das gäbe einen Schilderwald.“ Orientierungshilfen im Organix geben die Etiketten am Truhenrand, gegebenenfalls ergänzt durch ein Neuheiten-Schild.

Elke Delion weist darauf hin, dass Großhändler Eisplakate anbieten. Allerdings nur mit deren Auswahl, die sich nicht immer mit der des Einzelhändlers deckt. Im Tübinger Marktladen gibt es trotzdem Eisplakate – selbst entworfen von einer Kollegin Delions.

Werbemittel-Unterstützung gibt es etwa von Demeter Felderzeugnisse, die Sonnenschirme, Plakate, Fahnen und Beachflags von Rachelli zur Verfügung stellen. Manche Hersteller unterstützen auch bei Verkostungen. „Wir kommen mit unserer Tiefkühl-​Tonne“, verspricht Stefano De Giglio für Del Fiore Gelato. „Damit hatten wir schon sehr erfolgreiche Verkostungen“, berichtet Elke Delion, „so etwas bleibt in Erinnerung“.

Und sie liefert zwei weitere Ideen, wie ein Einzelhändler für Eis und damit für den gesamten Bioladen werben kann: Wenn im Marktladen-Bistro Eiskaffee angeboten wird, steht auf dem Tresen eine leere Verpackung, die zeigt, welches Vanilleeis das Getränk verfeinert. Dazu ein Schild: „Wir machen heute Eiskaffee mit …“

Für den Sommer ist angedacht, im Bistro Milchshakes mit diversen Eissorten anzubieten. Natürlich ebenfalls mit dem passenden Hinweis auf der Theke.

Tipps von der Kollegin

Sandra Kolb, Organix Biomarkt in Stuttgart-Feuerbach (540 Quadratmeter)
  • „Eis verkaufen wir problemlos das ganze Jahr über. Im Winter präsentieren wir sieben Marken. Die passen in eine Truhe.
  • Für den Sommer stellen wir zwei weitere Truhen auf – eine davon füllen wir mit Stieleis; die kommt an die Kasse. Um die Mittagszeit kommt viel Laufkundschaft von den Firmen rundum. Die nimmt davon gerne mit.
  • Über den Truhen mit den Familienpackungen haben wir ein Brett angebracht, auf dem wir Eiswaffeln, Schokosoßen und Schokostreusel anbieten.
  • Für Verkostungen gibt es bei uns kleine Portionsschalen aus Glas. Die kommen dann in die Spülmaschine. Vor einigen Jahren war auch mal ein Eismacher aus der Region da. Der füllte das Eis in Waffeln.“

Hersteller und ihre Produkte

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