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Waschmittel: Waschen mit weißer Weste

Öko-Waschmittel versprechen saubere Wäsche ohne Mensch und Umwelt zu schaden. In ihrer Rezeptur unterscheiden sie sich deutlich von herkömmlichen Produkten. Entsprechend beratungsintensiv sind sie.

13.12.2017 vonLeo Frühschütz

Der Begriff „Bio“ ist bei Waschmitteln nicht geschützt.

Öko-Waschmittel versprechen saubere Wäsche ohne Mensch und Umwelt zu schaden. In ihrer Rezeptur unterscheiden sie sich deutlich von herkömmlichen Produkten. Entsprechend beratungsintensiv sind sie.

Öko-Waschmittel waschen ebenso sauber wie konventionelle – aber anders. Einen großen Unterschied machen die Stoffe, die nicht drin sind: Die Hersteller von Öko-Waschmitteln verzichten auf synthetische Farb- und Duftstoffe (außer Ecover), optische Aufheller, chlororganische Chemikalien und synthetische Verfärbungsverhinderer. Denn viele dieser Substanzen machen nicht nur Wasserorganismen das Leben schwer, sondern auch Allergikern oder Chemikalien-sensitiven Menschen, wenn Spuren davon in der Wäsche verbleiben.

Öko-Waschmittel ist gentechnikfrei

Konventionelle Waschmittel verwenden Enzyme. Das sind natürliche Stoffe, die Stärke, Fett oder Eiweiße spalten können. Doch werden die allermeisten mit Hilfe von gentechnisch manipulierten Mikroorganismen hergestellt. Viele Enzyme sind zudem gentechnisch verändert. Hersteller von Öko-Waschmitteln verzichten auf deren Einsatz. Lediglich Almawin setzt in seinen zwei Waschpulvern eine gentechnikfreie Protease ein, also Enzyme, die nicht von gentechnisch veränderten Mikroorganismen stammen.

Die Öko-Hersteller Sonett, Sodasan und – etwas weniger ausgeprägt – Almawin setzen auf Seife als waschaktive Substanz und verwenden dafür Pflanzenöle aus Bio-Anbau. Tenside sind ergiebiger als Seifen und kommen besser mit hartem Wasser zurecht. Hergestellt werden die vor allem eingesetzten Fettalkoholsulfate und Zuckertenside aus pflanzlichen Rohstoffen, die aus konventioneller Landwirtschaft stammen. Klar und Ecover setzen ganz oder überwiegend auf Tenside. In den Waschnussprodukten von Klar und Almawin (Cleanut) finden sich natürliche Tenside, die Saponine, aus indischen Waschnüssen. Sonett verwendet in einigen Produkten Saponine aus der Rinde des Seifenbaums.

Seifen und Tenside aus Öko-Waschmitteln sind biologisch abbaubar

Neben den waschaktiven Substanzen unterscheiden sich die großen Anbieter auch in ihrer Philosophie. Der anthroposophisch orientierte Hersteller Sonett nennt als Alleinstellungsmerkmale das Baukasten-Prinzip sowie die Verwendung von verwirbeltem Wasser und balsamischen Essenzen. Sodasan sieht sich als Seifenexperte und betont die ökologische und CO2-neutrale Herstellung der Produkte. Almawin verweist darauf, dass alle Produkte dermatolgisch getestet sind. Mit Klar verfügt der Anbieter über ein komplett duftstofffreies Sortiment.

Seifen und Tenside aus Öko-Waschmitteln sind vollkommen biologisch abbaubar. Das ist nicht selbstverständlich. Zwar steht seit 2004 im Gesetz, dass Tenside das sein müssen. Doch verlangt der vorgeschriebene Test lediglich, dass die „biologische Abbaubarkeit (Mineralisierung) innerhalb von achtundzwanzig Tagen mindestens 60 Prozent beträgt“. Anders gesagt: Tenside dürfen auch in problematische, langlebige Abbauprodukte zerfallen, die ins Wasser gelangen. Und das in Mengen. Die Deutschen verbrauchen laut Branchenverband IKW im Jahr rund 600.000 Tonnen Waschmittel. Diese enthalten nicht nur Tenside, sondern auch zahlreiche andere Zutaten, von denen selbst der IKW viele als schwer abbaubar einstuft. Dazu zählen die als Enthärter eingesetzten Phosphonate und Polycarboxylate. Zutaten, die in Öko-Waschmitteln nicht vorkommen.

Echtes Öko ist zertifiziert

Neben Seifen und Tensiden beinhalten Waschpulver Soda und Silikate, die das Waschwasser alkalisch machen und damit die Waschkraft unterstützen. Beides sind natürliche und unproblematische Mineralsalze. Hartes, kalkreiches Wasser enthärten in Öko-Waschmitteln meist Citrate, die Salze der Zitronensäure. Natriumpercarbonat setzt beim Waschen Sauerstoff frei, dieser bleicht weiße Wäsche. Viele Öko-Waschmittel duften dezent nach ätherischen Ölen. Für Allergiker und Menschen mit sehr empfindlicher Haut bieten die Hersteller duftfreie Alternativen an.

Der Begriff „Bio“ ist bei Waschmitteln nicht geschützt. Für Bioläden hat der BNN in seiner Sortimentsrichtlinie Kriterien für Wasch- und Reinigungsmittel festgelegt. Sie erlauben nur gentechnikfreie Enzyme, verlangen mehr biologische Abbaubarkeit als der Gesetzgeber und schließen bestimmte problematische Stoffe aus. In manchen Rezepturen noch enthaltene petrochemische Inhaltsstoffe sowie Enzyme aus Gentechnik sollen bis Ende 2018 ausgetauscht werden. Diese echten Öko-Waschmittel werden von externen Kontrollstellen zertifiziert und tragen dann das Siegel von Ecogarantie, Ecocert, NCP (Natural Care Product) oder Austria Bio Garantie.

Was Kunden wissen wollen

Waschen die auch wirklich sauber?

Die Tests von Verbraucherzeitschriften zeigen, dass Öko-Waschmittel von der Reinigungsleistung her mit konventionellen Produkten mithalten. Dabei kommen die Ökos ohne Gentech-Enzyme aus, die ansonsten helfen, Fett- und Eiweiß-Flecken zu lösen. Sie verzichten auch auf optische Aufheller, die in konventionellen Mitteln weiße Wäsche heller strahlen lassen.

Was ist daran jetzt öko?

Öko-Waschmittel reinigen die Wäsche mit Seifen und Tensiden, die ausschließlich aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden. Sie enthalten keine Zutaten aus der Erdölchemie. Ebenfalls tabu sind synthetische Farb- und Duftstoffe, Gentech-Enzyme, optische Aufheller und Konservierungsstoffe. Die Hersteller achten darauf, dass die Waschmittel nach Gebrauch vollständig biologisch abbaubar sind und produzieren möglichst umweltverträglich.

Warum haben die kein Bio-Siegel?

Die EU-Öko-Verordnung gilt nur für Lebensmittel. Deshalb können Waschmittel nicht nach Bio-Richtlinien zertifiziert werden. Schlimmer noch: Jeder Hersteller darf sein Waschmittel als Bio bewerben, ohne irgendwelche Kriterien einhalten zu müssen. Waschmittelhersteller im Biofachhandel hingegen lassen sich von externen Kontrollstellen zertifizieren, die Standards für Öko-Waschmittel erarbeitet haben. Dazu zählt, neben dem Verzicht auf viele problematische Inhaltsstoffe, dass die Öle für Seifen aus Bio-Anbau stammen müssen.

Welches Waschmittel ist das richtige?

Vollwaschmittel

Sie sind gedacht für weiße Wäsche und stark Verschmutztes. Neben den waschaktiven Substanzen enthalten sie bleichende Wirkstoffe, die Flecken aufhellen – aber auch die Farben von bunter Wäsche. Öko-Produkte kommen ohne optische Aufheller aus.

Color

Diese Waschmittel enthalten keine bleichenden Wirkstoffe und sind deshalb besonders gut für farbige Wäsche geeignet. Schwarze Wäsche waschen sie ebenso schonend wie spezielle Schwarzwaschmittel, hat die Stiftung Warentest festgestellt.

Feinwaschmittel

Sie sind für Wolle, Seide, Daunen und andere eiweißhaltige Fasern gedacht und werden oft entsprechend ausgelobt. Sie enthalten weniger waschaktive Substanzen als andere Produkte, dafür aber rückfettende Zutaten, die die Fasern pflegen.

Sensitiv

Wie in der Naturkosmetik steht Sensitiv für eine Rezeptur ohne ätherische Öle, balsamische Zusätze und Konservierungsstoffe. Auch die Tensidmischung ist milder als bei normalem Color-oder Vollwaschmittel. Ideal für Duftstoff-Allergiker.

Weichspüler

Entfernt Waschmittelrückstände und macht die Wäsche glatt und flauschig. Es gibt Öko-Weichspüler, die dafür nur Citrate verwenden. Andere setzen, wie herkömmliche Produkte auch, noch öko-zertifizierbare kationische Tenside mit Erdölbestandteilen ein.

Sport

Sportkleidung ist schnell verschwitzt und wird deshalb oft gewaschen. Die speziellen Mittel dafür reinigen ohne Seifen, um die atmungsaktive Membran nicht zu verstopfen. Sie enthalten den geruchshemmenden Wirkstoff Zinkricinoleat.

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