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Tiernahrung: Bio für Hund und Katz

Kunden, die für ihre tierischen Lieblinge im Bioladen auf Futtersuche gehen, finden dort eine gute Auswahl: mit Fleisch von Tieren, die selbst möglichst artgerecht gehalten wurden.

14.06.2018 vonGudrun Ambros

Darüber, was generell in Heimtierfutter steckt, herrscht viel Unklarheit.

Kunden, die für ihre tierischen Lieblinge im Bioladen auf Futtersuche gehen, finden dort eine gute Auswahl: mit Fleisch von Tieren, die selbst möglichst artgerecht gehalten wurden.

„Alles was das Tier braucht“ – was in der Werbung so großartig und einfach klingt, erscheint für Hunde- und Katzenfreunde ziemlich kompliziert. Denn tatsächlich herrschen Glaubenskriege darüber, was ein Heimtier benötigt. Die einen sagen, vegetarische Kost ist möglich, andere sagen, dass nicht. Die einen wünschen Rohkost für ihr Tier, andere sagen, vorgekocht sei besser. Die einen wollen nur bestes Fleisch, weitere verteufeln das Trockenfutter, andere das Getreide oder überhaupt Fertigfutter. Biohändler, die Heimtierfutter verkaufen wollen, müssen also gut informiert sein – auch darüber, was Hund und Katze benötigen. Bei der ersten Orientierung helfen die Empfehlungen des Deutschen Tierschutzbunds, die im Internet zu finden sind.

Fest steht: Die Katzen und Hunde, die mit uns zusammenleben, stammen von Wildtieren ab, die sich von Beutetieren ernährten. Ihre Nachfahren benötigen auch heute noch reichlich Fleisch. Pur ist es aber ziemlich teuer und das einfacher handhabbare Trockenfutter lässt sich ohne Getreidestärke nicht so gut herstellen. Auch deswegen enthält Heimtierfutter oft einen gewissen Anteil an aufgeschlossenem Getreide, Gemüse und Obst und dazu, wenn nötig, Mineralien, Vitamine und andere Zusatzstoffe. Trockenfutter entsteht meist im Extruder: unter Druck und bei großer Hitze, wobei die Getreidestärke verkleistert. Die Zutaten fürs Nassfutter werden gegart, im Fleischwolf zerkleinert, eingedost und sterilisiert.

Bio-Hersteller setzen auf offene, transparente Deklaration

Die klassischen Vorzüge von Bio für Tiernahrung sind klar: Pflanzliche Zutaten liefert eine ökologische, umweltschonende Landwirtschaft, Gentechnik ist tabu, tierische Zutaten stammen von Tieren, denen etwa mehr Platz und Auslauf zur Verfügung stand und die ohne vorbeugend gegebene Antibiotika aufwuchsen. Noch gibt es für Heimtierfutter keine Öko-Durchführungsverordnung auf europäischer Ebene. Daher sind auf den Verpackungen die Siegel von Verbänden oder nationale Bio-Label erlaubt. Auch das deutsche Siegel darf verwendet werden, obwohl innerhalb der sechs Ecken „Bio laut EU-Verordnung“ steht.

Darüber, was generell in Heimtierfutter steckt, herrscht viel Unklarheit. Hans-Ulrich Grimm nennt in seinem Schwarzbuch-Klassiker „Katzen würden Mäuse kaufen“ einige unappetitliche Details. Künstliche Farbstoffe, umstrittene Antioxidantien, Konservierungsmittel, Geruchs- und Aromastoffe zum Überdecken unangenehmer Gerüche – all das können Verbraucher kaum nachprüfen, denn die deutsche Futtermittelverordnung lässt vieles zu, was in der Deklaration nicht auftauchen muss. Bio-Verordnungen schränken den Einsatz von Zusatzstoffen stark ein.

Ein weiterer heikler Punkt sind die „tierischen Nebenerzeugnisse“. Für die Produktion von Heimtierfutter zugelassen sind Schlachtabfälle der Kategorie 3. Dazu gehören Kutteln, Herz, Innereien, aber auch Klauen, Sehnen und Knorpel. André Schröder von Schröder‘s Bio hat genau deswegen vor einem Jahr begonnen, neben Fleisch und Wurst auch Heimtierfutter zu produzieren: damit möglichst viele Teile seiner hochwertigen Bio-Tiere optimal verwertet werden. Billige minderwertige Füllstoffe wie Tiermehl von Schnäbeln, Klauen, Hufen oder Federn verarbeitet er nicht. Ähnlich halten es auch die anderen Bio-Produzenten. Und viele verzichten auf Sammelbegriffe und schreiben klar und detailliert drauf, was drin ist in Beutel, Glas oder Dose.

Für jedes Tier das richtige Futter

Diese offene, transparente Deklaration hilft all jenen Heimtieren, die unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten leiden oder krank sind. Darüber hinaus bekommen sie im Bioladen Futter mit reinem oder hohem Fleischanteil, mit nur einer Proteinquelle, getreide- oder glutenfrei, vegetarisch – nötig bei Eiweißunverträglichkeit, mit natürlichem Vitamin E als Konservierungsmittel. Für kranke oder übergewichtige Tiere hat Biopur Diätfutter oder leichte Kost im Angebot. Hermann’s Manufaktur präsentiert ein Trockenfutter, das, angerührt mit warmem Wasser, zu Feuchtfutter wird.

Terra Pura hat ein Trockenfutter im Programm, das nicht im Extruder hergestellt wurde, sondern durch sogenannte Kaltpressung bei 60 Grad Celsius entsteht. Je nach Alter führen viele Hersteller ein oder mehrere Extraprodukte: „Jungtiere benötigen viel Protein, weil sie noch wachsen. Ein Senior braucht weniger Protein und Fett, bekommt dafür aber Hagebutte und Teufelskralle dazu – das ist gut für die Gelenke“, erklärt Arthur Hartman von Yarrah.

Was Kunden wissen wollen

Kann ich mein Tier vegetarisch ernähren?

Katzen sind Fleischfresser. Auch der Deutsche Tierschutzbund rät von vegetarischer Ernährung ab. Hunde haben sich schon eher an die menschliche Ernährung angepasst – ihnen schaden gelegentliche vegetarische Mahlzeiten nicht.

Sind genug Nährstoffe im Futter?

Tests kritisieren gelegentlich, dass Nährstoffe nicht in der nötigen Ausgewogenheit vorliegen – Ergebnisse, die auch Bio-Produzenten treffen können. Futterhersteller und Tierärzte raten daher beim Füttern immer wieder für Abwechslung zu sorgen.

Ich glaube, mein Tier hat eine Allergie

Viele Katzen- oder Hundehalter stellen auf Bio-Futter um, weil dieses kaum Zusatzstoffe enthält und die meisten Bio-Futter-Hersteller offen deklarieren, was drin ist. Wichtig ist, dass zunächst der Tierarzt abklärt, ob, und wenn ja, welche Allergie vorliegt.

Muss es unbedingt getreidefrei sein?

Katzen können geringe Mengen an aufgeschlossenem Getreide verdauen – vergleichbar zu dem, was die Beutemaus im Magen haben kann. Viele Hunde vertragen etwas mehr – auch hier sollte das Getreide vorverdaut sein. Absolut getreidefreies Futter ist nur bei Allergien oder Erkrankungen nötig.

Nass-, Trocken-, Ergänzungsfutter: Was ist drin?

Nassfutter

Es enthält tierische Zutaten pur oder aber einen sehr hohen Anteil an tierischen, kombiniert mit einem geringeren Anteil an pflanzlichen Zutaten und oft auch Getreide. Vorgegart und in Dose, Glas oder Aluschale sterilisiert.

Trockenfutter

In ihm steckt meist ein deutlicher Anteil an Getreide und pflanzlichen Zutaten. Das macht das Futter preiswerter. Außerdem sind diese Produkte einfacher in der Handhabung; sie halten auch einige Zeit nach Öffnen der Packung. Es sollte stets genügend Wasser dazu angeboten werden.

Snacks

Zur Beschäftigung, als Belohnung oder zur Zahnreinigung. Leckerli bestehen meist aus getrockneten oder leicht geräucherten Tierteilen wie Schweineohren, Hühnerhälsen oder Muskelfleisch, pur im Ganzen oder zu einer Art Wurst verarbeitet, eventuell mit geringem Getreidezusatz.

Ergänzungsfutter

Gepopptes oder geflocktes Getreide, Gemüse- und Obstflocken, tierische oder pflanzliche Zutaten pur oder auch Futterergänzungsmittel wie Eierschalenpulver gelten als Ergänzungsfutter. Alleinfutter, das Gegenstück, sollte alle nötigen Nährstoffe enthalten.

Gebäck

Kekse enthalten immer einen großen Anteil an Getreide. Dazu kommen wahlweise Äpfel, Karotten, Käse, Fisch, Kräuter, manchmal auch Ei, Pflanzenfett, Hefe, Zucker, Salz und Futterergänzungsmittel. Kekse sind nur als Leckerli gedacht.

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