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Spülmittel: Umwelt­verträgliche Sauberkeit

Handspülmittel und Tabs für die Maschine sind eine wichtige Produktgruppe im Biofachhandel. Was sie gegenüber konventionellen Produkten auszeichnet und worin sie sich unterscheiden, lesen Sie hier.

23.02.2020 vonLeo Frühschütz

Öko-Spülmittel zeichnen sich auch durch das aus, was nicht drin ist.

Handspülmittel und Tabs für die Maschine sind eine wichtige Produktgruppe im Biofachhandel. Was sie gegenüber konventionellen Produkten auszeichnet und worin sie sich unterscheiden, lesen Sie hier.

Spülmittel sind nicht besonders sexy, auch nicht lecker und optisch machen sie wenig her. Trotzdem sind sie eine wichtige Warengruppe im Biofachhandel. Denn sie stehen für umweltverträgliche Sauberkeit. Deshalb definieren sich Öko-Spülmittel (und die anderen Waschen-Putzen-Reinigen-Produkte, WPR) auch durch das, was nicht drin ist. Synthetische Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe fehlen ebenso wie petrochemische Zutaten und manch andere problematischen Chemikalien.

Dabei sind die Unterschiede bei den Maschinen-Spülmitteln deutlich größer als bei den Spülmitteln für die Handwäsche. Allerdings gibt es im WPR-Bereich keine gesetzlichen Definitionen, welche Mittel sich „Öko“ nennen dürfen. Für den Biofachhandel haben der Bundesverband Naturkost Naturwaren und Naturkost Süd in ihrer Sortimentsrichtlinie deshalb Kriterien für WPR-

Produkte festgelegt. Sie verbietet biologisch schwer abbaubare Stoffe, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Phosphate, Mikroplastik, Nanopartikel sowie den Einsatz von Gentechnik, etwa bei der Herstellung von Enzymen. Zudem schreibt sie eine externe Zertifizierung vor und lässt dafür die folgenden Standards zu: Austria Bio Garatie, Ecocert, Ecogarantie und Nature Care Product (NCP).

Spülen mit und ohne Duft

Handspülmittel bestehen im Wesentlichen aus Wasser, Tensiden aus pflanzlichen Rohstoffen und ätherischen Ölen für den Duft. Mehrere Hersteller bieten auch Sensitiv-Spülmittel ohne Beduftung an. Manche Rezepturen enthalten zu Konservierungszwecken etwas Alkohol. Bei konventionellen Handspülmitteln stammen die Tenside ganz oder teilweise aus der Erdölchemie. Die als „Öko“ beworbenen Mittel in Super- und Drogeriemärkten enthalten ethoxilierte Tenside, die aus pflanzlichen Rohstoffen und der Chemikalie Ethylendioxid hergestellt werden. Sie machen die Haut durchlässiger für Schadstoffe und enthalten herstellungsbedingt geringe Mengen krebserregendes Dioxan.

Die Plastikflaschen für Spülmittel bestehen bei Sodasan aus Recycling-PET, AlmaWin/Klar stellt derzeit auf Recycling-Polyethylen (PE) um; Ecover will dies in diesem Jahr noch angehen und verwendet derzeit PE aus Zuckerrohr. Sonett setzt dagegen neues PE ein. „Wir mussten feststellen, dass selbst Flaschen aus den bestgereinigten Recyclaten noch nach synthetischen Duftstoffen riechen“, sagt Sonett-Geschäftsführerin Beate Oberdorfer.

Das Trio für die Maschine

Für die Spülmaschine braucht es neben dem eigentlichen Reiniger noch Klarspüler und Regeneriersalz. All-in-one-Tabs gibt es in den Sortimenten für den Biofachhandel nicht. Sie funktionieren ohne Erdölchemie nicht. Schon die Öko-Pulver und Tabs weisen ausgefeilte Rezepturen auf, um die Stoffe zu ersetzen, die in konventionellen Tabs üblich sind.

In letzteren stabilisieren Phosphonate die Sauerstoff liefernden Bleichmittel; Polycarboxylate machen das Wasser weicher und ziehen als Komplexbildner störende Metallionen aus dem Verkehr. Beide Stoffe sind biologisch schwer abbaubar. Ihre Aufgaben übernehmen in einigen alternativen Rezepturen Stoffe wie Natriumpolyaspartat oder Tetranatriumglutamatdiacetat. Sie besitzen zwar natürliche Strukturen, werden aber auf chemischem Weg synthetisiert.

Ebenfalls aus der Erdölchemie stammt der von Ecocert und NCP erlaubte Bleichmittelaktivator TAED in den Tabs von AlmaWin, Klar und Ecover Essential. Diese drei Anbieter verwenden auch gentechnikfrei hergestellte Enzyme wie Protease, Amylase oder Subtilisin, um Eiweiß- und Stärkereste zu lösen. Sie unterscheiden sich damit deutlich von den Rezepturen von Sodasan und Sonett.

Öko-Tabs haben zwei Besonderheiten

Ob sich daraus Unterschiede in der Waschleistung ergeben, müssen die Kunden selbst beurteilen. Die Stiftung Warentest erteilte vor zwei Jahren den Öko-Spülmaschinenmitteln schlechte Noten und bewertete deren Reinigungsleistung deutlich schlechter als die der konventionellen Mittel. AlmaWin schrieb damals, dass bei dem Test auch Töpfe mit eingebrannten Essensresten in die Maschine gestellt worden seien und empfahl für diese Fälle vorreinigen. Sodasan kritisierte, dass die verwendete Testmethode ursprünglich zur Bewertung gentechnisch hergestellter Enzyme entwickelt worden sei und mit dem Alltag einer Spülmaschine wenig zu tun habe.

Zwei Besonderheiten weisen Öko-Tabs auf: Sie vertragen sich nicht mit Silbergeschirr, das läuft an. Konventionelle Mittel verhindern das durch Triazole, das sind hormonell wirksame Chemikalien, die so in die Gewässer gelangen. Auch gibt es Öko-Tabs nicht in Folie, die sich selbst auflöst. „Solche Folien bestehen aus Polyvinylalkohol und damit hab

Was Kunden wissen wollen

Sind alle Inhaltsstoffe bio?

Die meisten Inhaltsstoffe werden aus pflanzlichen Rohstoffen aus konventionellem Anbau hergestellt. Für eine eigene Verarbeitung von Bio-Rohstoffen sind die benötigten Mengen zu klein. Bio sind meist die ätherischen Öle und bei den Waschmitteln die verwendeten Seifen.

Funktionieren die Tabs in meiner Maschine?

Im Prinzip ja, die Reinigungsleistung ist vergleichbar mit konventionellen Tabs. Trotzdem kann es zu Problemen kommen, etwa wenn der Ionenaustauscher der Maschine auf konventionelle Tabs eingestellt ist und das Wasser nicht gut genug enthärtet. Da hilft es, den Austauscher auf härteres Wasser einzustellen. Ansonsten gilt: Probe-Tabs anbieten.

Die Öko-Tabs im Drogeriemarkt sind doch auch phosphatfrei?

Bio-Tabs waren schon immer phosphatfrei, herkömmliche dürfen seit Anfang 2017 kein Phosphat enthalten. Weiterhin erlaubt sind für diese jedoch die schwer abbaubaren Phosphonate sowie andere bedenkliche Inhaltsstoffe.

Für Handarbeit und für die Maschine

Spülmittel

Mischung aus Wasser und komplett abbaubaren Tensiden aus pflanzlichen Rohstoffen. Ein Spritzer ins Spülbecken reicht aus. Je nach Rezeptur können hautpflegende Zusätze und ätherische Öle zur Beduftung enthalten sein.

Maschinenspülmittel

Pulver zum Einfüllen in die Spülmaschine. Reinigt durch alkalische Silikate, Soda und Sauerstoff liefernde Carbonate. Manche Produkte enthalten auch fett- und stärkelösende Enzyme. Vorsicht bei Hautkontakt, wirkt ätzend.

Spülmaschinentabs

In Tablettenform gepresstes Maschinenspülmittel. Lässt sich einfacher handhaben als das in Beuteln abgefüllte Pulver. Benötigt aber ebenso Regeneriersalz und Klarspüler. All-in-one-Tabs gibt es im Biofachhandel nicht.

Klarspüler

Enthält Tenside, Alkohol und etwas Säure. Er neutralisiert die Reste der Spüllauge und sorgt dafür, dass das Wasser fleckenfrei vom Geschirr abläuft. Die Maschine informiert, wenn der Vorrat im Behälter ausgeht.

Regeneriersalz

Grobkörniges Speisesalz ohne Rieselmittel, Farbstoffe und sonstige Zusätze. Es regeneriert den fest eingebauten Ionenaustauscher der Spülmaschine. Dieser enthärtet das Wasser, indem er Calcium und Magnesium bindet.

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