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Limonade: Viel Frucht, weniger Zucker

Braucht Bio Limonade? Ja, sagt eine Branche, die neben Umweltverträglichkeit und Gesundheit auch auf Genuss setzt. Das Limo-Sortiment jedenfalls spricht für sich: Vielfältig, bunt und viel Geschmack – ohne zu süß zu sein.
20.02.2020 vonBrigitte Sager-Krauss

Bio-Limo erfrischt, schmeckt und ist nicht zu süß.

Für eine Limonade eindeutig zu wenig Zucker! Diese mahnende Botschaft erreichte Ende letzten Jahres den biofairen Limonadenproduzenten Lemonaid. Das Fachamt für Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt der Stadt Hamburg bemängelte, dass der Zuckergehalt in den Lemonaid-Getränken mit sechs Prozent zu niedrig sein.

Zu wenig süß, so die Kritik, denn die Leitsätze für Erfrischungsgetränke verlangen für Limonaden einen Zuckergehalt von mindestens sieben Gramm in 100 Millilitern. Die Behörde der Hansestadt forderte, entweder den Zuckergehalt zu erhöhen oder auf die Verkehrsbezeichnung Limonade zu verzichten, wenn die Rezeptur so beibehalten wird.

Das sorgte für Kopfschütteln. Denn die Limo entspricht den Maßgaben der aktuellen Zucker-Reduktionsstrategie des Gesundheitsministeriums – trotzdem wurde sie für ihre eigentlich positiven Produkteigenschaften gerügt.

Limonade braucht Zucker

Nicht nur Lemonaid ist betroffen. Wenig(er) Zucker – das ist eine der Stärken im Naturkostfachhandel. Es gibt mehrere Bio-Limonaden, deren Zuckergehalt unter der geforderten Sieben-Prozent-​Marke liegt: LimoNana von Ände, Aqua Monaco, Bionade, Djahe-​Spezialitäten, Limö von Mölle, Proviant-Limonade, Bio-Zisch von Voelkel – manche von ihnen enthalten lediglich fünf bis sechs Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Verbraucher nehmen die Getränke als Limonade wahr. Per Definition dürften sie allerdings „nur“ als Erfrischungsgetränk (Softdrink) bezeichnet werden.

Keine Probleme verursachen Produkte mit mehr als sieben Prozent Zucker, wie es bei vielen konventionellen Marken der Fall ist. CocaCola, Marktführer im Segment Softdrinks, deklariert seine Produkte in Deutschland derzeit mit rund neun Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Für die Süße sorgen raffinierter Industriezucker, Glucose-Fructose-Sirup sowie Süßstoffe.

Die sind bei Bio-Produkten tabu. Stattdessen verwenden Bio-Hersteller Rohrzucker, Traubensüße, Apfelsaftkonzentrat oder Agavendicksaft.Lammsbräu bezieht bewusst Rübenzucker von der eigenen Erzeugergemeinschaft aus der Region. Inhaber Johannes Ehrnsperger erklärt dazu: „Naturland zertifizierte Landwirte aus Süddeutschland bauen für uns Bio-Zuckerrüben an. Da bleiben die Wege kurz. Als wichtige Zwischenfrucht verringern Zuckerrüben zusätzlich sogar den Nitrat-Eintrag ins Grundwasser.“

Rezepturen mit viel Frucht

Ziel der Hersteller ist es, Limonaden anzubieten, die möglichst intensiv, aber nicht zu süß schmecken. Das gelingt durch einen hohen Fruchtanteil und natürliche Aromaquellen.

Die Geschmacksvielfalt ist groß: Kirsche-​Aronia, Rhabarber, Johannisbeere, Ananas-​Limette, Maracuja, Blutorange oder Grapefruit neben Klassikern wie naturtrübe Zitrone und Orange. Hinzu kommen Party-Getränke wie Ginger-​Ale, Tonic Water, Bitter-Lemon oder Cola. „Kombinationen wie Sanddorn-Verbene und Schlehe-Hagebutte neben den Klassikern Zitrone-Minze und Cassis-Himbeere machen die Limos zu einem Fest für Limonaden-Gourmets“, unterstreicht Stefanie Mölle-​Schröppel die geschmacklichen Besonderheiten des Mölle-Sortiments: Limonaden, hergestellt mit energetisiertem Wasser.

Je nach Sorte liegt der Fruchtsaftanteil bei fünf bis zwanzig Prozent. „Den hohen Fruchtgehalt durch natürliche Zutaten erkennt man unter anderem am Bodensatz einiger Limonaden, der vor dem Öffnen vorsichtig aufgeschüttelt werden sollte“, erklärt Johannes Ehrnsperger.

Einige Bio-Anbieter setzen ausschließlich auf Direktsäfte (Anjola, Beutelsbacher, Lemonaid, Mölle, Voelkel), andere ergänzen Fruchtsaftkonzentrate. Bei besonderen Geschmacksrichtungen wie Bitter Lemon, Ginger, Tonic oder Cola kommen Kräuter- oder andere Pflanzen​exrakte zum Einsatz, zum Beispiel Chinarinde, Ingwer, Nana-Minze, Hibiskus, Rosenblüten oder Melisse.

Bio-Limo kommt ohne Zusatzstoffe aus

Die meisten Bio-Hersteller verzichten auf den Zusatz von Extra-Aromen, die bei konventionellen Erfrischungsgetränken häufig mit auf der Zutatenliste stehen. Christine Frank von Beutelsbacher erläutert alternative, technische Kniffe: „Durch eine moderne Flaschenfüllanlage in Kombination mit Entgasung und Aromarückgewinnung gelingt es uns, wertvolle Aromen zu erhalten“.

Was in der Bio-Limo auch fehlt: Stabilisatoren, wie sogenannte Weighting Agents (zum Beispiel Glycerinester aus Wurzelharz, E445 oder Gummi arabicum, E414), die dafür sorgen, dass sich Trüb- und Geschmacksstoffe gleichmäßig im Getränk verteilen. Lemonaid verwendet dafür natürliches Citrus-Pektin, andere stabilisieren gar nicht.

Nach EU-Bio-Verordnung erlaubt sind außerdem Säurepuffer wie Kalzium- oder Magnesium-Carbonat. Bionade nutzt beides, andere wiederum, wie etwa Riedenburger, verfolgen den Grundsatz: „Es soll nichts rein, was aus geschmacklichen Gründen nicht rein soll“. Auch Proviant zeigt, wie das geht: Wasser, Orangensaft, Rohrzucker, Zitronensaft und Kohlensäure – fertig. Bio-Limo, einfach natürlich!

Was Kunden wissen wollen

Was ist eine gebraute Limonade?

Für gebraute Limonaden (Ände, Bionade, Riedenburger) wird, wie bei einem Bier, im Sudhaus Hefewürze mit Dinkel- oder Gerstenmalz gebraut und anschließend mit Milchsäurebakterien fermentiert. Es entsteht eine saure Malzbasis, zu der dann die Fruchsäfte und Süßungsmittel wie Zucker oder Agavendicksaft gemischt werden.

Mit welchem Wasser werden Limonaden hergestellt?

Ist lediglich „Wasser“ deklariert, kann es einfach Trinkwasser sein. Mineralwasser oder Quellwasser gibt den Hinweis auf hochwertigere Quellen (Anjola, Riedenburger). Lammsbräu, Landpark und Voelkel setzen auf Bio-Mineralwasser mit hohen Reinheits-und Nachhaltigkeitsstandards. Beutels[-]bacher entmineralisiert das Wasser – aus geschmacklichen Gründen.

Warum gibt es keine Bio-Limonaden ohne Zucker und Kalorien?

Bei einer Limo ohne Zucker und Kalorien kommen Süßstoffe wie Aspartam, Acesulfam K oder Saccharin zum Einsatz. Häufig schmecken die Getränke dadurch sogar noch süßer. Ernährungswissenschaftlich unnütz und unnatürlich.

Limo ist mehr als nur Zitrone oder Orange

Zitronenlimo ist ein Klassiker aus Wasser, Zucker und Zitronen(saft). Dem einfachen Prinzip kommen Zitronen- und Orangen-Limonaden aus dem Bio-Regal sehr nah. Neu und trendy: naturtrübe Varianten.

Zuckerreduziert darf als Hinweis auf Bio-Limonaden stehen. Mit etwa 4 bis 4,5 Gramm pro 100 Milliliter liegen sie 30 bis 45 Prozent unter dem Zuckeranteil herkömmlicher Produkte.

Ingwer-Spezial Wer die Schärfe von Ingwer liebt, wird bei Bio-Limos fündig: Ginger-Ale, Ginger-Beer, Limonade mit Ingwer als Geschmackszutat. Auch in milden Varianten – etwa mit Zitrone, Orange, Maracuja.

Party-Laune kommt auf bei Drinks mit Bar-​Keeper-Qualitäten: Bitter Lemon und Tonic Water ohne Aromen, dafür mit Extrakten aus Wermut, Thymian oder Enzian – mit oder ohne Chinin/ Chinarindenextrakt.

Cola & Co. Die natürliche Alternative zur Coke: Koffein aus Guarana, Limetten, gepaart mit Kräuterauszügen von Vanille, Zimt oder Muskatnuss – ohne Phosphorsäure und andere künstliche Zusätze.

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