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Alkoholfreies Bier dreht am schnellsten

Die Vielfalt an Bio-Bier ist enorm, manche Spezialitäten gibt es nur in Bio. Kurz: Ein Sortiment mit Chancen.

08.05.2020 vonLeo Frühschütz

Im Regal sollten immer Biere mehrerer Marken stehen – möglichst auch regionale Produkte.

Die Bioläden, die am Handelspanel bioVista teilnehmen, machen im Schnitt 0,57 Prozent ihres Umsatzes mit Bier. „Da setzt ein konventioneller Supermarkt deutlich mehr um“, sagt Nadine Schroff vom Vertrieb des Neumarkter Lammsbräu. „Es gibt Kunden, die fahren nach dem Bioladen in den Getränkemarkt und kaufen dort ihr Bier.“ Für die ausgebildete Biersommelière zeigt das die Chancen, die in dem Sortiment stecken.

Als ersten Schritt empfiehlt sie eine Sortimentsoptimierung zusammen mit dem Außendienst. Der checkt, ob die Renner alle gut im Regal positioniert sind. „Sie sollten zusätzlich in der Nähe auch in Kisten aufgestellt werden“, rät Schroff. „Kisten sind das A und O für den Mehrverkauf“. Einfach, weil zehn Flaschen auf einmal mitgenommen werden. „Wir haben bioVista- Zahlen ausgewertet und festgestellt, dass sich allein mit einer Regaloptimierung der Umsatz um 15 Prozent steigern lässt“, sagt Schroff. Als niedrigschwellige Einstiegshilfe bietet die Brauerei auch Optimierungsvorschläge für vier verschiedene Regalgrößen als pdf-Dateien.

So lässt sich das Sortiment optimieren

In ein optimiertes Regal gehören immer Biere mehrerer Marken. Neumarkter Lammsbräu ist im Biofachhandel der Platzhirsch, mit einem Marktanteil von 64 Prozent laut bioVista und mit einem Sortiment an eher klassischen Biersorten. Bundesweit liegt das Riedenburger Brauhaus mit seinen Spezialitäten auf Platz zwei. Die danach folgenden norddeutschen Brauereien Störtebeker und Pinkus sind im Süden eher schwach vertreten. Daneben gibt es kleine Brauereien, die in ihrer Region einen guten Namen haben. Manche brauen nur bio, andere konventionell und bio.

„Die Spezialitäten sind bei uns stärker als die traditionellen Sorten“, sagt Patrick Wallner, Vertriebschef des Riedenburger Brauhauses. Als Beispiele nennt er das Emmerbier oder die Craftbiere der Dolden-Reihe. Um diese Spezialitäten gut verkaufen zu können, brauche es ein fundiertes Fachwissen. „Derjenige, der sich um das Sortiment kümmert, sollte die Brauereien und ihre Biere kennen und wissen, wie sie hergestellt werden“, sagt Wallner.

Bei Riedenburger zum Beispiel komme das Bier immer unfiltriert, also naturtrüb in die Flasche. Zu den Spezialitäten, die ein Laden führen sollte, zählt Wallner auch regionale Bio-Biere. „In Berlin gehört die Braumanufaktur Potsdam mit ins Regal und in München die Biere der Haderner Brauerei.“ Die Vertriebsexperten empfehlen Zweitplatzierungen und haben dafür Displays vorrätig.

Der Trend ist alkoholfrei

Die Deutschen trinken weniger Bier. Der Pro-Kopf-Verbrauch sank von 150 Litern in den 70er Jahren auf derzeit gut 100 Liter im Jahr. Das einzige Segment, das seit Jahren wächst, sind alkoholfreie Biere. Für 2018 meldete der Deutsche Brauerbund ein Plus von elf Prozent. Alkoholfreie Mischgetränke wie Radler wuchsen sogar um 21 Prozent. Der Brauerbund geht davon aus, dass der Bleifrei-Anteil von derzeit sieben in den nächsten Jahren auf zehn Prozent steigt. Bei Bio-Bier dürfte er bereits deutlich darüber liegen. Denn Bio-Kunden sind besonders gesundheitsbewusst und trinken Alkohol eher in Maßen.

Diese Nachfrage bedienen die Brauereien aktiv. Neumarkter hat inzwischen zehn alkoholfreie Biervarianten im Sortiment. „Viele Hauptsorten sind alkoholfrei“, sagt Nadine Schroff und verweist darauf, dass es bei manchen Sorten wie Dunkel alkoholfrei oder Dunkle Weiße Alkoholfrei keine konventionellen Mitbewerber gebe. Das dürfte auch für Dolden Null gelten, das alkoholfreie IPA von Riedenburger. „Das läuft sehr, sehr gut“, sagt Patrick Wallner.

Bio-Biere sind kein Schnäppchen. Selten eine Flasche, die weniger als einen Euro kostet, manche 0,33er-Spezialitäten gehen für mehr als zwei Euro über den Tresen. „Bei Kunden, die sich für Bio-Bier interessieren ist der Preis kein entscheidendes Kriterium“, sagt Nadine Schroff. „Die Kunden legen Wert auf Qualität und Geschmack“, ergänzt Patrick Wallner. Die vielen 0,33-Flaschen bei Bio-Bieren sieht er nicht in erster Linie als Instrument, die Preise niedrig zu halten. „Es gibt einen Verbrauchertrend hin zu kleinen Flaschen.“

Tipps vom Kollegen

Alex Neuhoff, betreut im Biomarkt Neuhoff in Regensburg (600 Quadratmeter) das Biersortiment
  • Ganz wichtig sind Doppelplatzierungen mit wechselnden Sorten. Nicht nur im Sommer, auch vor Weihnachten oder in der Starkbierzeit.
  • Ganz toll angekommen sind die Kisten vom Riedenburger Brauhaus. Auf alt gemachte Holzkisten, die sich zu beliebigen Aufbauten zusammenstellen lassen.
  • Lammsbräu bietet 6er-Träger an mit Bier und Limo gemischt. Die stellen wir im Hochsommer ganz vorne hin, wo die Laufkundschaft vorbeikommt.
  • Was es zu Doppelplatzierungen immer braucht, sind große Plakate, als Hingucker und um die Produkte zu erklären.

Hersteller und ihre Produkte

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