Biohandel

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Kommentar

Wo war der Fachhandel?

Die 5. Öko-Marketingtage fanden fast unter Ausschluss des Naturkosteinzelhandels statt. Der steckt gerade in einer seiner schwersten Krisen. Doch vielleicht hätte sich schon allein deswegen die Reise nach Kirchberg gelohnt. Ein Kommentar.

Die 5. Öko-Marketingtage sind vorbei. Und viele der Anwesenden haben sich während der zweitägigen „Druckbetankung an Wissen und Information“, wie es Co-Veranstalter Christoph Zimmer nannte, fleißig Notizen gemacht. Denn die Aufgaben sind vielfältig: In einer Zeit multipler Krisen ist Bio zwar ein wichtiger Teil zur Lösung drängender Probleme. Gleichzeitig ist Bio aber wieder verstärkt in Erklärungsnot.

Will oder kann ich mir das gar noch leisten, fragen sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts der explodierten Energie- und Lebensmittelpreise. Kann ich mir das noch leisten, fragen sich in dieser Zeit aber auch viele kleine und weniger kleine Bio-Fachhändler. Doch von denen war fast niemand da, in Kirchberg an der Jagst. In einem Bild manifestierte sich das auf einem Podium. Dort war der Naturkosteinzelhandel in Person von BNN-Geschäftsführerin Kathrin Jäckel umgeben von fünf Vertreterinnen und Vertretern aus dem LEH. Es wirkte fast so, als würden die konventionellen Händler unter sich ausmachen, wie das 30/30-Ziel zustande kommt.

Sicher, aktuell haben die Betreiberinnen und Betreiber von Naturkostgeschäften ganz andere Sorgen: Statt zwei Tage still zu sitzen und sich mitunter auch vage und teilweise altbekannte Lösungsvorschläge anzuhören, wie der Fachhandel aus dem Umsatzloch findet, kämpften und kämpfen sie vielerorts ums Überleben. Sie haben aktuell weder die Zeit noch das Geld, sich in Vorträgen mit Lösungen für eine Zukunft zu beschäftigen, deren Teil sie womöglich morgen schon nicht mehr sind, wenn sie nicht heute alle ihre Energie in die Rettung ihres Geschäfts stecken.

Doch Krisenbewältigung funktioniert nicht ohne Hoffnung. Und dazu gehören auch positive Beispiele und Ideen, wie Bio weitergedacht, weitergebracht und schlussendlich auch weiterverkauft werden kann. Gute Ansätze kommen mitunter auch von Vertreterinnen und Vertretern des LEH – und dabei geht es nicht immer nur darum, wie der Preis noch weiter gedrückt werden kann. Vielleicht hätte sich schon allein deswegen die Reise nach Kirchberg gelohnt – nicht trotz, sondern gerade wegen der Krise.

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