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Landwirtschaft

Wissenschaftler warnen vor Artenverlust auf Äckern und Wiesen

„Die Situation ist dramatisch, der Handlungsbedarf akut“, heißt es in der Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, zur Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. Um die Biodiversität zu schützen, schlagen Experten der Akademie zahlreiche Maßnahmen vor.

In einem kürzlich vorgestellten Bericht zur biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft mahnen Wissenschaftler der Leopoldina-Akademie zum schnellen Handeln. Den wichtigsten Ansatzpunkt sehen die Wissenschaftler in den Subventionszahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP).

Diese sollten stärker an tatsächlich erbrachte und messbare Ökosystemleistungen geknüpft werden. Bei den GAP-Förderinstrumenten sollte der Fokus auf spezifischen, zielorientierten Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen liegen, schreiben die Experten. Die Regeln für die GAP-Subventionen der kommenden sieben Jahren werden aktuell in Brüssel unter deutschem Vorsitz verhandelt.

Ökolandbau braucht mehr Förderung

„Landwirtschaftliche Betriebe sollten dabei unterstützt werden, auf ökologischen Anbau umzustellen oder diesen beizubehalten, da der Ökolandbau verschiedene Umweltvorteile gleichzeitig erreicht“, heißt es im Bericht. Nötig sei auch „eine deutliche Extensivierung im Rahmen der konventionellen Wirtschaftsweise“, insbesondere im Grünland. Außerdem müsse der seit 1986 im Pflanzenschutzgesetz verankerte und damit rechtsverbindliche integrierte Pflanzenschutz endlich flächendeckend in der landwirtschaftlichen Praxis umgesetzt werden. Auch bei anderen Rechtsvorschriften müssten die Vollzugsdefizite beseitigt werden.

Die Wissenschaftler schlagen auch vor, landwirtschaftliche Betreibe, die biodiversitätsfreundlich wirtschaften, stärker zu unterstützen. Produkte aus regionaler, biodiversitätsfreundlicher Produktion sollten im Handel extra gekennzeichnet werden. Demonstrationsbetriebe, Lehrgärten, Schulen, naturkundliche Museen oder Heimatmuseen könnten die Bedeutung der Kulturlandschaft und ihrer biologischen Vielfalt stärker thematisieren.

Industrielle Landwirtschaft gefährdet Artenvielfalt

Dass es die industrialisierte Landwirtschaft ist, die diese Vielfalt gefährdet, steht für die Wissenschaftler zweifelsfrei fest. Sie nennen für den Rückgang der Arten die folgenden Faktoren: „Die Zunahme von ertragreichen, aber artenarmen Ackerbaukulturen, die vorbeugende und oft flächendeckende Nutzung von Pflanzenschutzmitteln, intensive Düngung, die Erhöhung der Schlaggrößen, der Verlust von artenreichem Grünland und ein struktureller Wandel der Nutztierhaltung hin zu größeren Betrieben mit weniger Weidehaltung, der Verlust der Strukturvielfalt der Landschaft, aber auch der Verlust der Vernetzung von Schutzgebieten.“

Erarbeitet hat diesen Bericht der Leopoldina eine Arbeitsgruppe, der die Elite der deutschen Biodiversitätsforscher und Agrarökologen angehört. Agrarwissenschaftler, die den Mainstream der industriellen Agrarwirtschaft lehren, waren nicht vertreten.

Den Bericht "Biodiversität und Management von Agrarlandschaften" gibt es als PDF zum Download und als interaktive Webseite.

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