Biohandel

Wissen. Was die Bio-Branche bewegt

AöL-Vorständin Anne Baumann im Interview

„Wir haben die Rezepte für die Zukunft“

Anne Baumann ist zur neuen geschäftsführenden Vorständin der Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller (AöL) gewählt worden. Mit BioHandel hat sie über ihre Ziele gesprochen.

Frau Baumann, haben Sie sich als geschäftsführende Vorständin schon Ziele gesetzt?
Ja klar. Als gelernte Journalistin liegt mein Fokus natürlich auf dem Thema Öffentlichkeitsarbeit. Und ich möchte die AöL als Werte- und Arbeitsgemeinschaft weiter stärken. Das Unternehmensnetzwerk lebt von seinen Mitgliedern und unsere Aufgabe ist es, dieses Netzwerk zu moderieren, die richtigen Fragen zu stellen und aus den Antworten zu lernen.

Außerdem wollen wir die Unternehmen darin unterstützen, innovativ zu sein und sich gegenseitig zu inspirieren. Die Unternehmen professionalisieren sich zunehmend, es gibt dort sehr viel Know-how, das wir moderieren können. Das nimmt nach innen gerade sehr viel Fahrt auf.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen AöL und den Unternehmen?
Wir leben vor allem von den verschiedenen Arbeitsgruppen, denn die Notwendigkeit sich auszutauschen ist sehr hoch. Dieser Austausch muss außerdem schnell und unkompliziert möglich sein. Das moderieren wir und generieren dabei Wissen und Lösungen, die wir dem großen Pool zur Verfügung stellen. Die AöL selbst muss im Grunde nur die Fachwelt kennen. Wichtig ist, dass die breite Öffentlichkeit die Unternehmen und Marken kennt.

„Wir wollen eine gemeinsame Vision entwickeln.“

Welche Herausforderungen sehen Sie für die AöL in den kommenden Jahren?
Zum einen ist natürlich das Thema Rohstoffbeschaffung und -sicherung immer eine Herausforderung. Zum anderen die Entwicklung auf dem Markt für Bio-Lebensmittel: Die AöL ist in ihrer Mitgliedschaft von Haus aus sehr breit aufgestellt. Zu unseren Mitgliedern zählen auch Unternehmen, die früher traditionell konventionell gearbeitet und dann auf Bio umgestellt haben, oder die teilweise immer noch konventionell produzieren.

Die einen wollen Bio für die breite Masse verfügbar machen, die anderen Bio als Speerspitze weiter voranbringen. Wir wollen beiden Strömungen etwas anbieten und dabei immer eine gemeinsame Vision entwickeln. Wichtig ist uns auch, die Mittelstandstauglichkeit all dieser Firmen zu bewahren. Das ist eine große Herausforderung, die wir auch regulatorisch unterstützen müssen.

Wie unterstützt Sie Alexander Beck als zweiter Geschäftsführer dabei – welche Rollen- und Aufgabenaufteilung haben Sie?
Alexander und ich kennen uns jetzt seit knapp zehn Jahren, und er hatte diese Konstellation wohl schon länger geplant. Sie funktioniert auch wahnsinnig gut, weil wir uns gut ergänzen und uns in vielen Dingen wiederum ähnlich sind.

Ich bin künftig neben der Öffentlichkeitsarbeit für das Unternehmensnetzwerk zuständig, Alexander weiterhin für den Bereich Politik. Hier hat er sich ein breites Netzwerk und viel Know-how geschaffen, das sehr wertvoll ist.

Zum Glück bleibt uns Alexander also noch ein Stück erhalten. Aber auch in fernerer Zukuft wollen wir beim kooperativen Führungsstil bleiben, denn der Austausch mit einem Sparringspartner ist unglaublich wertvoll. Das entspricht übrigens auch dem Zeitgeist, wie wir bei vielen unserer Mitglieds-Unternehmen sehen. Bei den Firmen werden Arbeitsmodelle immer wichtiger, die es Führungskräften wie Mitarbeitenden ermöglichen, ihre Arbeit mit Familie oder eigenen Projekten in Einklang zu bringen.

„Es gibt noch viel zu entwickeln und zu erobern.“

Welche Herausforderungen für die Bio-Branche sehen Sie in den kommenden Jahren?
Eine Botschaft an uns alle könnte lauten: Wir dürfen uns nicht so sehr in alten Denkmustern verstricken, sondern müssen als Branche programmatisch, zielgerichtet und partnerschaftlich nach vorne gehen. Es gibt noch viel zu entwickeln und zu erobern, und jedes Unternehmen braucht dafür seine eigenen Konzepte und Lösungen. Wir sollten dem nicht mit Angst begegnen, denn wir haben die Rezepte für die Zukunft.

Zur Person

Anne Baumann ist gelernte Journalistin und studierte Medienwissenschaftlerin. Nach ihrer Redaktionstätigkeit unter anderem beim Hessischen Rundfunk stieg sie 2015 als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der AöL ein. Nach einem Jahr Elternzeit übernahm sie die Teamführung, ging 2023 in die stellvertretende Geschäftsführung und ist seit Ende April geschäftsführende Vorständin der AöL. Baumann stammt von einem Bauernhof ist Ostthüringen und lebt mit ihrer Familie in Fulda.

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