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Kolumne

Wir brauchen mehr Vielfalt

Imkerin Karin Lang beobachtet seit Jahren, wie unsere heimischen Ökosysteme aus den Fugen geraten. Die Geschäftsführerin von Sonnentracht fordert deshalb ein Umdenken in Land- und Forstwirtschaft – und in der Politik.

20.08.2021 vonKarin Lang

Aufgrund immer trockenerer Sommer wird Bienenhonig aus der Heide mehr und mehr zur Rarität.

Imkerin Karin Lang beobachtet seit Jahren, wie unsere heimischen Ökosysteme aus den Fugen geraten. Die Geschäftsführerin von Sonnentracht fordert deshalb ein Umdenken in Land- und Forstwirtschaft – und in der Politik.

Wie alle Land- und Forstwirte sind auch wir Imker sehr stark vom Wetter, vom Klima und diesen Veränderungen betroffen. Als Wanderimker wandern wir mit unseren Bienenvölkern nacheinander verschiedene Trachten (Nektarquellen) an. Im Frühjahr stehen wir im Gebiet Saale/Elbe, danach wandern wir in die Märkische Schweiz und später dann in die Linde südwestlich in und um Berlin. In die Spättrachten wie Heide oder Tanne gehen wir nur, wenn die Aussichten vielversprechend sind. Wie und ob das möglich ist, entscheidet sich in der Regel mit dem Verlauf des Frühjahrs.

In den letzten Jahren haben die Wetterextreme stark zugenommen. Rückblickend war das Frühjahr 2019 viel zu warm, sodass viele Pflanzen gleichzeitig geblüht haben. Die Bienenvölker waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht stark genug, den Überfluss zu nutzen.

Die darauffolgende Trockenheit hat zu massiven Ernteverlusten geführt. Auch im Jahr 2020 ist die Frühtracht fast überall komplett ausgefallen (zu kalt und zu trocken). Erstmals wurde deutlich, dass der Grundwasserspiegel stark gesunken ist. Die Unwetterfront über Pfingsten hat die ohnehin kurze Blütezeit der Akazie von nur 10 Tagen noch einmal halbiert.

Das aktuelle Jahr bricht aber alle Rekorde: die extreme Kälte und Nässe hat zu einer zumindest in unserem Imkerleben nie dagewesenen verspäteten Entwicklung der Flora und der Bienen geführt. Noch nie hat die Trachtperiode so spät eingesetzt. Glücklicherweise waren die Niederschläge zumindest dafür ausreichend, dass z.B. die Akazie überhaupt Nektar gab. Im Gespräch mit den örtlichen Förstern wird aber deutlich, dass der Boden insgesamt viel zu trocken ist; alle Pflanzen leiden. Die Waldbrandgefahr ist jetzt schon so hoch, wie sonst nur im August und in Brandenburg wurden bereits 44 Brandherde gelöscht, regional droht eine „Versteppung“ im Oderbruch. Die Monate Juli und August, in denen die Heide blüht, sind schon seit vielen Jahren so trocken, so dass dieser besondere Honig mittlerweile zur Rarität geworden ist.

Erwartet uns ein Schicksal wie in Südeuropa, wo es schon seit Jahrzehnten keine Ernte der Erika mehr gibt? Für mich ist klar, dass ein Umdenken in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Politik jetzt stattfinden muss. Wir brauchen gesunde Böden, die ausreichend Wasser speichern können. Wir brauchen vielfältige Mischwälder, in denen ein autarkes Kleinklima entstehen kann. Wir müssen neue Denkansätze ausprobieren wie z.B. die Agroforstwirtschaft und wir müssen uns noch besser vernetzen: Landwirte, Förster, Imker und Wissenschaftler. Nur so können wir die Vielfalt bewahren, denn nur die Vielfalt sorgt für mehr Vielfalt. Nur gemeinsam können wir erreichen, dass unsere Schatzkammer Natur erhalten bleibt.

Noch nie hat die Trachtperiode so spät eingesetzt.

Das aktuelle Jahr bricht aber alle Rekorde: die extreme Kälte und Nässe hat zu einer zumindest in unserem Imkerleben nie dagewesenen verspäteten Entwicklung der Flora und der Bienen geführt. Noch nie hat die Trachtperiode so spät eingesetzt. Glücklicherweise waren die Niederschläge zumindest dafür ausreichend, dass zum Beispieldie Akazie überhaupt Nektar gab. Im Gespräch mit den örtlichen Förstern wird aber deutlich, dass der Boden insgesamt viel zu trocken ist; alle Pflanzen leiden.

Die Waldbrandgefahr ist jetzt schon so hoch, wie sonst nur im August und in Brandenburg wurden bereits 44 Brandherde gelöscht, regional droht eine „Versteppung“ im Oderbruch. Die Monate Juli und August, in denen die Heide blüht, sind schon seit vielen Jahren so trocken, so dass dieser besondere Honig mittlerweile zur Rarität geworden ist.

Erwartet uns ein Schicksal wie in Südeuropa, wo es schon seit Jahrzehnten keine Ernte der Erika mehr gibt? Für mich ist klar, dass ein Umdenken in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Politik jetzt stattfinden muss. Wir brauchen gesunde Böden, die ausreichend Wasser speichern können. Wir brauchen vielfältige Mischwälder, in denen ein autarkes Kleinklima entstehen kann.

Wir müssen neue Denkansätze ausprobieren wie z.B. die Agroforstwirtschaft und wir müssen uns noch besser vernetzen: Landwirte, Förster, Imker und Wissenschaftler. Nur so können wir die Vielfalt bewahren, denn nur die Vielfalt sorgt für mehr Vielfalt. Nur gemeinsam können wir erreichen, dass unsere Schatzkammer Natur erhalten bleibt.

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