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Bonzahlen

Wie Corona das Einkaufsverhalten im Fachhandel verändert hat

Seit Beginn der Pandemie nimmt der Fachhandel deutlich mehr ein. Gleichzeitig kommen weniger Kunden in die Läden. Fabian Ganz von Biovista erklärt, wie das zusammenpasst.

15.09.2020 vonNatascha Becker

Im 2. Quartel des Jahres ging der Trend in Richtung "One-Stop-Shopping".

Seit Beginn der Pandemie nimmt der Fachhandel deutlich mehr ein. Gleichzeitig kommen weniger Kunden in die Läden. Fabian Ganz von Biovista erklärt, wie das zusammenpasst.

Auch wenn die Zeit der Hamsterkäufe zu Beginn der Pandemie vorbei ist, legen die Umsätze des Fachhandels weiterhin kräftig zu. Allein im 2. Quartal 2020 konnte der Naturkost-Fachhandel ein Umsatzplus von knapp 20 Prozent verzeichnen.

Jedoch sind die Einkäufe in Bio-Fachgeschäften auch weniger stark frequentiert. Das macht sich natürlich auch bei den Bonzahlen bemerkbar, die Biovista gerade für das erste Halbjahr 2020 ausgewertet hat. „Der Corona-Zeitraum hatte ganz erhebliche Auswirkungen auf die Bonkennzahlen“, so Fabian Ganz von Biovista.

Mehr Artikel auf dem Bon

Denn durchschnittlich betrug der Wert eines Bons in diesem Zeitraum 21,34 Euro – das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 4,37 Euro. Lag der Bonwert noch im Januar nur etwas über dem von 2019, stieg er im Februar um rund einen Euro an, im März bereits um vier Euro und erreichte seinen Höhepunkt im April mit 25 Euro. Seitdem sind die Zahlen je Bon zwar wieder gesunken, bewegen sich aber weiterhin auf einem sehr hohen Niveau und deutlich über den Vergleichsmonaten 2019.

Ein ähnlicher Verlauf lässt sich auch bei den gekauften Artikeln pro Einkauf beobachten. Hier ging die Anzahl ab Februar ebenfalls nach oben, der deutlichste Unterschied zu 2019 war auch hier im April zu sehen: 9,0 Artikel waren im Schnitt auf dem Bon vermerkt, im Gegensatz zu 6,7 im April des Vorjahres. Auch hier sinken die Zahlen zwar seither wieder, aber nur langsam.

Durchschnittlich landeten so in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 7,9 Artikel in den Einkaufswägen der Kunden – im Vergleich zu 2019 waren das 1,2 mehr. Bei der Anzahl der Kunden, die pro Tag in den Läden einkauften, verhält es sich genau umgekehrt. Waren es im Januar sogar noch mehr als im Vergleichsmonat 2019, nahm die Zahl im Februar schon deutlich ab, ebenso im März, und im April waren dann im Schnitt sogar 58 Kunden weniger im Laden.

Trend One-Stop-Shopping

Selbst im Juni kamen mit 368 noch 19,3 Kunden weniger in die Geschäfte, was für das Halbjahr zu einem durchschnittlichen Minus von 19,3 Kunden pro Tag führt. „Diese geringere Anzahl an Kunden kaufen aber erheblich mehr Artikel ein, so dass die verringerte Anzahl Kaufakte überkompensiert wird“, erläutert Fabian Ganz. Hieraus lasse sich eindeutig eine Tendenz zum „One-Stop-Shopping“ und den gebündelten Wocheneinkäufen ablesen.

Weniger Spaß am Einkauf?

Ob dieser Trend der Furcht vor Ansteckung mit dem Corona-Virus geschuldet ist, oder ob den Kunden das Einkaufen mit Maske eher lästig ist und sie es deshalb auf ein Minimum beschränken, geht aus den Biovista-Zahlen nicht hervor. Beides dürfte jedoch nach wie vor eine Rolle für das geänderte Kundenverhalten spielen.

Auch, dass viele liebgewonnene Gewohnheiten beim Einkauf im Bioladen gerade den Hygieneregeln zum Opfer fallen – etwa ein Plausch mit der Inhaberin oder eine Tasse Kaffee –, könnte ein Grund für Kunden sein, nicht mehr so oft in den Laden zu kommen. Und sich dafür dann mit allem Nötigen für die Woche einzudecken.

Ganz besonders deutlich wurde der Rückgang der Kundenzahlen bei den Bio-Supermärkten ab 400 Quadratmetern Fläche. Hier ging die Frequenz um 39,7 Kunden am Tag zurück – dafür stieg der Bonwert im Durchschnitt um 4,45 Euro. Am kräftigsten legte der Bonwert aber bei den Bio-Fachgeschäften (200 bis 399 Quadratmeter) zu, er stieg um 4,99 auf 23,52 Euro und liegt damit über dem Gesamtdurchschnitt.

Kleine Läden sind konstanter

Bei den kleinen Naturkostläden bis 99 Quadratmeter und den Naturkost-Fachgeschäften (100 bis 199 Quadratmeter) fiel die Differenz bei den Bons mit 3,20 beziehungsweise 3,45 Euro zwar nicht ganz so deutlich aus wie bei den großen Märkten. Dafür hatten beide bei der Kundenfrequenz aber auch nur ein Minus von jeweils 5,2 Kunden pro Tag zu verzeichnen.

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