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Kükentöten ausgeschlossen

Anbauverbände wollen Bruderhähne verpflichtend aufziehen lassen

Naturland, Biokreis, Bioland und Demeter arbeiten daran, die Bruderhahnaufzucht verpflichtend in ihren Richtlinien zu verankern. Zum Teil sollen die neuen Vorgaben im Frühjahr 2021 in Kraft treten.

25.11.2020 vonKatrin Muhl

Bei der Bruderhahnaufzucht werden männliche Küken nicht getötet, sondern groß gezogen und gemästet.

Naturland, Biokreis, Bioland und Demeter arbeiten daran, die Bruderhahnaufzucht verpflichtend in ihren Richtlinien zu verankern. Zum Teil sollen die neuen Vorgaben im Frühjahr 2021 in Kraft treten.

Die Bruderhahn Initiative Deutschland und das Hähnlein-Konzept der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof gehören zu den größten und bekanntesten Initiativen in Deutschland, die sich dafür einsetzen, dass die Bruderküken von Legehennen nicht aussortiert und getötet, sondern aufgezogen und gemästet werden.

Bio-Anbauverbände unterstützen zum Teil diese oder ähnliche Initiativen und/oder fördern die Mast männlicher Küken in eigenen Projekten. Dass die Bruderhahnaufzucht künftig als Pflicht in den eigenen Richtlinien verankert werden soll, ist neu bei Demeter, Bioland, Naturland und Biokreis.

Mit den Plänen setzen die Verbände ein klares Zeichen gegen das Kükentöten, das ab 2022 gesetzlich verboten werden soll. Gleichzeitig stellen sie sich gegen die In-Ovo-Selektion, die Geschlechterbestimmung im Ei, die in keinem der Verbände als Alternative gilt. Das wichtigste Argument gegen die Methode ist, dass sie das Töten nur ins Ei verlagere.

Naturland

Laut Verbandsangaben wächst bei Naturland derzeit der Bruder jeder zweiten Legehenne auf einem Öko-Betrieb auf. Bis Ende 2021 sollen es alle sein. Das sieht ein Zeitplan aus dem Fachausschuss Geflügel vor, dessen Antrag für einen Komplettausstieg aus dem Kükentöten am Donnerstag vergangener Woche von der Delegiertenversammlung beschlossen wurde. Bis zur Verabschiedung der neuen Richtlinie im Frühjahr 2021 arbeiten die Mitglieder noch an den Details, teilt der Verband mit.

Schon jetzt steht fest, dass die Hähne nach Verbandsrichtlinien aufgezogen werden sollen: „Unser Ziel sind möglichst regionale Kreisläufe und Wertschöpfungsketten. Durch die Aufzucht nach Naturland-Richtlinien stellen wir unter anderem sicher, dass auch das notwendige Futter in der Region erzeugt wird“, so Josef Bauer, Delegierter und Mitglied im Fachausschuss Geflügel.

Die Anzahl der Naturland-Betriebe reiche einer Pressemitteilung zufolge aus, um die Pläne umzusetzen, auch für den Fall, dass Legehennenhalter nicht selbst in die Mast einsteigen wollten. Herausfordernd sei vielmehr die Situation in den Schlachtstätten, die sich zum Teil erst auf die Verarbeitung der vergleichsweise schmalen Bruderhähne einrichten müssten. Für das Fleisch der Bruderhähne bestünde Nachfrage etwa für Wurstprodukte oder Babynahrung.

Biokreis

Auf die Pflicht zur ökologischen Aufzucht von Bruderhähnen verständigten sich bei Biokreis im November Mitglieder aus den Bereichen Legehennenhaltung, Junghennenaufzucht und Eiervermarktung, sowie Fachberater und Mitarbeiter aus der Qualitätssicherung an einem runden Tisch. Sofern Vorstand und Mitgliederversammlung zustimmen, wird die neue Vorgabe im März 2021 in den Biokreis-Richtlinien verankert. Perspektivisch will der Verband die Aufzucht der Hähne nach Verbandsrichtlinien festschreiben, teilt Pressesprecherin Stephanie Lehmann mit.

Bioland

Bei Bioland läuft laut Pressestelle ein intensiver Planungsprozess, mit dem Ziel, zeitnah eine flächendeckende Hahnenmast und -verwertung zu etablieren. Die Richtlinie zur Bruderhahnaufzucht soll auf der kommenden Frühjahrs-Bundesdelegiertenversammlung im März 2021 verabschiedet werden.

Demeter

Demeter arbeitet bis zur kommenden Delegiertenversammlung im April 2021 an den Details für die Verpflichtung zur Bruderhahnaufzucht. Ziel ist es, ab 2022 alle männlichen Küken aufziehen zu lassen. „Wir arbeiten mich Hochdruck daran, weitere Kapazitäten für die Bruderhahnaufzucht zu schaffen und haben auch schon konkrete interessierte Höfe“, teilt Pressesprecherin Susanne Kiebler mit. Derzeit zieht Demeter laut eigenen Angaben die Brüder von mehr als der Hälfte der Legehennen auf und der Anteil an Bruderhähnen wachse stark. Dabei stehe der Verband vor der Herausforderung, die Vermarktung der Bruderhahnprodukte parallel aufzubauen.

Zweitnutzungshuhn bevorzugt

Als langfristige Lösung bevorzugen die Bio-Verbände nur das Zweinutzungshuhn und sind deshalb engagiert, dessen Entwicklung voranzutreiben. Zum Beispiel haben Demeter und Bioland 2015 die Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ) gegründet, bei der bislang schwerpunktmäßig Legehennen und Zweinutzungshühnern gezüchtet und männliche Küken mit aufgezogen werden. Bei Biokreis engagiert sich die Erzeugergemeinschaft Biohennen für Zweitnutzungshühner. Naturland beteiligt sich an dem Anfang des Jahres gestarteten Forschungsprojekt Regiohuhn. Deren Ziel ist es, aus sechs alten, regionalen Hühnerrassen neue, praxistaugliche Zweinutzungshühner zu züchten.

Die Mast der Bruderhähne wird durch einen Zuschlag auf die Eier quersubventioniert. Zweitnutzungshühner sind dagegen ohne Querfinanzierung wirtschaftlich für einen Öko-Betrieb. Bei der Ökologischen Tierzucht gGmbH von Demeter und Bioland liegen die Ziele für Zweitnutzungshennen und -hähnen bei ca. 240 Eiern und 3 kg Fleisch in 17 Wochen Lebenszeit.

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