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Unverpackt

Anregungen für Einsteiger

Müll vermeiden, Umdenken fördern – das treibt die Unverpackt-Bewegung an. Nichts anderes gilt für den Verkauf der losen Ware.

05.02.2020 vonSylvia Meise

Wo Minimalismus den Ton angibt, müssen Ladengestaltung und -ausstattung Kundenwunsch und Zeitgefühl treffen.

Behälter für Unverpackt-Läden

Bei der Ladengestaltung prägen die wiederverwendbaren Selbstbedienungs-Behälter (Bulksysteme) das Bild. Prinzipiell gibt es dafür zwei Grundformen und Materialien: walzenförmige aus Glas und eckige aus Kunststoff.

Kunststoff-Spender bekommt man aus Frankreich, den Niederlanden, England, den USA oder Polen oder von Bulksystem-Großhändlern. Oft wird eine Komplettlösung mit Regal (mit Aussparung für leere Behälter und oder eine integrierte Waage) angeboten.

Für Glas-Systeme gibt es mehrere Hersteller. Darunter „Glasbin“, der zum Münchener Ohne-Laden gehört, der Hannoveraner Michael Albert vom Unverpackt-Laden Lola, oder Hawos.

Spender und Schütten müssen gut zu bedienen sein und nicht zuletzt die vorgegebenen Funktionen der eingesparten Verpackung wie Schutz, Hygiene und Kundeninformation erfüllen. Diese Funktionen geben den Rahmen vor. Alles Weitere sind Fragen von Budget, eigenem Anspruch und Geschmack. Von daher gibt es nicht „den“ Unverpackt-Laden, aber Stilrichtungen von urigem Back-to-the-Roots-Bio bis hin zum durchdesignten Konzeptladen.

Trockenware funktioniert bei Unverpackt sehr gut

Trockenware ist das zentrale Angebot, das auch zu den besten Drehern gehört – Getreide, Flocken, Müslimischungen sind ein Muss. Super, wenn man eine Getreidemühle im Laden hat. Aber auch Hülsenfrüchte, Nudeln gehen gut, und natürlich Nüsse.

Lagerraum muss vorhanden sein und für die Transparenz gegenüber Kunden schadet es nicht, wenn man eine Glastür davor setzt oder einen Vorhang, den man bei Bedarf auch mal zuziehen kann.

Austausch mit Kollegen ist wichtig

Wer überlegt, einen eigenen Unverpackt-Laden zu eröffnen, sollte sich zuvor von praxiserfahrenen Kollegen beraten lassen. Die meisten Ladner sind offen für Besuche, denn sie verstehen sich als Teil der Zero-Waste-Bewegung und teilen ihre Erfahrungen gern.

Viele sind organisiert im Netzwerk Unverpackt und im Verein Unverpackt e. V., denen sich Neugründende gleich anschließen sollten. Die Mitgliedsläden treffen sich zweimal im Jahr zum intensiven Austausch im Rahmen eines Workshops. 30 bis 35 Läden stehen hier in engem Austausch und nehmen auch am „Projekt Unverpackt“ der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) teil, das die Workshops finanziert. Ansprechpartnerin ist Alexandra Wittwer.

Zum Netzwerk gehört auch Marie Delaperrière. Die ehemalige Projektmanagerin eröffnete vor fast fünf Jahren in Kiel den ersten Unverpackt-Laden. Heute macht sie Gründungs-Workshops und Unverpackt-Seminare. Sie selbst hatte zu Beginn kaum Auswahl, erzählt sie. Die Möbel bestellte sie in Frankreich und war froh, Schütten und Lose-Ware-Spender zu finden, die deutsche Hygiene-Vorgaben erfüllten und die Bio-Zertifizierung passierten.

Unverpackt-Flair in den Bioladen bringen

Im Landshuter frisch[&]fein-Supermarkt ist die Unverpackt-Station ein echter Hingucker. Als das Team vor einem Jahr nach einer deutlichen Vergrößerung auf 600 Quadratmeter wiedereröffnete, war auch das Lose-Ware-Angebot doppelt so groß. Inhaberin Anita Gromotkas Tipp: „Es muss immer jemand ansprechbar und für den Unverpackt-Bereich zuständig sein. Denn: Es passiert, dass aus den Behältern mehr herauskommt, als die Kunden erwarten, dann sieht es schnell verwahrlost aus.“ Ihr Fazit „Eine teure Anschaffung, die sich aber gelohnt hat – die Kunden sind begeistert.“

Elemente wie Sitzbank, Stehtischchen oder eine Theke sollte es auch geben. Denn, was die Kunden hier auf jeden Fall suchen: Das Gespräch. So geht Kundenbindung und Marketing, ganz unverpackt.

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