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Corona-Verschwörungen

„Unterstellungen treffen nicht zu“ – Demeter äußert sich zu öffentlich-rechtlichem Beitrag

ZDF und 3Sat thematisieren in einem Beitrag über Demeter unter anderem Corona-Verschwörungen und die einstige Zusammenarbeit zwischen Voelkel und Attila Hildmann. Auf Youtube zählt der Film hunderttausende Klicks.

18.01.2022 vonKatrin Muhl

Der Demeter-Verband muss sich in jüngster Zeit immer wieder rechtfertigen.

ZDF und 3Sat thematisieren in einem Beitrag über Demeter unter anderem Corona-Verschwörungen und die einstige Zusammenarbeit zwischen Voelkel und Attila Hildmann. Auf Youtube zählt der Film hunderttausende Klicks.

Demeter, die biodynamische Landwirtschaft und anthroposophische Ansichten sind in der Corona-Pandemie verstärkt in die Kritik geraten. Infrage gestellt wird etwa die Wirksamkeit biodynamischer Präparate, zum Beispiel in der ZDF-Wissenssendung „MaithinX“, die im November ausgestrahlt wurde. Immer wieder Thema ist auch eine angebliche Nähe zur sogenannten „Querdenken“-Bewegung oder zur rechten Szene.

So auch in einem TV-Beitrag, der zunächst in der 3sat-Sendung „Kulturzeit“ gezeigt wurde. Seit Ende Dezember läuft der Film auf dem Youtube-Kanal „ZDFheute“ und hat dort über 242.000 Aufrufe generiert. „Demeter und Co.: Nährboden für Corona-Verschwörungen?“, lautet der Titel. Auf dem Vorschaubild zum Video steht „Demeter & Voelkel – Esoterik statt Wissenschaft“.

Was Demeter dazu sagt

„In den fast hundert Jahren, in denen es Demeter gibt, gab es immer wieder Angriffe, in denen Demeter und später übrigens auch Bio-Pioniere als Spinner abgetan wurden. Neu ist jetzt in der Corona-Krise, dass Demeter unterstellt wird, wissenschaftsfeindlich zu sein oder Corona-Verschwörungen zu befeuern. Diese Unterstellungen treffen nicht zu. Sie bringen aber den Urhebern offenbar viele Klicks in den digitalen Medien und werden deshalb immer wieder gerne reproduziert. So auch in dem reißerischen Titel des genannten Videos.“

Der zehnminütige Film erzählt von den „esoterischen Ritualen“, die der Demeter-Verband vorgebe, für deren Wirksamkeit es dem Beitrag zufolge aber an wissenschaftlichen Belege fehle. Demeter sieht das anders. „Die Vorteile von Demeter und dem biodynamischen Landbau als Gesamtsystem sind wissenschaftlich längst belegt“, teilt der Verband mit. Bereits nach der Kritik von „MaithinX“ verwies Demeter auf „einige Untersuchungen sowie einige Studien, die wissenschaftlichen Standards entsprechen“. Die Mehrzahl zeige dem verband zufolge die positive Wirkung von biodynamischen Präparaten, „etwa signifikante Effekte auf die Bodenstruktur, die Bodenaktivität oder auf die Früchtequalität“.

Zur Wirkweise der bio-dynamischen Landwirtschaft kommt im Beitrag der „Kulturzeit“ auch Demeter-Landwirt Sebastiaan Huisman zu Wort. Zum Corona-Virus befragt, sagt Huisman, er sei geimpft, wenn auch „nicht glücklich“ damit. „[Ich] denke, wenn man gesund lebt, dass man das vielleicht auch so durchstehen könnte, aber ich kann auch verstehen, dass das [Impfen] gefragt ist“, so Huisman. „Ich finde es nicht gut, dass alle Menschen in eine Ecke gestellt werden, dass gesagt wird, das sind alles die Querdenker, sind alle rechtsradikal und so weiter“. Gegenüber dem BioHandel unterstreicht Huismann: "Eine Spaltung der Gesellschaft ist nicht gut. Es ist wichtig, die Meinung anderen zu respektieren und ein offener Austausch ist Voraussetzung dazu.“ Ein gemeinsames Engagement gegen rechts hält der Demeter-Landwirt für angebracht.

Antidemokratisches, aber auch rassistisches Gedankengut hat bei Demeter nichts zu suchen

Demeter-Verband

Huismann beliefert mit seinen Möhren die Naturkostsafterei Voelkel. Boris Voelkel wird in dem Beitrag unter anderem zur 2020 beendeten Zusammenarbeit mit Attila Hildmann befragt. „Als wir gemerkt haben, da entgleitet etwas, haben wir gesagt: Stopp, hier geht es nicht weiter mit uns“, sagt Boris Voelkel, der auch im Aufsichtsrat des Demeter-Bundesverbands sitzt, im Film dazu.

Die Safterei trennte sich von Hildmann nachdem der ehemalige Vegan-Koch vermehrt durch antisemitische sowie verschwörungstheoretische Äußerungen auffiel. Demeter teilt mit: „Antidemokratisches, aber auch rassistisches Gedankengut hat bei Demeter nichts zu suchen!“ Und weiter: „Selbstverständlich stehen der Demeter-Verband und seine Mitglieder mit beiden Beinen fest auf dem Boden des Grundgesetzes, festgelegt in unserer Satzung, sowie darauf aufbauender Werte, die in unserem Leitbild nachzulesen sind.“

„Wir sind ein demokratischer Verband, in dem sich Menschen in der biodynamischen Landwirtschaft, in Verarbeitung und Handel, Forschende, Verbraucherinnen und Verbraucher für die stetige Weiterentwicklung der Biodynamischen Wirtschaftsweise, der Lebensmittelqualität und des assoziativen Wirtschaftens engagieren“ – Auszug aus dem Demeter-Leitbild, Seite 4.

Zum Leitbild

Thematisiert wird in dem TV-Beitrag auch ein Text aus der Winterausgabe des Demeter-Journals 2020/21. Darin beschrieben wird eine „Welt ohne Forschung und ohne zerstörerische Geisteseliten“. Der Film fragt: „Befeuert das einen Verschwörungsglauben?“. Demeter distanzierte sich bereits im Januar 2021 von der „Querdenken“-Bewegung. Der Text sei ein Gedankenexperiment gewesen, in dem das jeweilige Heftthema – hier war es „Vertrauen“ – zugespitzt und spielerisch aufgegriffen werde und „mitnichten eine Verbandspolitik“ widerspiegele. Stattdessen spiele der Text das Spiel „Was wäre, wenn…“ durch. Thema sei nicht die Corona-Krise, sondern die Fridays-For-Future-Proteste gewesen. „Selbstverständlich ist eine Gesellschaft ohne Forschung und Wissenschaft nicht denkbar und wird von uns nicht angestrebt“, teilte der Verband damals mit.

Ein Youtube-Nutzer, der sich „als langjähriger Mitarbeiter im Bio-Lebensmitteleinzelhandel“ vorstellt, kommentiert, das Kaufargument für Demeter-Produkte sei „dass Lebensmittel die mit dem Demeter-Siegel qualifiziert sind, nach den strengsten Bio-Richtlinien produziert werden, die es in Deutschland gibt“. Weiter schreibt er: „Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aufgrund vom Kauf von Demeter-qualifizierten Lebensmitteln zum Verschwörungstheoretiker und ‚Staatsgegner‘ wird […] halte ich daher für äußerst und unbedeutend unwahrscheinlich.“

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