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Bio-Weinbau

Trotz Wachstum viel Luft nach oben

Die Bio-Anbaufläche wächst weiter. Zumindest in Europa. Während regionale Weine bei den Verbrauchern hierzulande im Trend liegen, gibt es gegenüber Bio oft noch Vorbehalte.

07.06.2020 vonWolfram Römmelt

Die Bio-Anbaufläche wächst weiter. Zumindest in Europa. Während regionale Weine bei den Verbrauchern hierzulande im Trend liegen, gibt es gegenüber Bio oft noch Vorbehalte.

Vom letzten Sommer ist uns vor allem die Hitze in Erinnerung. Ähnlich wie im Vorjahr machte die Trockenheit hierzulande große Probleme. Doch kam vielerorts im letzten Moment das ersehnte Nass. Im Gegensatz zu 2018 gab es im Boden nur geringe Wasservorräte, was die Erntemenge empfindlich reduzierte. In den südlichen Gefilden Europas war der Sommer abgesehen von extremer Hitze gegen Ende Juni recht normal. Durch das ausgesprochen trockene Frühjahr waren die Pilzkrankheiten gut in Schach zu halten. Die Erträge waren in Spanien und Italien niedriger als im Vorjahr. In Südfrankreich dagegen konnten die Winzer endlich mal wieder eine fast normale Ernte einfahren. Allgemein lässt sich über den neuen Jahrgang sagen, dass er nicht so sehr von der Hitze geprägt ist wie sein Vorgänger. Die Weine sind nicht so schwer wie jener, stattdessen gibt ihnen die Säure Lebendigkeit und Frische.

Mehr Bio-Reben

Der biologische Weinbau nimmt weltweit zu. Am größten ist die Dynamik derzeit in Frankreich. In Deutschland machte die Bio-Rebfläche 2018 mal wieder einen größeren Schritt voran. Sie nahm nach Angaben der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) auf 9.300 Hektar zu. Das entspricht 9,3 Prozent der Gesamt-Rebfläche. Ähnlich positiv ist die Entwicklung bei den Anbauverbänden. Die Zahl der Ecovin-Mitglieder wuchs auf 245. Insgesamt bewirtschaften sie 2.606 Hektar. 290 Betriebe mit zusammen 1.900 Hektar meldet Bioland.

Dynamisches Wachstum

Der Blick über die Grenzen hinaus zeigt ein uneinheitliches Bild. Zwar stieg die globale Bio-Quote im Weinbau auf 6,1 Prozent. Doch geht dieses Wachstum nach Angaben des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FibL) fast ausschließlich auf das Konto einiger europäischer Länder. Vor allem in Frankreich verläuft die Entwicklung sprunghaft. Um 20 Prozent wuchs die Bio-Rebfläche im Jahr 2018 auf gut 94.000 Hektar. Nummer eins im weltweiten Bio-Weinbau ist aber nach wie vor Spanien. Auch wenn die Dynamik zuletzt nicht mehr so spektakulär war wie bis 2016. Im Jahr 2018 nahm die Bio-Rebfläche um 6 Prozent zu auf gut 113.000 Hektar. In Italien, dem Land mit der höchsten Bio-Quote im Weinberg, gab es ähnlich wie in Spanien bis zum Jahr 2016 sprunghafte Zuwächse. Seitdem hat sich das Wachstum abgeschwächt. 2018 stieg die Bio-Rebfläche um ein Prozent auf gut 106.000 Hektar.

Bio-Weinanbaufläche weltweit in Hektar

Regionale Ware im Trend

Nach wie vor sehr gefragt ist bei den deutschen Verbrauchern der einheimische Wein. Darunter werden in Süddeutschland meist die Gewächse aus den nächstgelegenen Anbaugebieten verstanden. In weinferneren Regionen gelten dagegen mehr oder weniger alle deutschen Weine als einheimisch. „Deutschland und Italien sind für uns die Gewinner des Jahres 2019“, resümiert José Serrano, Leitung Einkauf & Qualitätsmanagement beim Bio-Wein-Importeur Peter Riegel. Von Knappheit spricht er lediglich bei den Gewächsen aus Frankreich.

Bio-Wein in Corona-Zeiten

Peter Riegel ist Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Bio-Weinimports in Orsingen (Bodensee). Wir fragten ihn nach den Auswirkungen der Corona-Krise auf den Bio-Wein.

„Die großen Umsatzzuwächse des Bio-Handels im Monat März haben sich auch auf den Wein ausgewirkt. Wir hatten ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat, obwohl die Kunden aus der Gastronomie wegbrachen. Von Hamsterkäufen bei Wein ist mir aber nichts bekannt. Auf der Beschaffungsseite gibt es geringfügige Probleme mit den Transporten wegen der Grenzkontrollen. Die Winzer liefern aber normal. Ausnahme ist Frankreich, wo viele einfach nicht zur Arbeit gehen, obwohl sie dürften.“

Ersatz für Kupfer gesucht

Das Eindämmen des Peronospora-Pilzes ist nach wie vor die größte Herausforderung im Bio-Weinbau. Als Gegenmittel ist Kupfer bislang noch unverzichtbar. Gerade hat jedoch die EU erneut seinen Einsatz strenger limitiert. Auf die Suche nach neuen Lösungen begibt sich jetzt das deutsche VitiFIT-Projekt, zu dem das Bundeslandwirtschaftsministerium 6,3 Millionen Euro beisteuert. Mit im Boot sind die Bio-Anbauverbände, Hochschulen und Weinbauinstitute. Gesucht werden Verbesserungen beim Pflanzenschutz, gleichzeitig aber auch Alternativen wie zum Beispiel die pilzwiderstandsfähigen Sorten (PIWI) und ihre Markteinführung.

Neue Reben für das Land

Neu auf den Markt kam Ende letzten Jahres ein Novello vom Bio-Weingut Pizzolato (Veneto, Italien) aus der Rebsorte Merlot Kanthus. Dabei handelt es sich um eine italienische Kreuzung aus einem resistenten Partner mit Merlot. In normalen Jahren kommt sie mit zwei bis drei Spritzungen aus.

Vorbehalte gegenüber Bio

„Bio-Wein erzielt nur dann einen Mehrpreis, wenn er auch durch Qualität überzeugt.“ Auf diese besondere Herausforderung bei der Vermarktung von Bio-Wein wies Felix Prinz zu Löwenstein, der Vorsitzende des BÖLW, in seiner Glückwunschansprache anlässlich des 35-jährigen Jubiläums von Ecovin im Rahmen der diesjährigen Biofach hin. Dazu passend stellten Prof. Dr. Gergely Szolnoki und die Doktorandin Katharina Hauck eine Studie vor, die derzeit an der Hochschule Geisenheim läuft. Nach dieser beläuft sich der Absatz von Bio-Wein in Deutschland auf knapp 1 Million Hektoliter. Allerdings spielt das Bio-Argument dabei nur für die Hälfte der Käufer die entscheidende Rolle. Laut Studie gibt es bei den Verbrauchern große Vorbehalte. Nur 10 von 94 befragten Personen konsumieren regelmäßig Bio-Wein. Am aufgeschlossensten ist die mittlere Altersgruppe (35-50 Jahre).

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