Wissen. Was die Branche bewegt
Oxfam nennt Namen

Deutsche Supermärkte zahlen weiter Hungerlöhne

Corona spülte ein zweistelliges Umsatzplus in die Kassen deutscher Handelsketten. Doch auf den Plantagen bleiben die Löhne unter dem Existenzminimum. In Brasilien mussten Arbeiterinnen ihre Schutzmasken selbst kaufen.

24.06.2021 vonLeo Frühschütz

Arbeiterinnen und Arbeiter im globalen Süden kämpfen um ihre Existenz.

Corona spülte ein zweistelliges Umsatzplus in die Kassen deutscher Handelsketten. Doch auf den Plantagen bleiben die Löhne unter dem Existenzminimum. In Brasilien mussten Arbeiterinnen ihre Schutzmasken selbst kaufen.

Während deutsche Handelsketten 2020 Rekordumsätze verbuchten, wurden die Menschen am Anfang ihrer globaler Lieferketten besonders hart von der Pandemie getroffen. Die Hilfsorganisation Oxfam nennt Beispiele und Namen.

Für den Bericht „Pandemie-Profiteure und Virus-Verlierer*innen“ interviewte Oxfam zusammen mit Partnerorganisationen Arbeiter auf Kaffeeplantagen in Brasilien, Teefeldern in Indien, Traubenfarmen in Südafrika und Fischkuttern in Thailand. Diese bekamen schon vor der Pandemie Löhne unterhalb des Existenzminimums.

Durch Corona verloren sie noch an Einkommen und konnten sich, wenn sie Arbeit hatten, kaum vor einer Infektion schützen. So berichteten Frauen von Teeplantagen im indischen Assam, dass sie im Monat im Schnitt nur 42 Euro verdienen und im ersten Lockdown 45 Arbeitstage verloren – ohne jeden Ausgleich. In Brasilien mussten Arbeiterinnen auf den Kaffeeplantagen ihre Schutzmasken selbst kaufen – für Corona ebenso wie beim Pestizideinsatz.

7 Milliarden mehr für Aldi Süd

Diesen Zuständen stellt Oxfam die Zahlen der deutschen Handelsketten gegenüber. Sie konnten „ihre Umsätze 2020 um bis zu 17 Prozent steigern, das Vermögen ihrer Eigentümer*innen wuchs um bis zu 30 Prozent“, schreibt die Hilfsorganisation.

„Während die Supermarktketten Kasse machten, kämpfen die Arbeiterinnen und Arbeiter, die unser Essen herstellen, um ihre Existenz“, sagt Tim Zahn, Oxfam Experte für Wirtschaft und Menschenrechte, und rechnet vor: „Allein die Pandemiegewinne der Eigentümer von Aldi Süd hätten ausgereicht, um rund vier Millionen Beschäftigten im brasilianischen Kaffee-Sektor existenzsichernde Löhne zu zahlen.“

Derzeit bekommen diese Menschen nur 60 Prozent des Existenzminimus als Lohn gezahlt. Gleichzeitig sei das Vermögen von Beate Heister und Karl Albrecht Junior, den Haupteigentümer*innen von Aldi Süd, von knapp 18 auf fast 25 Milliarden Euro gewachsen, schreibt Oxfam. „Das Vermögen von Dieter Schwarz, dem Eigentümer der Schwarz-Gruppe, zu der Kaufland und Lidl gehören, wuchs um mehr als 30 Prozent“.

Die Pandemiegewinne der Eigentümer von Aldi Süd hätten gereicht, um rund vier Millionen Beschäftigten existenzsichernde Löhne zu zahlen.

Tim Zahn, Oxfam

Oxfam fordert die Handelskonzerne auf, dafür zu sorgen, dass Beschäftigte in den globalen Lieferketten „ausreichend gegen Corona geschützt sind, kostenlose Schutzbekleidung erhalten und im Falle einer COVID-19-Erkrankung weiterhin Lohn bekommen“. Außerdem müssten die Supermarktketten ihr Geschäftsmodell verändern, „so dass die Beschäftigten in den globalen Lieferketten von ihrer Arbeit leben können und ihre Rechte geachtet werden“.

Als drastisches Beispiel erwähnt die Hilfsorganisation „moderne Sklaverei“ auf einigen brasilianischen Kaffeeplantagen, für die es „Belege für Verbindungen zu deutschen Supermarktketten“ gebe.

Weiterführende Links

Oxfam-Bericht: Pandemie-Profiteure und Virus-Verlierer*innen

Oxfam-Pressemitteilung: Corona-Boom: Supermärkte machen Kasse, Arbeiter*innen zahlen den Preis

Kommentare

Das könnte interessant sein ...

Unsere Empfehlung

Ähnliche Beiträge