Wissen. Was die Branche bewegt
Markt & Branche

Tierrechtler greifen Bioland an

Die Tierrechtsorganisation Ariwa hat Video-Material aus drei Bioland-Betrieben veröffentlicht. Es zeigt Milchkühe in einem verdreckten Stall, Schweine mit nur etwas Strohmehl als Einstreu, eine fixierte Zuchtsau sowie Legehennen mit komplett nackten Hinterteilen.
01.08.2017
Die Tierrechtsorganisation Ariwa hat Video-Material aus drei Bioland-Betrieben veröffentlicht. Es zeigt Milchkühe in einem verdreckten Stall, Schweine mit nur etwas Strohmehl als Einstreu, eine fixierte Zuchtsau sowie Legehennen mit komplett nackten Hinterteilen.

Die Tierrechtsorganisation Ariwa hat Video-Material aus drei Bioland-Betrieben veröffentlicht. Es zeigt Milchkühe in einem verdreckten Stall, Schweine mit nur etwas Strohmehl als Einstreu, eine fixierte Zuchtsau sowie Legehennen mit komplett nackten Hinterteilen.

Die Aufnahmen stammen laut Ariwa aus den Jahren 2016 und 2017 und sollen zeigen, „dass sich die Bio-Tierhaltung auch bei Bioland nicht wesentlich von der konventionellen Tierhaltung unterscheiden muss.“

"Im Nachhinein schwer, die Situation zu bewerten"

Bei Bioland sieht man die drei Betriebe als Einzelfälle, die man gerne aufklären würde. „Wir haben Ariwa gebeten, uns die Betriebe zu nennen und gefragt, ob sie noch weiteres Videomaterial haben, das uns bei der Aufklärung hilft“, sagt Bioland-Sprecher Gerald Wehde. Bisher hätte die Organisation nicht geantwortet. Als problematisch sieht es Wehde an, dass ein Teil der Bilder mehr als ein Jahr alt ist. Im Nachhinein sei es schwer, die damalige Situation zu bewerten. „Ich hätte mir gewünscht, Ariwa wäre schon vor einem Jahr mit den Bildern auf uns zugegangen, so hätten wir direkt reagieren können.“

Denn klar ist, dass die Aufnahmen teilweise Zustände zeigen, die auf Missmanagement hinweisen oder – bei den Legehennen – auf massive Probleme im Bestand. Andere Bilder benutzt Ariwa dazu, grundsätzliche Kritik an der Bio-Tierhaltung zu unterstreichen, etwa dass auch Biomilcherzeuger nach wenigen Tagen Mutter und Kalb trennen. Denn das Ziel der Organisation ist es nicht, die Tierhaltung zu verbessern. „Wem es wirklich um das Wohl der Tiere geht, der lebt vegan und konsumiert keine tierlichen Produkte“, sagt Sandra Franz, Pressesprecherin von Ariwa.

"Zustände von Bioland-Richtlinien gedeckt"

bio-markt.info hat Ariwa gefragt, was die Organisation „unternommen hat, um die schon 2016 dokumentierten untragbaren Zustände zu beenden und den betroffenen Tieren zu helfen.“ Darauf antwortete der Ariwa-Vorstandsbeauftragte Achim Stammberger, die dargestellten Zustände seien „von den Bioland-Richtlinien gedeckt, entsprechen mithin auch den Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und sind daher weder auf rechtlichem Weg, d. h. über eine Anzeige, noch durch erneute Bioland-Kontrollen abzustellen.“ Verendete Hennen und kotverschmutzte Laufställe seien Altag und würden erfahrungsgemäß das zuständige Veterinäramt nicht auf den Plan bringen. „Diese Verhältnisse sind kein Skandal innerhalb des Systems. Das System ist der Skandal.“

Auch Bio-Eier in den Medien

Ebenfalls mit der Eierproduktion beschäftigt sich der Beitrag von Report Mainz im Ersten mit dem reißerischen Titel „Die Eier-Lüge“. Er zeigt, wie bereits der SWR-Beitrag im Magazin Marktcheck, niederländische Freiland- und Bio-Betriebe, die offensichtlich gegen Bestimmungen verstoßen und kritisiert die Kontrollorganisationen SKAL und KAT. Vorgestellt werden auch ein deutscher Bio-Eiererzeuger mit 24.000 Hennen und eine geplante Anlage bei Berlin mit 42.000 Biohennen in zwei Ställen, gegen die eine örtliche Initiative mobil macht. Als Kontrast zeigt der Beitrag mit dem Bioland-Hof Hasenkrug in Schleswig-Holstein mit 1.200 Legehennen im Mobilstall. All das habe seinen Preis, heißt es im Text. Bei Bauer Greve koste das Ei 35 Cent.


Kommentar: Hilfe verweigert

Da sitzt eine Tierrechtsorganisation ein Jahr lang auf Bildern, die konkret leidende Tiere in konkreten Ställen zeigen. Und sie tut nichts, um diese untragbaren Zustände in ganz konkreten Betrieben abzustellen. Statt dessen wartet sie ein Jahr lang auf den passenden Moment, um einem Bio-Verband eine reinzuwürgen. Und zur Begründung heißt es dann sinngemäß: Da kann man ja eh nichts machen. Hier werden Tiere benutzt und gleichzeitig alleingelassen. Zynischer geht’s kaum.

Leo Frühschütz

Kommentare

Das könnte interessant sein ...

Ähnliche Beiträge